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Kampf gegen Cybergrooming

Pädophile finden zu Corona-Zeiten noch leichter Opfer im Netz: Wasserburger Experten warnen

Herzchen drücken vermeintlich Beliebtheit in Sozialen Netzwerken oder Messengerdiensten aus. „Zum Beispiel auf TikTok schicken Pädophile Kindern oder Teenagern gerne viele Herzchen, um sich einzuschmeicheln“, weiß Barbara Heuel vom Kinderschutzbund. Täterinnen und Täter bemühen sich, jugendliche Sprache zu nutzen, haben für alles Verständnis, machen Komplimente, die mit der Zeit anzüglich werden. Sie fragen, ob das Kind alleine chattet oder ob man sich heimlich treffen könnte.
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Herzchen drücken vermeintlich Beliebtheit in sozialen Netzwerken oder Messengerdiensten aus. Bei der Kommunikation mit Fremden sollten Kinder und Jugendliche aber lieber vorsichtig sein.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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„Du bist 12? Du siehst hübsch aus. Wollen wir Freunde sein?“ Mit so einer Masche sprechen Pädo-Kriminelle Minderjährige gerne auf TikTok, Instagram und Co. an, erschleichen sich Vertrauen und wollen sexuelle Kontakte anbahnen. Was man gegen „Cybergrooming“ tun kann, erklären Barbara Heuel vom Kinderschutzbund Wasserburg und Andreas Guske vom Polizeipräsidium.

Wasserburg/Rosenheim – „Hi, ich bin Tini, zwölf Jahre alt und möchte mir als Babysitter das Taschengeld aufbessern, damit ich mir neue Reitstiefel kaufen kann.“ So oder so ähnlich suchen Jugendliche beispielsweise über die Plattform „ebay Kleinanzeigen“ nach einem Job, weiß Andreas Guske, Leiter der Abteilung Kriminalprävention im Polizeipräsidium Oberbayern Süd und klärt über die Gefahren von „ Cybergrooming “ auf: Pädo-Kriminelle finden auf diesem Weg leicht ihre Opfer. Sie erschleichen sich auch in den Chats von Online-Games das Vertrauen von Mädchen und Buben.

Angriff im Kinderzimmer

Der Angriff findet auf perfide Weise im Kinderzimmer statt – mittels Smartphone oder Tablet.

Täter machen auch über Instagram, Snapchat und WhatsApp oder TikTok Komplimente, geben sich als Gleichaltrige aus, warnt auch Barbara Heuel vom Kinderschutzbund Rosenheim.

„Schickst du mir ein Bild von dir?“

Pädophile bahnen „Freundschaften“ an, fordern die Kinder auf, Nacktaufnahmen zu schicken, sich live vor der Handykamera zu zeigen oder im realen Leben zu treffen.

Cybergrooming ist strafbar

Ziel ist es, in sexuellen Kontakt mit Minderjährigen zu treten. Cybergrooming nennt man diese Masche, die strafbar ist. Um Kinder vor so etwas zu schützen, bietet Heuel gemeinsam mit ihrer Kollegin Dorothée Ortner zum Beispiel im Mehrgenerationenhaus in Wasserburg das „Medienlöwen-Training“ an. Junge Menschen werden fit gemacht vor den Gefahren wie Cybermobbing, Gewalt, sexuellen Missbrauch oder etwa Pornografie im Netz.

Schwer, diesen Bereich zu überwachen

Cybergrooming ist inzwischen auch dann strafbar, wenn die Täter einem verdeckten Ermittler oder Eltern auf den Leim gehen. Im März 2020 erfolgte die „dringend nötige“ Gesetzesänderung, wie Andreas Guske, Kriminalhauptkommissar erklärt. Es sei schwer, diesen Bereich im Netz zu überwachen.

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„Wir sind stark auf die Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen. Neben Anzeigen durch Opfer erhalten wir auch immer mal Hinweise von Usern, die beim Surfen im Netz auf Hinweise stoßen“, so Guske.

In der Pandemie änderte sich Medienverhalten der Kids

Gerade zu Corona-Zeiten hat die Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen – die sich vielfach zwischen Lockdowns und Homeschooling bewegten – zugenommen.

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So machten Grundschüler oftmals erste Erfahrungen mit dem Internet, mussten in kürzester Zeit den Umgang mit Computer, Internet, Passwörter, Videoschalte, Kamera und Co. lernen, so Guske. Für manchen Minderjährigen waren die digitalen Medien die einzige Kontaktmöglichkeit „nach außen“, zu ihren Freunden.

Kinder geben viel von sich preis

Guske weist darauf hin, „Kinder und Jugendlichen waren und sind bereit, über Chats ihre persönlichen Wünsche und Sorgen mitzuteilen. So wird man für die sehr manipulativen Täter zur leichten Beute“. Eltern können ihre Kids nicht ständig überwachen, also sei Aufklärung dringend geboten. „Die Kinder müssen wissen, dass es nicht nur nette Menschen in den sozialen Netzwerken gibt. Brauchen die Eltern selber Rat, helfen unsere Jugendbeamtinnen und Jugendbeamten weiter“, so der Kriminalhauptkommissar.

