Wasserburger Bauausschuss will mehr Stellplätze für Fahrräder und Radl-Garagen schaffen

Die Fahrradboxen am Gries sind für Radtouristen gedacht. Wer sein eigenes Schloss mitbringt, kann hier für 24 Stunden seinen Drahtesel kostenlos und sicher abstellen. Da Wasserburg auch für Einheimische so ein Angebot machen möchte, sollen mögliche Standorte geprüft werden. Für die Radlgaragen wird wohl eine geringe Gebühr fällig werden müssen.
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Die Fahrradboxen am Gries sind für Radtouristen gedacht. Wer sein eigenes Schloss mitbringt, kann hier für 24 Stunden seinen Drahtesel kostenlos und sicher abstellen. Da Wasserburg auch für Einheimische so ein Angebot machen möchte, sollen mögliche Standorte geprüft werden. Für die Radlgaragen wird wohl eine geringe Gebühr fällig werden müssen.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Die Leute sind häufiger mit dem Fahrrad unterwegs – auch in Wasserburg. Das liegt zum einen an der Klimaschutzdebatte, zum anderen an den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Der Wasserburger Bauausschuss möchte mehr Radlstellplätze schaffen. Außerdem sollen abschließbare Fahrradboxen im Zentrum entstehen.

Wasserburg – Mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder erwünscht! Gleich zwei Anträge zum Thema hatte der Bauausschuss auf dem Tisch.

Während die Grünen eine Vervierfachung der Fahrradstellplätze im Altstadtbereich fordern, möchte die Fraktion SPD/Linke Liste mögliche Standorte für zusätzliche Radlboxen in Stadtgebiet und Altstadt prüfen lassen. Der Antrag der Grünen stammt noch aus dem Mai 2017; eine Umsetzung war für dasselbe Jahr gefordert. Es ging um 50 zusätzliche Plätze und um die Prüfung, wo eine Verwirklichung machbar wäre.

Student erstellt Stellplatz-Kataster

Einen Zwischenstandsbericht gab es dann erst in der Bauausschuss-Sitzung vom Mai 2019. Bis dahin hatte die Stadt 33 neue Fahrradständer-Stellplätze im Altstadtbereich errichtet und vier nicht nutzbare entfernt. Kosten in Höhe von 11 500 Euro waren damit verbunden. Man habe die Marke 50 nicht sinnvoll verwirklichen können. Zudem wurden nicht alle Standorte gleich gut angenommen.

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Stadtverwaltung und Bauausschuss sind sich nun einig, dass die Klimaschutzdebatte, die „Fridays for Future“-Bewegung und nun auch noch die Corona-Pandemie dafür sorgen, dass mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind. Der Bedarf für Stellplätze ist damit angestiegen.

Bis zu 135 Stellplätze wären möglich

Ein Geografie-Student im siebten Semester, der im Bauamt sein Praktikum absolviert hat, Moritz Mühlbauer, hat eine Sichtung der möglichen Stellplatz-Standorte durchgeführt. Die „Potenzialkartierung“ stellte er dem Bauausschuss vor. Nachgebessert werden könnte etwa am Bahnhof, in der Ledererzeile, am Rathaus, beim Palmano-Garten und Am Gries. Der Bestand könnte dadurch von 89 Radl-Stellplätzen auf bis zu 135 anwachsen.

Christian Stadler (Grüne) sagte, man dürfe ruhig mutig beim Aufstellen von Radlständern sein. Denn Angebot schaffe auch Nachfrage, was man am Palmano-Garten sehe. Im Altstadtbereich, etwa in Salzsenderzeile oder Färbergasse sei noch Nachbesserungsbedarf.

Bauamt: Wir tun was!

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann gab ihm grundsätzlich recht. Man müsse aber bedenken, dass der Bauhof an diversen Standorten, die Ständer bei Veranstaltungen wieder abmontieren müsse. „Wir werden das alles Zug um Zug umsetzen und mit Augenmaß nachjustieren. Wir machen ja was und ich will, dass das auch mal gesehen wird“, so Herrmann.

Am Gries noch mehr Fahrradboxen?

„Ich erkenne an, dass das Bauamt was tut. Ich will immer nur, dass was vorwärts geht“, so Stadler, „denn in der Hofstatt beispielsweise drücken die Autofahrer ihre Interessen durch. Ich möchte Chancengleichheit und deswegen bin ich lästig“.

Friederike Kayser-Bücker (SPD) lobte das „Radlständerkataster“. Die Verwaltung wurde einstimmig beauftragt, die Möglichkeiten für zusätzliche Ständer zu überprüfen.

Auch beim Antrag in Sachen „Radlboxen“ waren alle dafür, potenzielle Aufstellorte zu überprüfen. Der Student Mühlbauer war auch in dieser Angelegenheit fleißig. Vorstellbar wären abschließbare Fahrradgaragen beispielsweise im Erdgeschoss der beiden Parkhäuser. Der Bestand Am Gries könnte relativ einfach erweitert werden. Gedacht sind die „Häusl“ bisher für Fahrradtouristen. Sie können ihr Bike für 24 Stunden kostenlos einstellen und mit eigenem Schloss absichern. Wenn es so ein Angebot auch für die Bürger geben soll, wäre eine Nutzungsgebühr zu diskutieren: zum Beispiel ein Euro pro Tag. Dies wäre dann Thema für den Haupt- und Finanzausschuss.

Nicht nur für Autofahrer denken

„Die Radl werden immer teurer und wollen sicher abgestellt sein. In die Parkhäuser investieren wir für die Autofahrer. Wir könnten auch mal in Richtung Radler denken“, sagte Kayser-Bücker. Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) erklärte, wegen Standorten im Altstadtbereich müsste man mit der Denkmalschutzbehörde in Dialog treten, die „alles unter Ensembleschutz steht und ansehnlich bleiben muss“.

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Christian Stadler hält den Antrag der SPD/LLW für eine „gute Idee. Die meisten Mietshäuser haben keine Radlgarage. Vielleicht kommen auch private Hinterhoflagen in Frage. Das könnte man mit den Eigentümern aushandeln“.

Kölbl sprach die Versicherungsfrage an: „Was, wenn auf einer privaten überdachten Fläche ein Rad oder ein Sattel geklaut wird?“ Das müssten die Radfahrer mit ihrer Versicherung abklären. Stadtbaumeisterin Herrmann sah jedenfalls in den „Hinterhofgeschichten auch Potenzial“.

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