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Wasserburger Clown Max Windholz sagt, „ich lache am liebsten über mich selbst“

Eine Stunde lang ist der Clown nur für sie da. Das genießen die Kinder an einer Schule in Pune (Indien) sichtlich. Max Windholz ist in seinem Element.
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Eine Stunde lang ist der Clown nur für sie da. Das genießen die Kinder an einer Schule in Pune (Indien) sichtlich. Max Windholz ist in seinem Element.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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Lachen ist essenziell, es nährt die Seele, sagt Max Windholz aus Wasserburg. Der Künstler engagiert sich unter anderem bei „Clowns ohne Grenzen“ in indischen Heimen für Straßenkinder und Schwerstbehinderte. Als Clown braucht man kindliche Spielfreude – und eine innere Einstellung zum Leben, die Humor heißt.

Wasserburg – Humor ist eine innere Einstellung, die man zum Leben hat, findet Max Windholz aus Wasserburg. „Ich lache am liebsten über mich selbst“, sagt der gelernte Maschinenbautechniker – der nebenberuflich Clown ist – anlässlich des Weltlachtages. Dabei grinst er breit, seine Augen strahlen.

Masken für Improtheater-Workshops stellt Max Windholz in seinem Atelier in der Färbergasse selbst her.

Das Absurde hat es ihm angetan

Kleinigkeiten, die schiefgehen, ihm misslingen, rufen die Reaktion der Erheiterung im limbischen System seines Gehirns hervor. Das Absurde, das Schwarzhumorige und die britische Komik – das ist es, was es ihm angetan hat.

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Der 56-Jährige engagiert sich bei „Clowns ohne Grenzen“ sowie auf eigene Initiative – hauptsächlich in Indien. In Wasserburg gibt er Workshops für Clownerie und Improtheater und hat gerade erst zusammen mit Katharina Danninger aus Soyen, die Lachyoga-Lehrerin ist, ein Atelier in der Färbergasse eröffnet. Leben muss er davon nicht, seine Kunst ist seine Freude. Derzeit arbeitet er an Masken aus Pappmaché, die er für die Workshops, die er derzeit online abhält, braucht.

Die Clownsnase ist die kleinste Maske der Welt, sagt Max Windholz aus Wasserburg.

Masken lernen sprechen

Vollmasken, die „stumm“ sind und auf die Körpersprache des Agierenden angewiesen sind. Oder Halbmasken, mit denen man vorm Spiegel einen Charakter entwickelt und „sprechen lernt“, wie er den kanadischen Improvisationsstil erklärt.

„Papa machte jeden Blödsinn mit“

Im „Raum“ ist Platz für Kurse und Künste. In der Stadt kennt man Windholz aus der Reihe „Wortwechsel“, die vor zehn Jahren zunächst im Belacqua und später im Narrenkeller stattfand.

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Vor Corona war er beispielsweise Teil von „Wettstreit der Künste“ im Innkaufhaus, wo Improtheaterleute gegen Poetryslammer antraten.

„Lachen ist essenziell für die Seele“

„Clownerie, Improtheater, Performance, Kunst – das geht alles ineinander über und lässt sich nicht separieren“, so der gebürtige Münchner, der heute in Wasserburg lebt. „Lachen ist essenziell für die Seele. Ich hatte das große Glück, dass ich mit Lachen aufwachsen durfte. Meine Eltern stammen aus Gars und sie waren immer lustig und albern. Mein Papa hat jeden Blödsinn mitgemacht“, erzählt Windholz. Rückblickend seien seine Eltern damit wohl Exoten gewesen: in den 60er Jahren – auf dem Land.

In Indien für Straßenkinder gespielt

Humor ziehe sich seit jeher durch sein Leben. „Im Berufsleben ist es heilsam und tut gut, wenn es bei einem anstrengenden Projekt mal was zum Lachen gibt“, so Windholz.

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Als Clown, der in Indien Heime für Straßenkinder oder Schwerstbehinderte besucht, habe er oft erlebt, was er bewirken kann mit seiner Kunst. Die Menschen genießen, dass es eine Stunde nur um sie und ihr Wohlergehen geht, dass sie aus ihrem tristen Alltag rauskommen und endlich mal lachen können. Nicht nur, dass man ihnen in Krisenregionen zu Essen gibt, sei bedeutsam. „Die Seele ist kaputt, nach den schlimmen Erlebnissen, wie Krieg und Flucht. Auch sie muss genährt werden“, sagt Max Windholz.

Mit Jubel empfangen

Die Kinder in Indien haben ihm so viel mehr gegeben, als er ihnen, sagt er. „Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich dran denke, wie das auch mich heilt“, erzählt er. Die Auftritte der Clowns bleiben dem Publikum nachhaltig in Erinnerung. Wenn er mit Kollegen ein Jahr später wieder zur selben Einrichtung kommt, werden sie mit Jubel empfangen, die Kinder erinnern sich noch an die Clownsnamen.

Ein Clown ist universell verständlich

„Auch wenn es in der indischen Kultur den Clown nicht gibt, so funktioniert er auch dort. Er ist universell verständlich“, sagt Windholz. Politisch und religiös Brisantes wird ausgespart, verletzende Witze ebenso. In Ländern wie dem Iran überwacht die Sittenpolizei die Auftritte. Frauen dürfen da zwar auf die Bühne, aber nicht tanzen, das berichtete ihm seine Schwester. „Sie ist Clownin, mit ihr zusammen hab‘ ich in Freising die Clowns-Ausbildung gemacht.“

Er schätzt die leisen Töne

Schmunzelmomente, auf die käme es an. Windholz mag Lachen, das bleibt – auch in Erinnerung. Also die leisen Töne. Fastfoodhumor sei nicht das seine. Eine Wertung dieser Comedy-Kunstform wolle er jedoch nicht vornehmen. „Alles hat seine Berechtigung. Auch wenn etwas nicht mein Ding ist, so kann ich es als Kunst dennoch schätzen“, so der 56-Jährige.

