AUS DEM GERICHTSSAAL

Wasserburger erpresst von Buben Geld

Das Jugendschöffengericht in Rosenheim sprach von einem „krassen Verhalten“ und sah für einen 24-jährigen Wasserburger keine Chance auf Bewährung.
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Das Jugendschöffengericht in Rosenheim sprach von einem „krassen Verhalten“ und sah für einen 24-jährigen Wasserburger keine Chance auf Bewährung.
  • vonChrista Auer
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Das Jugendschöffengericht Rosenheim hat einen 24-jährigen Wasserburger wegen räuberischer Erpressung und versuchter räuberischer Erpressung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Die Taten gelten als besonders skrupellos, denn die Opfer waren zwei Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren.

Wasserburg – Laut Anklage hat der Wasserburger von den Buben zehn Euro erpressen wollen. Der Angeklagte räumte den Tatvorwurf ein, behauptete jedoch, sich aufgrund seiner Alkoholisierung an den Vorfall nicht mehr erinnern zu können. Er habe Stress mit seiner Ex gehabt und sei an dem Tag ab Mittag in Wasserburg unterwegs gewesen. Vermutlich habe er dabei etwa eineinhalb Flaschen Wodka getrunken.

Mit Schlägen gedroht

Die beiden Opfer und auch seine damalige Freundin hatten das Tatgeschehen jedoch noch sehr deutlich vor Augen. Der Angeklagte habe behauptet, die Buben hätten einen Kratzer in das Auto seiner Mutter gemacht und mit Nachdruck zehn Euro gefordert. Ansonsten habe er mit Schlägen und der Polizei gedroht, bestätigten die Jugendlichen und auch die 16-jährige Ex-Freundin des Angeklagten den Tatvorwurf.

Er habe dem Angeklagten seinen leeren Geldbeutel gezeigt, schilderte der 13-Jährige. Daraufhin habe sich der Angeklagte seinen Freund vorgenommen. „Wir waren zwar mit unseren Skateboards und Scooter im Parkhaus, aber wir haben sicher keinen Kratzer am Auto gemacht“, sagte der 14-jährige Wasserburger. Deshalb habe ihn die Drohung mit der Polizei nicht beeindruckt.

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Der Angeklagte hätte keinen Zweifel daran gelassen, dass er Ernst machen würde. Deshalb habe er ihm das Geld dann doch gegeben. Dann habe der Mann von ihnen abgelassen, sagte der Bub.

Nachdem sich die Teenager in Sicherheit gebracht hatten, riefen sie die Polizei und legten sich auf die Lauer. So konnten sie beobachten, wie der Angeklagte mit seiner Begleiterin das Parkhaus verließ und wenig später wieder zurückkehrte. Die 16-Jährige sagte aus, dass sie am Tattag mit ihrem damaligen Freund, der gar kein Auto besitzt, im Parkhaus gewesen sei. Da habe er die beiden Buben entdeckt und sei auf sie losgegangen. „Du kannst doch keine Kinder schlagen“, habe sie ihm gesagt, doch er habe nicht auf sie gehört.

„Nüchtern ist er ein lieber Mensch, aber wenn er Alkohol getrunken hat, ist er sehr gereizt“, berichtete die junge Frau. Während ihrer Beziehung sei er meistens betrunken gewesen. Auch am Tattag habe er wohl mehr als eine Flasche Wodka intus gehabt.

Mit Geld Flasche Korn gekauft

Mit dem Geld des Buben habe sich der Angeklagte gleich eine Flasche Korn gekauft, sagte die Zeugin. Ein Alkoholtest ergab später rund 1,5 Promille. Eine deutliche Alkoholisierung war allerdings nicht erkennbar. Darüber waren sich alle Zeugen, darunter auch der Polizeibeamte, der den Angeklagten in der Damentoilette des Parkhauses festgenommen hatte, einig.

„Für einen geübten Trinker stellt dieser Promillewert keine Beeinträchtigung dar,“ stellte der medizinische Gutachter fest. Beim Angeklagten sei noch keine Abhängigkeitsproblematik erkennbar, allerdings sei von einem erheblichen Alkoholmissbrauch auszugehen. Obwohl bei vielen der acht Vorahndungen Alkohol im Spiel gewesen sei, liege keine Hangtat vor. Die Voraussetzungen für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt seien noch nicht erfüllt, resümierte der Facharzt für Psychiatrie, der in puncto Erinnerungslücken des Angeklagten so seine Zweifel hatte.

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„Die Feigheit der Tat ist schon besonders hervorzuheben“, betonte Staatsanwalt Wolfgang Fiedler. Er forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten und unter Einbeziehung einer im Mai verhängten Bewährungsstrafe von drei Monaten wegen Beleidigung und Bedrohung eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren. Eine Bewährung komme nicht in Frage.

.„Krasses Verhalten„

Das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Dirk Dombrowski folgte dem Antrag der Anklage. „So ein Verhalten, um an Geld für Alkohol zu kommen, das ist schon krass“, betonte der Richter auch im Hinblick auf das Alter der Opfer. Der Angeklagte habe sich nicht um Schadenswiedergutmachung bemüht und den Buben vor dem Sitzungssaal mit fünf Euro abspeisen wollen. Auf Hinweis des Gerichts habe die Mutter des Angeklagten die restlichen fünf Euro drauf gelegt.

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„Es war eine absolut unschöne Tat“, stellte Verteidigerin Gabriele Sachse klar. Dennoch ging sie von einem minderschweren Fall aus – unter anderem, weil es keine intensive Drohung gegeben habe und die Geschädigten nicht anhaltend traumatisiert seien. Sie plädierte für eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und eine Strafaussetzung zur Bewährung.

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