Prävention über alle Kanäle

Die Polizeiarbeit habe sich durch das Internet verändert – auch bei der Prävention. Man versuche daher, alle Kanäle zur Aufklärung zu nutzen, etwa mittels der bayernweiten Kampagne „Dein Smartphone, Deine Entscheidung“. Hier sei eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen erforderlich.

Kindliche Nutzer werden immer jünger

Internet sei heute stets verfügbar – das mache es Pädophilen leichter. Auch weil die kindlichen Nutzer immer jünger werden, so Guske. Man könne zudem in der virtuellen Welt einfach sein Alter oder Geschlecht verschleiern. Und die Sozialkontrolle fehle, erklärt er weiter.

Nicht den Kopf in den Sand stecken

„Ein Mann, der sich auf einem Spielplatz auffällig benimmt, wird von Erwachsenen erkannt und angesprochen, möglicherweise sogar der Polizei gemeldet. Im Netz ist vieles anonym. Viele Eltern wollen oder können schlichtweg mit der Entwicklung ihrer Kinder und dem sich ständig verändernden Onlineverhalten nicht mehr mithalten“, weiß der erfahrene Ermittler.

Kinder nicht mit dem Internet allein lassen

„Manche Eltern stecken den Kopf in den Sand. Und die Kinder sind sich selbst überlassen“, pflichtet Barbara Heuel bei. Sie empfiehlt Kindern und Eltern, beispielsweise folgende Seiten im Netz zu besuchen: klicksafe.de, handysektor.de oder etwa juuuport.de. Hier gibt es die nötigen Infos und Tipps. Die Seiten richten sich auch direkt an die kleinen und jungen Nutzer. Unter www.nummergegenkummer.de können sich Kinder und Jugendliche anonym Hilfe holen. Auch Eltern finden hier ein offenes Ohr – kostenlos. „Kids und Teenies können sich an uns wenden: Wir beraten anonym“, so Heuel.

Anlaufstelle im Mehrgenerationenhaus

In Wasserburg ist hier das Mehrgenerationenhaus Anlaufstelle.

Guske appelliert an Mütter und Väter: „Bitte begleiten Sie Ihre Kinder im Netz und zeigen Sie Interesse. Insbesondere die Jüngeren finden es toll, ihren Eltern mal neue Sachen im Netz zu zeigen zu können. Stellen Sie Regeln auf und setzen Sie Grenzen. Denn das gehört auch zum Erziehungsauftrag. Nutzen Sie die Datenschutzeinstellungen an den Geräten. Oft kann man im Browser eine Altersbeschränkung festlegen.“

Medienkompetenz wird zur Lebenskompetenz

Medienkompetenzen entwickle sich immer mehr zu einer Lebenskompetenz. „Viele Erwachsene sind mit den Angeboten im Netz überfordert. Wie sollen es dann Kinder und Jugendliche schaffen, dort zurechtzukommen?“ Guske sagt, die Kompetenzsteigerung sollte auf allen Ebenen erfolgen.

Kinder stärken, um sie zu schützen

Heuel schlägt in die selbe Kerbe. „Es wird immer Wege geben, die bösen Menschen finden. Deswegen muss man seine Kinder stärken.“

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Stichwort Cybergrooming:

Das gezielte Ansprechen Minderjähriger im Internet mit dem Ziel, sexuelle Kontakte anzubahnen, nennt man Cybergrooming („to groom“ englisch: jemanden auf etwas vorbereiten, hier: sich das Vertrauen eines Kindes erschleichen, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen). Oft werden Kinder und Jugendliche anonym oder unter falschen Angaben kontaktiert. Häufig geben sich Täter als Gleichaltrige aus und schmeicheln sich mit Komplimenten ein.

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Immer misstrauisch bleiben:

  • Eltern begleiten ihr Kind beim Surfen und Chatten idealerweise und suchen gemeinsam altersgerechte Online-Angebote heraus. Sie sollten Verhaltens- und Sicherheitsregeln vereinbaren und sich für die Online-Kontakte des Kindes interessieren, ohne es ständig zu überwachen.
  • Kinder müssen wissen, dass sie sich bei negativen Erfahrungen – auch im Netz – an die Eltern wenden können – oder an andere Bezugspersonen, wie etwa Vertrauenslehrer oder die „coole Tante“. Eltern sollten mit ihnen diesen Personenkreis besprechen.
  • Eine beliebte Masche: Ich bin Modelagent und bringe dich groß raus.
  • Sparsam sein im Veröffentlichen von persönlichen Daten. Die Profilnamen sollten keine Hinweise auf Name, Alter, Wohnort enthalten.
  • Ob der Chatpartner wirklich der ist, der er vorgibt zu sein, weiß man nie, daher sollte man immer misstrauisch bleiben. Persönliche Treffen mit unbekannten Onlinekontakten bestenfalls unterlassen. Und wenn, dann nur in Begleitung eines Erwachsenen.
  • Die Webcam ausgeschaltet lassen oder abkleben. Sie kann leicht gehackt werden und man wird unbemerkt beobachtet.
  • Unangenehme Chats sofort beenden, den Nutzer blockieren und dem Betreiber melden. Schwerwiegende Vorfälle der Polizei melden oder bei jugendschutz.net. Am besten von den Chats Screenshots zur Beweissicherung machen.

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