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Naturschützer verärgert

Wasserburger Bauhof macht in Vogelbrutzeit erlaubten Zuwachsschnitt an Hecke und erntet Kritik

Parken verboten – weil der Bauhof eine Baumpflegeaktion durchführt. Weil dies in der Hochphase der Vogelbrutzeit stattfindet, sind Bürger verärgert, auch wenn der Zuwachsschnitt erlaubt ist.
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Parken verboten – weil der Bauhof eine Baumpflegeaktion durchführt. Weil dies in der Hochphase der Vogelbrutzeit stattfindet, sind Bürger verärgert, auch wenn der Zuwachsschnitt erlaubt ist.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Derzeit zwitschert und trällert es aus den Hecken: Die Hauptbrutzeit der Vögel ist angebrochen. Bäume und Hecken zu stutzen ist bis Ende September laut Bundesnaturschutzgesetz untersagt. Ausgenommen ist der schonende Form- und Pflegeschnitt. Den hat der Wasserburger Bauhof im Willi-Ernst-Ring vorgenommen und erntet Kritik.

Wasserburg – „Sehr unglücklich“ findet Heidi Kolbinger aus Wasserburg eine Heckenschnittaktion am Willi-Ernst-Ring und verweist auf die Vogelbrutzeit.

Diese beginnt offiziell am 1. März und endet mit dem 30. September. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet in dieser Zeit, Hecken abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen, also knapp über dem Boden zu kappen. Das gilt auch für „lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze“.

Starker Rückschnitt verboten

Ein starker Rückschnitt für eine Umgestaltung des Gartens ist in diesem Zeitraum also nicht möglich.

Schonender Pflegeschnitt erlaubt

Ein schonender Form- und Pflegeschnitt ist das ganze Jahr über ausdrücklich erlaubt.

Der Bauhof hat hier einen sogenannten Lichtraumprofilschnitt vorgenommen, wie Leiter Manfred Bierwirth auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung erklärt. „Die Autos müssen am Straßenrand parken können. Wir sind unserer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen“, so der Bauhofleiter.

Vorwurf: Schlechtes Timing

Heidi Kolbinger schüttelt den Kopf, dass der Bauhof diese Arbeiten nicht anders plant. „Angeblich sind das nur Schönheitsmaßnahmen, hat mir das Bauamt im Rathaus gesagt. Aber wenn nicht Gefahr in Verzug ist, weil ein Baum umfällt, dann kann man jetzt in der Hauptbrutzeit doch darauf verzichten“, sagt sie. Hecken seien derzeit doch voller Jungvögel.

Bauhof hat „viele Baustellen“

Bisher sei der Bauhof aus personellen Gründen nicht dazu gekommen, die nötigen und erlaubten Zuschnitte vorzunehmen. Der Winter habe den Bauhof stark gefordert, ebenso das To-Go-Müll-Problem in der Stadt. „Unsere vier Stadtgärtner sind anderweitig beschäftigt, weil Wasserburg so viele Grünflächen hat“, so Bierwirth.

Vögel gestört

„Wir als Bürger werden angehalten, Hecken und Büsche nicht zu schneiden. Warum muss das am Willi-Ernst-Ring jetzt gemacht werden?“, fragt Heidi Kolbinger.

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Auch bei einem Schönschnitt werden die Vögel, die gerade nisten, gestört. „Da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen“, kritisiert sie.

Mit leisem Gerät zugange

„Wir arbeiten mit leisem Gerät. Der Freischneider läuft mit Akku und summt. Damit haben wir unten das Gras zurückgeschnitten. Und Äste, die etwa 20 Zentimeter abstanden, haben wir mechanisch mit einer Baumschere abgezwickt. Da ist jeder Roller, der da hinfährt, um zu parken, lauter“, so Bierwirth. Der Bauhof habe also nichts anderes getan, als das, was dem privaten Gartler auch erlaubt sei.

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„Der Vogelschutz ist und bewusst und wir passen auf“, versichert der Bauhofleiter. Er wirbt jedoch auch für Verständnis, denn würde der Bauhof im Sommer nicht die erforderlichen Zuschnitte machen, würden alle Wege bis August zuwuchern. „Wege und Parkplätze müssen freibleiben“, so Bierwirth.

Moralische Verantwortung

Verständnis für die aufgeregten Reaktionen der Bürger hat Max Finster vom Bund Naturschutz Wasserburg, den am Vorabend der Zuschnittaktion einige Anwohner alarmierten. Sie hatten die Schilder zur Baumpflegeaktion gesehen und waren irritiert.

„Unabhängig von der Rechtslage haben wir Menschen eine moralische Verantwortung“, so Max Finster im Gespräch mit der Zeitung. „Ja, der Zuwachsschnitt ist gestattet. Aber jetzt ist grad die Hochphase der Brutzeit. Da sollte man einfach die Finger davon lassen“, appelliert er.

Jungvögel und Eier fallen aus dem Nest

Selbst wenn man meine, man habe die Hecke überprüft, könne man nie zu 100 Prozent sicher sein, ob nicht doch Vögel darin brüten.

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„Die ducken sich weg oder fliegen raus. Wenn Jungvögel oder Eier rausfallen, ist es vorbei. Muss das sein?“, fragt er. In seinen Augen sollte es doch möglich sein, die Hecken, selbst für den Schönschnitt, drei Monate (Hauptbrutzeit, Anm. d. Red.) in Ruhe zu lassen.

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