Energieverbrauch senken, CO2 einsparen: Große Betriebe tun sich in Wasserburg zusammen

Immer häufiger stehen bei Betriebsbesichtigungen – hier ein Besuch der Europaabgeordneten Angelika Niebler (CSU) bei der Privatmolkerei Bauer – nicht nur Produktionsabläufe, sondern auch Klimaschutzaktivitäten im Mittelpunkt des Interesses. Wasserburger Unternehmen haben sich dem Thema angenommen. John Cater
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
    schließen

Große Betriebe haben sich unter der Moderation des Energiedialogs Wasserburg 2050, einer Initiative der Stadt Wasserburg, zu einem „Energieeffizienznetzwerk“ zusammengeschlossen. Das Ziel. gemeinsam CO2 einsparen. Nach einem Jahr zieht Klimaschutzmanager Josef Allio eine positive Bilanz.

Wasserburg/Edling/Eiselfing – Betriebe benötigen viel Energie – besonders viel in Wasserburg: Mehr als zwei Drittel der Endenergie wurde hier bisher von Industrie und Gewerbe verbraucht. Dieser Anteil ist für eine Stadt wie Wasserburg eher untypisch, da in Kommunen mit ähnlicher Größe und Einwohnerzahl in der Regel der Energieverbrauch der Privathaushalte deutlich höher ist als der des Gewerbes, so Allio.

„Wo viel Energie verbraucht wird, lässt sich naturgemäß auch viel einsparen. Erfreulich ist, dass die meisten Wasserburger Betriebe in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielen konnten“, zieht der Klimaschutzmanager der Stadt Bilanz.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Das Energieeffizienznetzwerk entwickelte sich nach Angaben von Allio aus dem jährlich veranstalteten Energie-Tisch des Bürgermeisters im Rathaus. Dabei berichteten die Wasserburger Großbetriebe einmal jährlich über Energie- und Energieeffizienzthemen. Für den Start der Netzwerktätigkeit konnten alle Vertreter des Energetisches gewonnen werden. Weitere große Unternehmen im Umkreis schlossen sich der Runde an.

Mittlerweile blickt das Netzwerk auf ein sehr ereignisreiches Jahr zurück. Neben vier Treffen mit hoch qualifizierten Fachvorträgen zu verschiedenen Querschnittsthemen wurde die Gemeinschaft um ein weiteres Mitglied reicher, der Firma Schechtl aus Edling.

Bei den teilnehmenden Unternehmen konnten bereits teilweise erhebliche Einsparpotenziale gehoben werden, berichtet der Klimaschutzmanager der Stadt. Er nennt auf Anfrage der Wasserburger Zeitung einige Beispiele aus dem Arbeitskreis:

Molkerei Meggle

Bei der Firma Meggle wurden die Prozesse am Gasturbinenkraftwerk und in der Trocknung verbessert. Dabei wurden erhebliche Energieeffizienzsteigerungen realisiert. Das betriebsinterne Energiemanagementsystem wurde nachgeschärft, denn nur, wenn aussagekräftige Zahlen vorliegen, können Einsparungswerte beziffert werden. Weiterhin verpflichtet sich die Firma Meggle selbst der Nachhaltigkeit. Das bedeutet, jeden unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden und sämtliche bestehende und zukünftige Systeme auf Energieeffizienz zu trimmen.

Wasserburger Arzneimittelwerk

Das Wasserburger Arzneimittelwerk benötigt für die Gefriertrocknung sehr viel hochtechnisch bearbeitetes Wasser. Durch intelligente Restrukturierung des Prozesses und innovative Planung der Aufträge konnte hierbei Energie und Wasser im Wert eines sechsstelligen Betrages pro Jahr eingespart werden. Dies komme eins zu eins der Umwelt zu Gute.

Privatmolkerei Bauer

Bei der Privatmolkerei Bauer wurde vor Jahren ein Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Eigenstromerzeugung installiert. Die Abwärme des BHKWs wird bei verschiedenen thermischen Prozessen der Molkerei genutzt. Seit dem vergangenen Jahr wird zusätzlich auch bei der Belüftung der Schnittkäse die Abwärme vom BHKW eingesetzt. Ein laufender Prozess ist die Umstellung der Beleuchtung innen wie außen auf LED. Für die ersten betriebseigenen Elektro-Fahrzeuge wurden auf dem Betriebsgelände E-Ladesäulen installiert.

