Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Herausforderungen und Wünsche

Wasserburger Caritas ist seit 76 Jahren ein „Bauchladen der Hilfe“ für Menschen in Not

Öffnet die Tür zum Caritas-Zentrum Wasserburg, das zahlreiche Beratungsangebote für Menschen in Not bereithält: Sozialpädagoge Roland Legat.
+
Öffnet die Tür zum Caritas-Zentrum Wasserburg, das zahlreiche Beratungsangebote für Menschen in Not bereithält: Sozialpädagoge Roland Legat.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
    schließen

2021 hat der Caritas-Standort Wasserburg sein 75-jähriges Bestehen begangen. Eine lange Erfahrung in der sozialen Arbeit, durch die sich ein Thema wie ein roter Faden zieht. Zentrumsleiter Roland Legat über alte und neue Herausforderungen und was er sich wünschen würde, wenn er zaubern könne.

Wasserburg –: Seit 33 Jahren ist Roland Legat bereits bei der Caritas, seit 2010 leitet er das Zentrum in Wasserburg. Er hat sich intensiv mit der Geschichte des kirchlichen Wohlfahrtsverbandes in der Innstadt beschäftigt. Und stellt fest: „Es schließt sich der Kreis: Im Nachkriegsdeutschland haben wir uns um die Vertriebenen gekümmert und um die vielen verarmten Kriegswitwen. Heute kümmern wir uns wieder um Menschen aus Kriegsgebieten.“

Begleitung für Neuankömmlinge

Auch in vielen weiteren Phasen der Caritas-Historie von Wasserburg galt es Menschen zu helfen, die ihre Heimat verließen, erinnert er sich: In den 1960er Jahren waren es Gastarbeiter aus Italien, der Türkei und dem damaligen Jugoslawien, Ende der 80er Aussiedler aus Russland und Rumänien, ab 2014/2015 die vielen Flüchtlinge aus den Bürgerkriegs- und Armutsländern der Welt. Hier ist zum Bedauern von Legat die Arbeit noch immer nicht getan, denn nach wie vor würden viele Geflüchtete in Notunterkünfte ausharren. Angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise als Folge des Unkraine-Kriegs hofft Legat vor allem, „dass wir nicht eine Zwei-Klassen-Flüchtlingslandschaft bekommen“. Denn das kristallisiere sich bereits jetzt heraus: Die Gäste aus der Ukraine würden nicht nur mit offenen Armen empfangen, sie würden sich oft auch angesichts eines anderen rechtlichen Status leichter tun, sich zu integrieren. Der Migrationsfachdienst der Caritas mit sechs Mitarbeitern, die für den nördlichen Landkreis Rosenheim zuständig seien, stehe trotzdem vor großen Herausforderungen. Dies gilt auch für den Jobtreff im Mehrgenerationenhaus, denn die Finanzierung laufe aus.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

Doch auch Einheimische benötigen Hilfe, die sie bei der Caritas bekommen. 44 Hauptamtliche kümmern sich in Wasserburg um die ambulante Pflege. Anfang der 70er Jahre entstanden hierfür bei der Caritas deutschlandweit viele Sozialstationen – zuerst besetzt mit Gemeindeschwestern aus den Pfarreien, die sich um Kranke und Alte kümmerten. Heute betreuen Fachkräfte von Wasserburg aus über 100 Menschen daheim. Eine Fachstelle für pflegende Angehörige unterstützt und entlastet auch die Familien.

In den 80er Jahren wurde außerdem die Schuldnerberatung installiert – auch sie ist ein Kind der Zeit, sagt Legat. Die Konsumbereitschaft war in der Wirtschaftswunderzeit stark gestiegen. Nicht jeder konnte sich jedoch all die schönen Dinge leisten, die die Werbung im Fernsehen anpries. Privatinsolvenzen gab es damals noch nicht, die Schuldnerberatung half raus aus dem finanziellen Desaster.

Damals ging auch das traditionelle Familienbild zu Bruch: Immer mehr Alleinerziehende mussten den Alltag mit Kindern stemmen. Die Erziehungsberatung unterstützte.

Beratungsbedarf steigt weiter

Auch der Inklusionsgedanke fasste Fuß: Menschen mit Behinderung sollten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sozialpsychiatrische Dienste entstanden, die auch psychisch Kranken begleitend zur Seite stehen – gegen den „Drehtüreffekt“, der bedeutet, dass immer wieder Klinikaufenthalte das Leben in Eigenständigkeit unterbrechen. Heute gibt es laut Legat sogar einen psychiatrischen Krisendienst, der rund um die Uhr einsatzbereit ist.

Bedarf an Beratung steigt

„Wir sind ein großer Bauchladen“, sagt der Sozialpädagoge, der Bedarf an Beratung und Begleitung steige stetig an – vor allem in diesen Zeiten, in denen es vielen Menschen finanziell schwerer gehe als noch vor Jahren. Die Bereitschaft, sich Hilfe zu holen, sei gestiegen – „je früher, umso besser“, sagt Legat. Oft reiche es aus, wenn die Caritas-Mitarbeiter helfen würden beim „Ordnen und Sortieren der Probleme“.

„Wenn ich ein Caritas-Zauberer wäre ...“

Wenn Roland Legat drei Wünsche frei hätte, welche Angebote ständen ganz oben auf seiner Liste? „Wenn ich ein Caritas-Zauberer wäre“, sagt er schmunzelnd, „würde ich eine Wohnungsbaugesellschaft gründen, die günstigen Wohnraum schafft.“ Hier sei zwar schon viel erreicht worden durch Bemühungen der Stadt. Auch das Bewusstsein für die Problematik sei gestiegen. Trotzdem fehlen nach Erfahrungen von Legat nach wie vor viele Wohnungen – vor allem für junge Familien und Senioren mit kleinem Geldbeutel. Auch die Flüchtlinge aus der Ukraine benötigen Wohnungen. Legat ist überzeugt, es gibt sogar Potenzial im Bestand, denn im Wasserburger Land gebe es auch große Häuser mit ungenutzten Räumen. Doch viele Eigentümer würden vor einer Vermietung zurückschrecken, bedauert er.

Große Not sieht Legat auch bei älteren, gebrechlichen Menschen, die noch daheim in den eigenen vier Wänden leben, aber überfordert seien mit der Haushaltsführung. Die Anfrage nach Haushalt- und Putzhilfen könnten derzeit nicht abgearbeitet werden. Wenn er ein Zauberer wäre, würde er eine Firma gründet, sagt Legat, die entsprechende Dienstleistungen anbiete.

Wunsch Nummer drei: mehr Unterstützung für pflegende Angehörige, vor allem, wenn sie sich daheim um Demenzkranke kümmern. Sie benötigen Entlastungsdienste, um wenigsten ein paar Stunden durchschnaufen zu können, findet Legat. In diesem Bereich ist sein Wunsch auf dem Weg, erfüllt zu werden. Legat plant die Gründung einer Angehörigengruppe Demenz. Diese habe es schon einmal gegeben, doch die Pandemie habe sie zum Erliegen gebracht. Jetzt will der Caritas-Mann das Angebot wiederbeleben.

Mehr zum Thema

Kommentare