Beliebter Ausflugsberg nicht ohne Tücken

Wasserburger Bergwacht rettet regelmäßig Kraxler an der Kampenwand

Wenn an der Kampenwand ein Hubschrauber gebraucht wird – in der näheren Umgebung stehen sechs zur Verfügung – wendet sich die Bergwacht Wasserburg an die Rettungsleitstelle in Rosenheim.Bergwacht Wasserburg
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Wenn an der Kampenwand ein Hubschrauber gebraucht wird – in der näheren Umgebung stehen sechs zur Verfügung – wendet sich die Bergwacht Wasserburg an die Rettungsleitstelle in Rosenheim.Bergwacht Wasserburg
  • Winfried Weithofer
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Und ewig ruft der Berg, doch wer sich locken lässt und auf die Gipfel stürmt, muss mit Gefahren rechnen. Die Wege sind oft steil, und wenn der Wanderer den Halt verliert, drohen Folgen. Einer, der davon ein Lied singen kann, ist Werner Haas, seit gut 25 Jahren Mitglied der Bergwacht Wasserburg.

Wasserburg – Auch in diesem Jahr wird man wohl wieder mindestens 80 Rettungsaktionen geleistet haben, schätzt der 41-Jährige. Es ist ein aufreibender Job, den der Bankbetriebswirt und ausgebildete Rettungssanitäter für die Wacht leistet, alarmiert wird er auch schon mal mitten in Nacht: „Es gibt Unfälle zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter.“ Und das alpine Gelände ist oft unwegsam.

90-Jährigen vom Berg gerettet

Die an das Bayerische Rote Kreuz angegliederte Bergwacht ist für die 1669 Meter hohe Kampenwand zuständig – für das Gebiet sind nach einem festen Dienstplan an allen Wochenenden und Feiertagen mindestens fünf Mann eingeteilt. Stationiert ist die Wacht in einer Diensthütte in 1400 Meter Höhe, dort nimmt sie die Notrufe entgegen und kann innerhalb von einer Stunde da sein, wo Hilfe gebraucht wird. Unter der Woche ist der Bereitschaftsdienst auf drei Stellen im Tal verteilt.

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Neben Wasserburg sind dann die Bereitschaften Rosenheim und Sachrang mit von der Partie. Wenn ein Hubschrauber gebraucht wird – in der näheren Umgebung stehen sechs zur Verfügung – wendet sich die Bergwacht an die Rettungsleitstelle in Rosenheim.

Kampenwand ist ihr Revier

Die Retter werden an der Kampenwand regelmäßig gerufen, sie ist ein beliebtes Ausflugsziel, das einen grandiosen Blick auf den Chiemsee bietet. Die Seilbahn in Aschau transportiert die Wanderlustigen in großer Zahl nach oben – je mehr es sind, desto größer ist natürlich auch der Anteil der Ungeübten.

Sandalenkraxler sind die Ausnahme

„Es gibt Wochenenden, da ist sehr viel Betrieb, da wollen Tausende hinauf“, sagt Haas. Nicht jeder aber kommt heil wieder runter: „Zu den Klassikern gehören Knieverletzungen oder Schürfwunden nach Stürzen. Solche Blessuren machen gut die Hälfte unserer Einsätze aus“, so Haas.

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Daneben gibt es aber auch Knochenbrüche, Schlaganfälle und Herzinfarkte, wo es auf rasche und professionale Hilfe ankommt. Die Kletterei kennt keine Altersgrenze: Haas hat auch schon mal einen 90-Jährigen gerettet. Die Frage, ob sich nicht allzu viele Ausflügler mit ungeeigneter Ausrüstung auf den Weg machen, verneint Haas.

Gehstöcke und gute Outdoor-Kleidung

„Dass jemand mit Sandalen kraxelt, kommt sehr selten vor. Die Leute sind in der Regel gut ausgerüstet. Das Hauptproblem ist eher die schlechte körperliche Verfassung, man überschätzt sich.“ So hat es Haas an der Kampenwand schon öfter erlebt, dass Wanderer den Rückweg nicht mehr schafften und die Nacht in den Felsen verbrachten. Auch Tote hat er mit seinem Team schon bergen müssen.

Werner Haas berichtet über die Einsätze.

Verhältnisse im Sommer und Winter kennen

Will man keine bösen Überraschungen erleben, empfiehlt Haas, jede Bergtour gewissenhaft vorzubereiten: „Ich muss wissen, welche Strecke ich in welcher Zeit schaffe.“

Und er rät, die unterschiedliche Beschaffenheit der Wege zu beachten: „Im Sommer herrschen andere Verhältnisse als im Winter.“ Gehstöcke hält er für sinnvoll, gutes Schuhwerk und gute Outdoor-Bekleidung für selbstverständlich. Für ausreichend Proviant sollte ebenfalls gesorgt sein – genauso für ein geladenes Handy, mit dem man einen Notruf absetzen kann.

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In einer Stunde kann die Wasserburger Bergwacht von ihrer Hütte an der Kampenwand bei einem Verletzten im Revier sein.

Wissenswertes über die Wasserburger Bergwacht:Sie wurde 1938 gegründet. Ihre Aufgabe ist es, Menschen aus Bergnot zu retten, das heißt Wanderern, Ski- und Schlittenfahrern sowie Kletterern bei Notfällen im unwegsamen Gelände zu helfen. 1948 baute sie an der Kampenwand eine Hütte als Stützpunkt. Im Burgerfeld verfügt sie über eine Garage für ihr Einsatzfahrzeug und über ein Depot zur Aufbewahrung des Notfallmaterials.

Engagiert in der Bergwacht sind:

  • 81 ehrenamtliche Mitglieder
  • davon 60 aktive Mitglieder, darunter 15 Anwärter, 5 Ärzte und 2 Hundeführer
  • sie leisten zwischen 70 bis 120 Einsätze pro Jahr

Die Bergwacht verfügt über einen eigenen Etat, der sich aus staatlichen Zuschüssen, Spenden, Förderleistungen und pauschalen Kassenzuweisungen zusammensetzt. Für die jeweiligen Einsätze kommen die Krankenkassen auf.

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