Mangel absehbar?

Großhändler liefert Grippeimpfstoffe für Wasserburger Apotheke „versehentlich“ an andere Apotheken

Wasserburger Apotheker Jörg Heider
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Der Wasserburger Apotheker Jörg Heider empfiehlt für den bevorstehenden Winter eine Grippeimpfung.
  • Winfried Weithofer
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„Ich könnte schier schreien“, sagt Jörg Heider, Inhaber der Apotheke im Burgerfeld in Wasserburg. Sind die Impfstoffe für die saisonale Grippe in Deutschland ohnehin schon knapp, hat sein Pharma-Großhändler „versehentlich“ die von ihm bestellten Vakzine an andere Apotheken geliefert. Und er wartet und wartet. Und ärgert sich.

Wasserburg – Eine Grippe-Impfung ist immer noch sinnvoll, sagt der Wasserburger Apotheker Jörg Heider im Interview, auch wenn die Patienten derzeit Geduld haben müssen. Seine bestellten Impfstoffe habe der Großhändler versehentlich an andere Apotheken ausgeliefert. Und das zu einer Zeit, wo sich mehr Leute impfen lassen wollen, als Influenza-Vakzine da sind.

Zurzeit bekommen viele Patienten bei Ihnen keinen Grippeimpfstoff. Warum?

Jörg Heider: Die Bestellung von Grippeimpfstoff funktioniert so: Die Apotheken müssen in der Regel bis Ende April ihren Bedarf melden, der sich durch eine Umfrage bei den Ärzten ergibt. Im Wesentlichen orientiert man sich dabei an der Menge vom Vorjahr und gibt zur Sicherheit zehn bis 20 Prozent dazu. In diesem Jahr war die Nachfrage bedeutend höher, was aber bei der Abfrage im Frühjahr noch nicht erkennbar war. Der Aufruf, sich impfen zu lassen, hat dieses Jahr außerordentlich gut funktioniert.

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Hat dies allein zu dem akuten Mangel geführt, der sich gerade abzeichnet?

Heider: Bei mir in Wasserburg gab es zusätzlich das Problem, dass die von uns bestellten Impfstoffe überhaupt nicht an uns ausgeliefert wurden. Diese wurden vom Großhandel versehentlich an andere Apotheken geliefert. Warum das geschah, ist mir nicht bekannt, man konnte es mir auch nicht erklären. Besagter Händler beliefert rund 300 Apotheken und wir sind wohl „durchgerutscht“. Bestellt hab ich über 1.000 Einheiten, rund 100 Packungen fehlen mir. Ich könnte schier schreien – meine Ärzte auch. So etwas hab ich noch nie erlebt. Wir sind auch nicht die einzige Apotheke, bei der das so gelaufen ist. Wir sollen unsere Mengen jetzt aber priorisiert noch erhalten, sprich, wenn eine Charge reinkommt, sind wir die Ersten, die etwas kriegen. Künftig werden wir nicht mehr mit diesem Großhändler zusammen arbeiten.

Was raten Sie den Patienten, die leer ausgegangen sind?

Heider: Geduld. Wir sind immer noch in einem Bereich, in dem die Grippeschutzimpfung absolut sinnvoll ist. Und wir werden noch Impfstoffe bekommen. Ob aber in dem Umfang, um die gesamte Nachfrage zu befriedigen, kann ich nicht sagen. Man muss auf die Vernunft der Ärzte hoffen, die diejenigen Patienten mit einem erhöhten Risiko im Auge haben.

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Für wie gravierend halten Sie das Problem?

Heider: Ein großes Problem sehe ich nicht. Durch die Schutzmaßnahmen, die wir durch die Corona-Pandemie einhalten, besteht die Chance, dass die Grippewelle dieses Jahr nicht so schlimm wird. Dennoch: Die Impfung gegen die saisonale Grippe ist sinnvoll.

Kann die Grippeimpfung einen Effekt auf Corona haben?

Heider: Nein. Dabei handelt es sich um völlig unterschiedliche Viren-Stämme.

Halten Sie eine Pneumokokken-Impfung grundsätzlich für angezeigt?

Heider: Durchaus. Wenn sich jemand mit Corona infiziert hat, hat er ein erhöhtes Risiko, dass er sich durch Pneumokokken eine Lungenentzündung holt.

Was beobachten Sie gerade bei den Kunden, die in Ihre Apotheken kommen?

Heider: Ich stelle fest, dass sie nicht nur für sich einkaufen, sondern auch für ihre Angehörigen. Das macht Sinn, dann haben wir auch weniger Kunden im Geschäft, was das Risiko einer Ansteckung mindert. Im Übrigen: Ich kann jedem nur raten, sein Immunsystem zu stärken – auch durch die Vermeidung von Stress zum Beispiel oder Spaziergänge.

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