Seit 2013 hat die Privatmolkerei Bauer ein zertifiziertes Energiemanagementsystem, mit dem laufend energetische Verbesserungen umgesetzt und bewertet werden.

Gronbach Metallverarbeitung

Die Firma Gronbach hat in der Vergangenheit schon viele Effizienzmaßnahmen im Bereich Beleuchtung, Druckluft und Kraftwärmekopplung (KWK) umgesetzt. Derzeit befinden sich die Erneuerungen eins großen Kühlaggregats in Planung. Nach energetischer Bewertung des Austausches können dadurch mindestens 400 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Ebenfalls befindet sich eine große Photovoltaik-Anlage in Konzeptionierung.

Huber & Sohn Holzbau

Huber & Sohn tauschte einen Großteil der Hallenbeleuchtung gegen hocheffiziente LED-Leuchten. Die Fensterlackierstraße wurde mit modernen Systemen mit Wärmerückgewinnung ausgerüstet. Dazu kommt die hochmoderne Produktionshalle mit Betonkernaktivierung und Hackschnitzel-Beheizung in Hafenham. Die Beheizung beider Werkshallen erfolgt CO2 -neutral, mit Abfall-Holzschnitzeln aus der Produktion. Diesel-betriebene Gabelstapler wurden durch Elektrisch-betriebene ersetzt.

Die Rheinischen Kunststoffwerke in Wasserburg investierten in neue hochmoderne Kältetechnologie und Wärmerückgewinnungen in der Prozesswärme-Erzeugungsanlage.

Goerlich Pharma

Bei der Goerlich Pharma GmbH kommt bereits seit 2010 ein innovatives Brunnenwasser-Heiz- und Kühlsystem zum Einsatz. Dadurch wird mit Unterstützung einer energiesparenden Wärmepumpe ganzjährig ein angenehmes und produktqualitätsförderndes Raumklima in Büro- und Fertigungsräumen sowie im Lager erreicht. Ferner gibt es große Photovoltaik-Anlagen sowohl auf den großflächigen Werksdächern als auch auf den überdachten Parkplätzen.

Die Beleuchtung wurde bereits zum Teil auf LED umgestellt. Es wurde auch ein professionelles Fördermittelmanagement installiert, um laufende und zukünftige Energieeffizienzmaßnahmen effizient umsetzen zu können.

Schechtl Maschinenbau

Bei der Firma Schechtl wird stufenweise ein Energiemanagementsystem eingeführt. Es werden Beleuchtungssysteme gegen LED-Lampen getauscht und das Druckluftsystem saniert. Druckluft ist eine der energieintensivsten Antriebsformen. Es ist daher enorm wichtig, das System perfekt zu konzipieren und nach Errichtung zu warten.

Stadtwerke Wasserburg

Bei den Stadtwerken Wasserburg wurde die letzten Jahre schrittweise das Badria saniert. Die Außenhaut und Technik der Schwimmhalle sowie im vergangenen Jahr der Saunaneubau trugen erheblich zur Verbesserung der Energiebilanz bei. Trotz Zubau von neuen Saunen und anderen Attraktivitätssteigerungen konnte der Energieverbrauch relativ konstant gehalten werden. LED-Beleuchtung wird sukzessive eingebaut und technische Verbesserungen wie Prozessoptimierung der Badewasserbereitung oder Saunabeheizung stehen auch zukünftig im Programm.

Das könnte Sie auch interessieren: Initiative der SPD-Fraktion: Klimanotstand für Wasserburg ausgerufen

Diese Erfolge spornen an, auch weiterhin Maßnahmen zur Energieeinsparung umzusetzen und diese zu perfektionieren, ist Wasserburgs Klimaschutzmanager Allio überzeugt. Das Energieeffizienznetzwerk leiste einen guten Beitrag, auch andere Unternehmen vom gewonnenen Know-how profitieren zu lassen und selbst neue Erfahrungswerte zu sammeln, lautet sein Fazit nach dem ersten Jahr. re

Mehr zum Thema

Kommentare