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Arzt und Missionar

Wasserburger Arzt Dr. Thomas Brei: Die Klinik in Tansania steht und hilft beim Kampf gegen Corona

Der Klinikbetrieb läuft inzwischen, auch dank Spenden aus der Heimat, können der Wasserburger Arzt Dr. Thomas Brei und sein Team täglich 150 bis 200 Patienten versorgen.
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Der Klinikbetrieb läuft inzwischen, auch dank Spenden aus der Heimat, können der Wasserburger Arzt Dr. Thomas Brei und sein Team täglich 150 bis 200 Patienten versorgen.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Seit knapp zehn Jahren ist der Wasserburger Dr. Thomas Brei nun in Tansania tätig. Als Missionar und Arzt hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen dort zu helfen. Das Großprojekt St. Clare Hospital ist, auch dank Spenden aus der Wasserburger Heimat, seit Herbst fertiggestellt – eigentlich.

Wasserburg/Mwzana – „Es läuft gut“, erklärt Constanze Bär von der St. Clare Foundation, „Überraschend gut“, wie sie, mit Blick auf vergangene finanzielle und organisatorische Hürden, findet. Das Krankenhaus, gelegen in der tansanischen Stadt Mwzana, ist nun voll betriebsfähig. Etwa 150 bis 200 Patienten werden dort täglich behandelt, wie Brei erklärt, 90 Personen, vom Hausmeister bis zu den Ärzten, sind dort angestellt.

Krankenhaus in den Händen der NGO

Aus Breis „Einmannshow“ sei inzwischen eine teamorientierte NGO entstanden. Seit ersten April liege die Verantwortung für den laufenden Krankenhausbetrieb in den Händen der St. Clare Foundation, einer von Brei und sechs Tansaniern gegründeten Organisation.

„Dadurch wird der Grundidee moderner Entwicklungshilfe beziehungsweise Entwicklungszusammenarbeit mehr Rechnung getragen“, erklärt Bär, so könnten finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen gut geregelt werden. Außerdem könne damit das St. Clare irgendwann in Zukunft auch ohne Brei weiterleben.

Die nächsten Baustellen sind schon in Vorbereitung

Zurücklehen kann und will sich der Wasserburger aber trotzdem nicht, er ist weiter als geistlicher Begleiter für das Klarissenkloster, auf dessen Gelände das St. Clare Krankenhaus entstanden ist, tätig. Zudem arbeitet er wieder mehr als Urologe.

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Außerdem sind bereits die nächsten Baustellen am Krankenhaus in Arbeit. „Ich glaube, so ein Projekt ist niemals richtig fertig“, sagt Bär amüsiert. Bereits jetzt wird über eine Erweiterung der Kapazitäten nachgedacht. „Noch reichen die Betten“, erklärt Bär, „aber wenn das Krankenhaus noch beliebter wird, dann wird es eng.“

Energieversorgung als nächstes Projekt

Am wichtigsten sei es jedoch zunächst, eine alternative Stromversorgung zu finden. „In Mwzana fällt der Strom täglich zehn- bis 15-mal aus“, erklärt Bär. Das können zwar auch nur fünf Minuten sein, aber auf Dauer ein Krankenhaus mit einem so instabilen Stromnetz zu betreiben, sei unmöglich. „Das St. Clare soll deshalb möglichst bald unabhängig sein.“ Derzeit ist eine Solarstromversorgung angedacht, noch ist dies aber in ferner Zukunft.

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Denn zunächst müssen Planungsarbeiten getätigt und die Gelder gesammelt werden. Die Befürchtung, dass die Spendenbereitschaft unter der Corona-Pandemie abnehmen könnte, hat sich nicht bewahrheitet, wie Bär erklärt. Denn trotz der Einschränkungen hätten Spender kreative Wege gefunden, zu sammeln. Dafür seien alle in der Organisation sehr dankbar, wie Bär versichert.

So erlebt Dr. Thomas Brei die Pandemie in Tansania

In Tansania geht das Leben trotz Pandemie ganz normal weiter, erklärt Thomas Brei. Dafür gebe es aber auch gute Gründe. Natürlich habe die Pandemie auch vor Tansania keinen Halt gemacht – im St. Clare Krankenhaus wurde sogar eine Isolierstation errichtet, auf der immer mal wieder Patienten mit starken Beschwerden aufgenommen werden. Jedoch gibt es dort Corona nur in Maßen – ohne Massensterben.

Der Wasserburger Arzt und Missionar Dr. Thomas Brei

„Wir hatten vergangenes Jahr einen Lockdown, trugen Masken und die Kinder waren Monate lang nicht in der Schule“, erklärt Brei. Inzwischen würden die Kinder aber wieder normal zur Schule gehen, es gebe auch keinen Mundschutz mehr, die Menschen würden wieder normal zur Arbeit gehen – auch weil sie keine Wahl hätten. Denn Kurzarbeit, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe gibt es in Tansania nicht. Ein Lockdown ist also undenkbar.

Menschen in Afrika haben Erfahrung mit Pandemien

Das Massensterben blieb trotzdem aus, auch weil die Menschen in Afrika Erfahrung mit Pandemien haben, so Brei. Sie wissen, dass die Handwaschhygiene auch in jedem noch so kleinen Lokal oder Straßenimbiss einzuhalten ist. „Wir machen auch Social-Distancing und haben das Händeschütten weitgehend verlassen“, sagt Brei.

Im Gegensatz zu Europa fehle aber das „Angst“-Element, dieses sei in Tansania nicht da oder nur gering ausgeprägt. „Ich glaube, das wirklich Positive ist, dass John Pombe Magufulie keine Panik verbreitet hat, was eine kluge Handlungsweise für den Präsidenten eines afrikanischen Entwicklungsland ist.“ Er habe keine Angst vor Schreckens-Szenarien und Worst-Cases verbreitet. Etwas Aufruhr habe es nur im März gegeben, als eben jener Präsident verstarb, gerüchteweise an Corona, was sich aber im Nachhinein als falsch herausgestellt habe. Er war an einem Herzversagen, verursacht durch eine Vorerkrankung gestorben, so Brei.

Tansania: Ohne Impfung hohen Grad an Immunität entwickelt

Inzwischen hätten viele Tansanier Antikörper gegen das Virus entiwckelt. „Die Exposition gegenüber dem Erreger durch den engen sozialen Kontakt und die Antikörper-Bildung haben hier wohl dazu geführt, dass die Bevölkerung ohne Impfung einen hohen Grad an Immunität entwickelt hat“, erklärt Brei.

Wobei er auch betont, dass das durchschnittliche Alter der Bevölkerung in Tansania bei 18 Jahren liegt, in Deutschland bei 45, der Risikofaktor sei damit auch geringer. Und: „Wenn die Pandemie tatsächlich zu einem Massensterben in Tansania und Ostafrika geführt hätte, hätten wir auch nichts machen können“, sagt Brei. „Es fehlen sowohl die Mittel zur Prävention als auch zur Behandlung.“

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