Trump oder Biden?

Wasserburger Chris Taylor fürchtet „bürgerkriegsähnliche Zustände“ nach US-Wahl

Bei einem Wahlverlust würde Trump „einen bürgerkriegsähnlichen Zustand in Kauf nehmen“, ist Chris Taylor aus Wasserburg überzeugt. Ähnliche Zustände wie sie schon hier bei den „Black Lives Matter“-Protesten in Kenosha, Wisconsin, geherrscht haben, wo dieses Foto entstand.
+
Bei einem Wahlverlust würde Trump „einen bürgerkriegsähnlichen Zustand in Kauf nehmen“, ist Chris Taylor aus Wasserburg überzeugt. Ähnliche Zustände wie sie schon hier bei den „Black Lives Matter“-Protesten in Kenosha, Wisconsin, geherrscht haben, wo dieses Foto entstand.

„Sollte Biden gewinnen... – ich glaube Trump würde einen Bürgerkrieg in Kauf nehmen oder zumindest bürgerkriegsähnliche Zustände“, sagt Chris Taylor mit einem schweren Seufzer. Chris Taylor ist von all dem direkt betroffen. Der 27-Jährige hat die Deutsche und die Amerikanische Staatsbürgerschaft.

Von Sophia Huber

Wasserburg – Chris Taylors Aussage macht klar: Er ist besorgt. Die US-Wahl ist bereits in vollen Gange und Amerika ist so gepalten wie nie. Das Coronavirus hat das Land weiter fest im Griff. Die Arbeitslosigkeit ist in den letzen Monaten rasant gestiegen. Die Rassismus-Debatte ist noch lange nicht vorbei. Vereinigte Staaten? Fehlanzeige.

Kein Freund des Wahlmänner-Systems

Taylor ist politisch engagiert, in Wasserburg ist er Mitglied beim Wasserburger Block und ist in diesem Jahr bei den Stadtratswahlen als Kandidat angetreten. Für die amerikanische Wahl hat er seine Stimme dennoch nicht abgegeben.

„Da ich keinen Wohnsitz in Amerika habe, würde meine Stimme nicht berücksichtigt werden.“ Denn es gäbe ein eigenes Registrierungssystem für die amerikanischen Staatsbürger ohne Wohnsitz im Land. Die dort abgegebenen Stimmen würden aber erst ausgezählt werden, wenn es kein eindeutiges Ergebnis durch die Stimmen der Bürger, die in Amerika wohnen, zustande käme.

Minderheiten werden unterdrückt

„Das ist bis jetzt noch nie passiert“, erklärt Taylor. Generell sei er kein Freund des amerikanischen Wahlsystems, vor allem das der Wahlmänner. „Dadurch werden Minderheiten unterdrückt.“, erklärt er.

Lesen Sie auch:

Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

Taylor muss nun alles auf die Bürger mit Wohnsitz in den USA setzen, denn er möchte auf keinen Fall, dass Donald Trump wiedergewählt wird. „Ich möchte keinen Präsidenten, der seine Politik auf Hass und Lügen aufbaut“, erklärt er ganz klar. Gleichzeitig hat er seine Zweifel, ob der amtierende Präsident die Wahl wirklich verliert.

Clinton war vorne

Die Zahlen ließen zwar vermuten, dass er vor der Niederlage stünde und inzwischen habe er auch prominente Unterstützer aus der eigenen Partei verloren, wie George W. Bush und George Bush senior. Aber es wäre das erste Mal seit über zwanzig Jahren, dass ein Präsident die Wiederwahl verliere. „Außerdem haben wir gesehen, dass man sich auf die Zahlen nicht unbedingt verlassen kann“, erklärt er und spielt damit auf die letzte Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 an, bei der bis zuletzt von einem Sieg Hillary Clintons ausgegangen wurde.

„Ich erwarte einen Zusammenbruch“

Sollte Trump im Amt bleiben, fürchtet Taylor einen Zusammenbruch der USA. „Das haben wir durch Corona gesehen. Ich gehe von einem weiteren wirtschaftlichen Zusammenbruch aus.“ Bei einem Sieg Joe Bidens könnte es aber seiner Meinung nach genauso schlimm kommen, wenn nicht schlimmer. Denn Taylor hat große Zweifel, ob Trump eine Niederlage wirklich akzeptieren würde.

„Sagen wir mal, er scheut auf jeden Fall nicht vor Bürgerkrieg oder bürgerkriegsähnlichen Zuständen zurück.“ Das habe man während der „Black Lives Matter“-Proteste gesehen, bei denen zum Teil die Nationalgarde im Einsatz war und brutal gegen die Demonstranten vorging.

Hoher Sieg Bidens nötig

Der Wasserburger hofft dennoch auf einen Sieg des Herausforderers. „Ich denke, er würde es gut machen. Er hat ja schon gute Arbeit als Vizepräsident unter Barrack Obama geleistet“, erläutert Taylor. Aber um eine friedliche Amtsübergabe sicherzustellen, sei ein hoher Sieg Bidens nötig. „Ich glaube nicht, dass das passiert. Ich denke, Biden wird gewinnen, aber sehr knapp.“

Sie haben eine Meinung zur US-Wahl? Klicken Sie hier und schreiben Sie uns einen Leserbrief.

Und dann gibt es ja noch das Problem mit dem Supreme Court. Taylor seufzt lange, als er auf die neue Supreme Justice (am obersten Gerichtshof, Anm. d. Red.) Amy Coney Barrett angesprochen wird. Noch so ein Punkt, der Trump in die Hände spielen könnte. Und: „Der ganze Prozess war natürlich demokratisch ein Horror“, sagt Taylor und meint damit auch die ganze Art, wie Donald Trump Politik macht.

Mehr zum Thema

Kommentare