Wasserburger Bauausschuss ringt um Gastro-Kompromiss für die Corona-Zeit

Vatertagsausflügler kamen auch mit dem Motorrad nach Wasserburg. Durch die Corona-Beschränkungen sind die Möglichkeiten, auf einer Bank oder in einem Gastgarten einzukehren, beschränkt.
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Vatertagsausflügler kamen auch mit dem Motorrad nach Wasserburg. Durch die Corona-Beschränkungen sind die Möglichkeiten, auf einer Bank oder in einem Gastgarten einzukehren, beschränkt.

Lieber die Freischankflächen in Corona-Zeiten erweitern, statt Biertisch-Patenschaften: Der Bauausschuss Wasserburg will den Corona-gebeutelten Gastronomen helfen. Durch die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen verlieren die Wirte viele Sitzplätze und Umsatzmöglichkeiten. Der Kostenapparat bleibt aber gleich. Nun will ihnen die Stadt entgegenkommen und versuchen, ihre Freischankflächen zu erweitern.

Von Andrea Klemm

Wasserburg – Zu einem hart erarbeiteten Kompromiss kam der Bauausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch. Einig waren sich alle Ausschuss-Mitglieder, dass man den Wirten in Zeiten von Coronahelfen möchte. Der unausgegorene Antrag von CSU und Freie Wähler-Wasserburger Block – in der Altstadt sollen an geeigneten Flächen zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden, um der gebeutelten Gastronomie zu helfen – sorgte zunächst für eine teils hitzige Diskussion. Corona-Maßnahmen contra Belebung der Altstadt war dabei nur ein Punkt.

Schlagabtausch wie im Wahlkampf

Am Ende verständigte man sich darauf, einige zusätzliche Bänke zum Ausruhen im Stadtgebiet aufzustellen, um etwa den Andrang auf die Sitzmöglichkeiten in der Hofstatt bei schönem Wetter zu entzerren und mit den Gastronomen in Einzelfallentscheidungen zu schauen, wo man ihnen mehr Platz für ihre Freischankfläche dazu geben kann.

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„Manche befinden sich wohl noch im Wahlkampfmodus“, bemerkten Christian Stadler (Grüne) und Wolfgang Schmid (CSU).

Der Antrag war nicht durchdacht und zudem nicht fristgerecht eingegangen, so dass sich die Verwaltung nicht richtig vorbereiten konnte, wie Bürgermeister Michael Kölbl sagte. Das Landratsamt könne derzeit ohnehin in Sachen Infektionsschutz für so ein Projekt keine Aussage treffen und verwies auf den Stichtag 29. Mai – bis dahin gelten die derzeitigen Maßnahmen der Kontaktbeschränkungen.

Weil aber jetzt was passieren müsse, da die Not der Gastronomen groß sei, habe Kölbl das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung gepackt. Jedoch sei er schon mit den Wirten im Gespräch, um auf dem kleinen Dienstweg zu prüfen, wo man ihre Freischankflächen erweitern könnte.

Weniger Sitzplätze, gleichbleibende Kosten

Derzeit verlieren die Betreiber der Lokale durch die Corona-Auflagen sehr viele Sitzplätze und damit Umsatzmöglichkeiten, während der Kostenapparat gleich bleibt.

Unklar war bei der Formulierung des Antrags, ob sich örtliche Gastronomen finden, die die Reinigung und Desinfektion der Tisch-Garnituren, die etwa am Kirchhofplatz, in der Frauengasse und beispielsweise am Marienplatz stehen könnten, übernehmen, sich um Diebstahlsicherung, Adressaufnahme und etwa das Abstandsgebot kümmern, wenn die Flanierer beispielsweise dort selbst mitgebrachtes Essen verzehren dürften. Denn dann hätte der Gastronom, der eine „Patenschaft“ für die Garnituren hat, Kosten und keinen Nutzen – was am Thema vorbeigeht.

Zudem locke man einschlägiges Klientel an, dass sich dort versammle, um Alkohol zu konsumieren, obwohl Letzteres hier laut Satzung untersagt sei, so Kölbl.

Zudem liege vom Wirtschaftsförderungsverband ein Antrag vor, Büdchen und etwa kleine Karussells in der Altstadt aufzustellen, um ein entzerrtes „Frühlungsfest light“ zu bieten. „Beide Anträge sollten sich nicht im Weg stehen. Und im Moment gilt es, wegen Corona Ansammlungen an Menschen zu vermeiden“, sprach Kölbl die Diskrepanz an.

Kayser-Büker: „Wir haben Corona“

Christoph Klobeck (CSU) erklärte, mit dem Antrag habe man eine Diskussion anstoßen wollen, was gelungen sei. „In der Hofstatt sitzen die Leute schon fast aufeinander an den Bänken. In den Pfingstferien, wenn das Wetter schön ist, werden noch mehr Leute in die Stadt kommen. Das brachte uns auf den Gedanken, zusätzliche Tische im Zentrum aufzustellen.“

Klobeck warb dafür, den Gastronomen die Möglichkeit zu geben, sich auszubreiten. Er glaube, man könne die Wirte für Patenschaften für die Garnituren gewinnen. Das Herrenhaus, so Klobeck, könnte sich ein Pfandsystem für das Geschirr und Essen to Go vorstellen. Stadler plädierte dafür, die Außenbereiche der Lokale zu vergrößern und „das so locker, wie es geht, zu handhaben“.

Friederike Kayser-Büker (SPD) nannte den Antrag von CSU und Freie Wähler-Wasserburger Block „populistisch“. Die Altstadt sei schließlich nicht wegen Schlechtwetter leer gefegt. „Wir haben Corona.“ Überall werden komplizierte Maßnahmen zu Abstand und Hygiene ausgetüftelt, Kinder dürfen sich nicht mit Freunden zusammen setzen. Als Seniorenreferentin ist sie nah dran an den Geschehnissen in den Altenheimen, an den Todesfällen. Man müsse alles tun, um die abflachende Kurve zu halten und nicht die Leute animieren, sich zusammenzusetzen. „Und wir erreichen das Gegenteil von dem, was wir wollen, ich sehe nicht, dass das mit der Gastronomie gut abgestimmt ist“, sagte sie. Man müsse einen Antragsvorgang ernst nehmen und nicht einfach nur als „Anstupser“ sehen.

Kompromiss einstimmig getroffen

Christian Peiker (Die Linke) sagte, er habe mit vielen Wirten gesprochen „Die haben von der Dehoga ein 13-seitiges Pamphlet bekommen, was in der Corona-Zeit zu beachten ist“, sagte er über den Mehraufwand. Zum Sauberhalten dieser Garnituren könne man nicht auch noch den Bauhof zusätzliche Schichten machen lassen.

Schmid erklärte, mit ihrer Idee haben CSU und Freie Wähler-Wasserburger Block „der Gastro einen Silberstreifen am Horizont aufzeigen wollen“. Man könne den Antrag ja so abändern, dass ihn jeder mitgehen kann.

Was bei dem getroffenen Kompromiss einstimmig geschah. So wird die Verwaltung in Einzelfallenscheidungen prüfen, ob und wie Freischankflächen maßvoll erweitert werden können – in Anlehnung an die Hausbreite. Möglicherweise wird man auch Stellplätze dafür verwenden oder angrenzende Freiflächen. Die Barrierefreiheit bleibt gewahrt und die Freischankflächengebühren werden so gering wie rechtlich möglich, gehalten. Das Ganze gilt nur während der Corona-Phase.

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