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Ukraine-Krieg und seine Folgen

Wasserburg will keine Energie-Abhängigkeit mehr von Russland - So sieht der Plan aus

Setzen auf die Stadtwerke – auch bei der E-Mobilität: Bürgermeister Michael Kölbl, Klimaschutzmanager Josef Allio und Albert Bernstetter (von links).
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Setzen auf die Stadtwerke – auch bei der E-Mobilität: Bürgermeister Michael Kölbl, Klimaschutzmanager Josef Allio und Albert Bernstetter (von links).
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Der Ukraine-Krieg hat die Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten aus Russland drastisch verdeutlicht. Auch Kleinstädte wie Wasserburg sind jetzt gefordert, ihren Beitrag zu leisten.

Wasserburg – Bürgermeister Michael Kölbl, Klimaschutzmanager Josef Allio und der Sprecher des Klimaschutzdialogs als Brücke zwischen Stadt und Bürgerschaft, Albert Bernstetter, setzen im Bemühen um Energieeffizienz und CO2-Neutralität auf einen europaweit definierten Prozess: den European Energie Award (EEA).

Standardisiertes Verfahren

„Das Ziel steht fest: Bis 2045 will Deutschland die CO2-Neutralität erreichen. Da sind auch wir in Wasserburg gefordert“, sagt Kölbl. Doch wo steht die Stadt in puncto Energieeffizienz? Der Beitritt der Kommune zum European Energy Award ermögliche, eine Ist-Analyse durchzuführen – über ein standardisiertes Verfahren zur Datenerhebung. Alle Abteilungen in der Stadtverwaltung und die Stadtwerke werden derzeit nach festgelegten Kriterien „interviewt“, auch die Energieversorger und die Großabnehmer um Zahlen zum Strom- und Wärmebedarf, zu Verbrauch und Energiesystemen befragt, berichtet Allio.

Aus den gesammelten Daten werden dann Maßnahmenvorschläge abgeleitet – nach einem aus dem Unternehmensmanagement bekannten Zyklus: „analysieren, planen, durchführen, prüfen“. Das heißt: Das Programm wird in die Tat umgesetzt, das Ergebnis auf die Wirksamkeit hin überprüft. Vier Jahre hat die Stadt Zeit, dann folgt eine Zertifizierung, die hilft, sich mit anderen Kommunen zu vergleichen. 70 000 Euro kostet die vierjährige Teilnahme am europaweiten Programm, etwa 40 000 Euro Förderung bekommt die Stadt, berichtet Kölbl. Den Stadtrat hat nach seinen Angaben die Tatsache zum Beitritt bewogen, dass es sich um ein standardisiertes Management-Instrument zur Steuerung des kommunalen Klimaschutzes handelt. „Endlich stochern wir nicht mehr im Nebel herum“, findet der Rathauschef, der auch darauf hinweist, dass Fachleute des EEA-Programms den Prozess begleiten.

Bernstetter sieht die Stadt durch den Beitritt auf dem Weg „hin zum Tun“ einen großen Schritt weitergekommen. Es sei zwar schon viel geschehen in puncto Energieeffizienz in Wasserburg, doch endlich habe die Thematik alle Bereiche des städtischen Lebens erreicht, so Bernstetter. Der Bürgermeister spricht von einer „Querschnittsaufgabe“. „Das geht bis in die Grundsätze unserer demokratischen Verfassung hinein“, findet Kölbl angesichts der Notwendigkeit, sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs schnell energietechnisch autark aufzustellen.

Wasserburg ist auf einem guten Weg

Wasserburg ist auf einem guten Weg, ist Kölbl überzeugt. „Wir müssen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen.“ Alle kommunalen Liegenschaften würden mit grünem, CO2-freien Ökostrom versorgt. Die Straßenbeleuchtung im Netz der Stadtwerke sei auf LED umgestellt. Dadurch würden etwa 298 MWh Strom im Jahr eingespart. Die in Kooperation mit einem Landwirt betriebene Biogas-Nahwärmeversorgung in Reitmehring verringert den CO2-Ausstoß mehrerer kommunaler Liegenschaften um rund 110 Tonnen im Jahr, nennt die Stadt als Beispiele.

BHKW nicht länger erdgasgesteuert

Kürzlich wurde ein weiteres Blockheizkraftwerk für die Realschule in Betrieb genommen. Es basiert auf Erdgas, was die Stadt schon vor dem Ukraine-Krieg auch in die Kritik gebracht hatte. Doch die Planungen für das Projekt gehen viele Jahre zurück. Der Werkausschuss hat nach Informationen von Kölbl bereits beschlossen, keine weiteren erdgasgesteuerten Blockheizkraftwerke zu initiieren. In Zukunft sollen nur noch regenerative Energien verwendet werden.

Auch auf dem Weg zur CO2-Neutralität ist eine Stadt also dem Wandel unterworfen. Trotz Rahmenbedingungen, die sich immer wieder ändern können, bleibt das Ziel das gleiche: Wasserburg soll energietechnisch unabhängig werden. Die Stadt hat dafür eine Top-Voraussetzung, findet der Bürgermeister : Sie könne auf eigene Stadtwerke zugreifen.

Das erhoffen sich Kölbl, Allio und Bernstetter

Was erhoffen sich Bürgermeister Michael Kölbl, Klimaschutzmanager Josef Allio und der Sprecher des Klimaschutzdialogs, Albert Bernstetter , für die nächsten vier Jahre des European-Energie-Awards?

Michael Kölbl hofft darauf, möglichst viele kommunale Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten zu können. Außerdem möchte er, dass die Stadt noch mehr Fahrzeuge auf Elektroantrieb umstellen kann, und es den Stadtwerken gelingt, marktkonform zu 100 Prozent nur noch Öko-Strom anzubieten.

Josef Allio sieht die Notwendigkeit, dass die Politik bessere Rahmenbedingungen setzt – unter anderem, damit die Genehmigungsverfahren leichter werden. Das könne die Bürgerbeteiligung erhöhen. „Unsinnig“ nennt er beispielsweise die 10-H-Reglungen bei Windkraftanlagen im Freistaat.

Albert Bernstetter möchte vor allem eins erreichen: „das wir ins Tun kommen.“ Und dass das Bewusstsein für den Klimaschutz „als Zukunftsaufgabe für alle Bereiche des Lebens erhöht werde. „Nachhaltigkeit geht uns alle an.“