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Handel mit Wein und Getreide

Wasserburger Bäcker wird zum Held bei der Schlacht von Ampfing

Der Bäckergeselle Egolf aus Wasserburg wurde bei der Schlacht zu Ampfing 1322 zum Ritter geschlagen, wie das Wandgemälde am Eckhaus in der Ledererzeile 2 in Wasserburg vermeldet.
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Der Bäckergeselle Egolf aus Wasserburg wurde bei der Schlacht zu Ampfing 1322 zum Ritter geschlagen, wie das Wandgemälde am Eckhaus in der Ledererzeile 2 in Wasserburg vermeldet.

Zwei Könige im Streit um die Krone des römisch-deutschen Reiches: Darum handelt die Schlacht bei Ampfing um 1322. Doch dass damals der Bäckergeselle Egolf aus Wasserburg bei der Schlacht wegen seiner Tapferkeit zum Ritter geschlagen wurde, wissen wohl die Wenigsten.

Von Ferdinand Steffan

Wasserburg/Ampfing – Zwei Könige im Streit um die Krone des römisch-deutschen Reiches – in Kindheitstagen beste Freunde, später erbitterte Gegner: Darum handelt die Schlacht bei Ampfing um 1322. Bis zum 4. September, wird das Festspiel in der Gemeinde noch aufgeführt. Doch dass damals der Bäckergeselle Egolf aus Wasserburg bei der Schlacht wegen seiner Tapferkeit zum Ritter geschlagen wurde, wissen wohl die Wenigsten.

Wer der Geschichte des Egolf nachspüren will, stößt rasch an Grenzen, denn er ist erst ab dem beginnenden 17. Jahrhundert einfach da und keiner weiß, woher die Sage stammt, dass „der Bäckergeselle Egolf aus Wasserburg a. Inn […] bei der Schlacht zu Ampfing 1322 wegen seiner Tapferkeit zum Ritter geschlagen“ wurde, wie das Wandgemälde am Eckhaus in der Ledererzeile 2 in Wasserburg vermeldet, das Klaus Honauer 1972 geschaffen hat. Ein Ritter in einer fantasievollen Rüstung mit geöffnetem Visier hält hier eine Rennfahne mit dem Wasserburger Löwen zwischen gekreuzten Trompeten.

Nach der Erwähnung eines „Egolf“ in den Quellen zur Schlacht von Ampfing und den nachfolgenden Schilderungen der „letzten Ritterschlacht“ sucht man ebenso vergebens wie zur Beteiligung Wasserburger Zünfte beziehungsweise Bäcker. Zwar werden einzelne Ritter namentlich aufgeführt und pauschal die Söldner und Zünfte genannt, welche die Städte Amberg, Regensburg, Landshut, Straubing, Ingolstadt und München geschickt hatten. Wasserburg fehlt in der Aufzählung. Zwar wurden die Bäcker von München 1323 noch von Kaiser Ludwig der Bayer für geleistete Hilfe in der Schlacht mit besonderen Gnaden ausgezeichnet und die Vereinigung durfte unter anderem das Reichswappen mit dem Adler führen und bekam das turmartige Gebäude im Tal neben der Hochbrücke übertragen.

Dabei hat die frühen Historiker und Künstler des 19. Jahrhunderts weder gestört, dass Ludwig erst 1328 die Kaiserwürde erhielt, noch dass er gar nicht unmittelbar am Kampf teilnahm, sodass die Bäcker ihn auch nicht heraushauen konnten.

Erstmals scheinen sich die Wasserburger Bäcker in einem Streit mit ihren Knechten (=Gesellen) zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf ein über den Knecht Egolf erhaltenes Privileg berufen zu haben. Offensichtlich hatten die Meister seit langer Zeit aus Kostengründen die freigesprochenen Gesellen nicht übernommen, sondern nur immer Lehrjungen wegen der geringeren Entlohnung eingestellt. Dabei verfügten die Gesellen über eine eigene Zeche, eine Fahne, ein Haus und eine gestiftete Messe (wohl am Bäckeraltar in St. Jakob) sowie ein ewiges Licht.

Als 1604/07 vier auswärtige Bäckerknechte in die Stadt kamen, wollten sie im Einverständnis mit den Meistern nach den alten Urkunden suchen, „weil sie solche kaiserliche Freiheiten hätten, welche ihnen ein Bäckerknecht verschafft habe, Hans Eggolff genannt, der im Kriegswesen ritterliche Taten vollführt, sodass sie mit Getreide und Wein handeln dürften, Freiheiten, wie kein Handwerk der Bäcker im ganzen Land habe.“

Zwar wurden die Unterlagen nicht gefunden, von denen man annahm, dass sie „in Sterbläufen zum ehrsamen Rat getragen worden wären“, aber immerhin gehen der Sachverhalt und der volle Name des Verursachers der Privilegien daraus hervor, welche die Wein- und Getreidehändler natürlich anzweifelten. Die Aussage, er habe ritterliche Taten im Kriegswesen vollbracht, könnte sich im Laufe der Überlieferung zum „Ritter Egolf“ gewandelt haben, der noch auf dem Schlachtfeld zum Ritter erhoben worden sei. Entsprechende Ritterschläge sind im Anschluss an die Schlacht nicht vermerkt und hätten ein Zeremoniell vorausgesetzt, da es sich um einen unumstößlichen Rechtsakt handelt. Für den „Ritter Egolf“, der sicher nicht einmal eine vollständige Rüstung besaß, fehlen jegliche Angaben, dass er nach der Rückkehr aus der Schlacht in der Stadt und bei den Bäckern eine herausgehobene Stellung innegehabt hätte – seine Spur verliert sich einfach.

Sicher ist jedoch, dass der sagenhafte „Ritter Egolf“ mehrfach bildlich auf den Zunftaltertümern der Wasserburger Bäcker dargestellt und zu deren Patron „aufgestiegen“ ist – spätestens ab 1638 wurde er zum Schutzpatron der Wasserburger Bäcker. So zeigt ihn deren Zunfttruhe aus dem Jahre 1638 kniend vor der Muttergottes und dem Heiligen Korbinian ebenso wie Zunftfahne von 1795 oder das Bahrtuchschild, mit dem die Särge verstorbener Zunftmitglieder geschmückt wurden.

Dass der legendäre Ritter wegen dieser Darstellungen auf den Zunftaltertümern, auf denen für gewöhnlich nur Heilige abgebildet sind, in Veröffentlichungen sogar als „Heiliger Egolf“ bezeichnet wurde, sei der Kuriosität halber noch am Rande erwähnt. In Wasserburg war schließlich ein Durchgang von der Ledererzeile in die Sedlmaiergasse, der heute nicht mehr existiert, nach ihm benannt, was aber in Vergessenheit geraten ist.

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