Was heckt Amruta Mapuskar aus Mumbai da mit Max Windholz aus?

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„Mein Stil muss nicht allen gefallen, einem reicht“, sagt er und stellt die Frage: Wenn er allen gefällt – ist er dann Durchschnitt?

Er wünsche sich mehr Offenheit in der Gesellschaft und weniger Schwarz-Weiß-Denken. Seltener abfälliges Urteilen, lieber einen Kritikstil, der Positives stärkt.

„Das ist schlecht“ sei nicht konstruktiv, bringe niemanden weiter. Besser sei, „das hat mich nicht so angesprochen, aber hier von möchte ich gern mehr sehen“. So mache er es in Feedback-Gesprächen, sei es nun in seiner technischen Arbeit mit Kollegen, oder in Impro- oder Clown-Workshops.

Kinder früh mit Kunst in Berührung bringen

Kinder und Jugendliche sollten früh mit Kunst, Theater, Oper, in Berührung kommen. Nur so können sie herausfinden, ob ihnen das gefällt. „Ich würde am liebsten die großen Theater- und Opernhäuser verpflichten, in und für Schulen zu spielen – schließlich werden sie staatlich gefördert“, so Windholz. Kreativität könne so geweckt und bestärkt werden. An dieser Stelle kritisiert er das Schulsystem, das hauptsächlich darauf getrimmt sei, was ein Kind alles nicht kann, statt Stärken zu betonen und zu fördern, die sich jenseits der Pflichtfächer bewegen.

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„Damit fallen viele durchs Raster und das ist schade“, so Windholz. Gerade Kinder aus nicht so intakten Elternhäuser mit schlechten Noten könnten sich durch Kreativität und Hingabe „viel rausziehen“.

Weinen und Lachen liegen nah beinander

In der deutschen Leistungsgesellschaft sei man benachteiligt, wenn man sozial veranlagt sei. „Man wird bestraft durch schlechte Bezahlung, siehe Pflegeberufe.“ Er sei technisch begabt, da komme man gut unter in der Industrie. „Das ist in der Gegenüberstellung doch traurig“, gibt er zu bedenken.

Weinen und Lachen nah beieinander

Weinen und Lachen liegen im Leben nah beieinander. „Das sieht man bei einem starken Lachanfall, bei dem einen die Tränen runterlaufen“, so Windholz. Beides seien starke Gefühle und Reaktionen, die man nicht kontrollieren kann. Beides wirke reinigend, entgiftend. Stark aufgeladene Gefühlszustände entladen sich.

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Das Lachen an sich hat verschiedene Funktionen. Manchmal geht es darum, einen gefühlten Schmerz zu mindern und ihn zu unterbrechen. Dazu verhelfen beispielsweise die „Clowns ohne Grenzen“ (siehe Infobox).

Treibt in einer Schule im indischen Pune Schabernack: Max Windholz aus Wasserburg mit Kollegin Amruta Mapuskar aus Mumbai.

„Weinen ist auch ganz was wichtiges“, findet Max Windholz, für den der traurige Clown mit seiner ganz eigenen Ästhetik und Körpersprache etwas ganz besonders Schönes ist.

Als Clown darf man keine Scheu haben, sich zum Deppen zu machen, sagt Max Windholz.

Was macht einen Clown aus?

Keine Scheu vor Leuten zu haben und vor allem nicht davor, sich zum Deppen zu machen – das braucht man, um Clown sein zu können, sagt Max Windholz aus Wasserburg. Ein Clown soll nicht versuchen, lustig zu sein, das wird er von allein, wenn er mit kindlicher Spielfreude agiert.

„Ich mag die Idee, dass er in seiner eigenen Welt lebt, wo alles normal ist. Dass er sich auf einen Stuhl setzt, wo keiner ist und auf seinen Hintern plumpst. Das ist nicht schlimm, weil es ja immer so ist. Der Clown will etwas Banales machen und bringt es nicht hin. Zum Beispiel Zeitung lesen. Das geht nun mal nicht, wenn sie auf dem Kopf steht, das weiß doch jedes Kind. Dieses Scheitern ist im normalen Leben verpönt. Aber nicht beim Clown. Und wenn im versehentlich was gelingt, dann erschrickt er. Der Clown teilt sein Unvermögen so, dass sich die Leute kaputtlachen. Er darf naiv sein und niemand legt es ihm negativ aus. Eine Clownsnase ist die kleinste Maske der Welt, ein Clown darf alles, was im normalen Leben nicht geht“, so Windholz.

Sein Tipp: Trauen Sie sich, über sich selbst, über eigene Missgeschicke zu lachen. Das tut gut.

Über „Clowns ohne Grenzen“:

„Clowns ohne Grenzen“ engagieren sich weltweit in Flüchtlingslager, Krisen- und Kriegsgebieten. Mit den roten Nasen und ihren Späßen reißen sie traumatisierte Kinder und auch erwachsene für kurze Zeit aus der Trostlosigkeit, bringen Leichtigkeit an Orte ohne Perspektive. Das Clownsein an bedrückenden Orten hat etwas Groteskes. Kinder spielen jedoch, was ihre Realität ist. Wenn Krieg ist, spielen sie den Krieg nach, wenn ein Clown da ist, spielen sie Clown.

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