Wasserburg will fahrradfreundlicher werden: Hilft dabei eine Vereinsmitgliedschaft?

Werner Seifert aus Eiselfing hat auf dem Parkplatz Am Gries die Säule entdeckt, in der sich Fahrradwerkzeug samt Luftpumpe verbirgt: Eine prima Idee, findet der 68-Jährige. „Echt super, das Set. Eine gute Sache für die schnelle Reparatur“, sagt der frühere Fahrradmechaniker und jetziger Freizeitradfahrer.
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Werner Seifert aus Eiselfing hat auf dem Parkplatz Am Gries die Säule entdeckt, in der sich Fahrradwerkzeug samt Luftpumpe verbirgt: Eine prima Idee, findet der 68-Jährige. „Echt super, das Set. Eine gute Sache für die schnelle Reparatur“, sagt der frühere Fahrradmechaniker und jetziger Freizeitradfahrer.

Wasserburg soll fahrradfreundlicher werden – darüber waren sich die Mitglieder im Haupt- und Finanzausschuss einig. Doch muss die Kommune dazu Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen“ (AGFK) werden? Das hat das Gremium kontrovers diskutiert.

von Katharina Heinz

Wasserburg – Der Hintergrund: Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte beantragt, dass sich Wasserburg um die Aufnahme in dieser Gemeinschaft bewirbt. Die AGFK ist ein vereinsmäßig organisiertes Netzwerk bayerischer Kommunen, das 2012 mit Unterstützung des Freistaates Bayern gegründet wurde. Die Gemeinschaft setzt sich für einen höheren Radverkehrsanteil ihrer Mitglieder ein. Neben der Förderung von radverkehrsfreundlicher Infrastruktur stehen der Ausbau von Radwegen und die Sicherheit von Radfahrern im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Die AGFK unterstützt ihre Mitglieder außerdem dabei, die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ des Bayerischen Verkehrsministeriums zu erlagen.

Erfahrungstaustausch mit anderen Kommunen

Wie Stadtkämmerer Konrad Doser erklärt, seien aktuell lediglich die Stadt Kolbermoor und der Markt Bruckmühl aus der Region in der AGFK vertreten. Um Mitglied zu werden, brauche es zunächst einen positiven Stadtratsbeschluss. Nach einer Besichtigung der Stadt durch eine unabhängige Kommission könne die Kommune in den Verein aufgenommen werden. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 1500 Euro.

Ziel: Marketing, das Emotionen anspricht

„Das Mobilitätsverhalten der Menschen ist stark von Gewohnheiten geprägt“, sagt Stefanie König (Bündnis 90/Die Grünen). Wenn man mehr Menschen aufs Fahrrad bringen wolle, müsse man das Bewusstsein ändern. Ein Marketing, das Emotionen anspreche, könne dabei helfen. Den grundlegenden Zielsetzungen, so ihre Überzeugung, fühle sich der Stadtrat sowieso verpflichtet. Die Kommune könne durch den Erfahrungsaustausch mit anderen profitieren.

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Allerdings kristallisierten sich zwei Hauptkritikpunkte heraus. Zum einen müsse in der Stadtverwaltung personelle Kapazität dafür geschaffen werden. „Es wäre eine Mitgliedschaft in einem zusätzlichen Gremium, das man organisieren müsste“, sagt Andreas Hiebl vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit. Zwar ließ sich die Frage nicht endgültig klären, ob der notwendige „Fahrradverkehrsbeauftragte“ auch ein ehrenamtlicher Mitarbeiter sein könne. Doch auch dann, erklärt Kämmerer Doser, müsse es ja eine Schnittstelle in die Verwaltung geben. Sonst könnte nichts umgesetzt werden.

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Der andere Einwand bezog sich auf die Rolle des Landkreises. „Eine Netzplanung ohne den Landkreis geht nicht“, betonte Doser. Zu den Voraussetzungen einer Aufnahme gehörten unter anderem die Erarbeitung einer Netzplanung für den nicht-motorisierten Verkehr und eine Verknüpfung dieses Netzes mit anderen Radwegenetzen. All diese Punkte seien bereits auf Landkreisebene in Arbeit oder umgesetzt. Vonseiten der Stadtverwaltung würde man es daher bevorzugen, konkrete Projekte umzusetzen, als „Lippenbekenntnisse“ abzugeben.

„Mir erschließt sich diese Vereinsgeschichte nicht“, sagt Josef Baumann (FWRW). Da gehe Geld in einen Topf, dessen Nutzen nicht nachvollziehbar sei. Viele der Ziele würden bereits vom Landkreis verfolgt. Bei einer Mitgliedschaft würde man aber auch vom Marketing des Vereins profitieren, hielt König dagegen. Norbert Buortesch (BF) fand es richtig, ein Zeichen für fahrradfreundliche Mobilität zu setzen. Er schlug vor, anzustreben, dass auch der Landkreis Mitglied werde. Dr. Martin Heindl (SPD) regte an, mit Kolbermoor und Bruckmühl Kontakt aufzunehmen, um sich von deren Erfahrungen berichten zu lassen.

Schließlich einigte sich das Gremium mit zwei Gegenstimmen darauf, eine Mitgliedschaft in der AGFK anzustreben und parallel anzuregen, dass auch der Landkreis Mitglied wird.

Hilfe bei Reparaturen Am Gries

Reparaturwerkstätten für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle im Stadtgebiet errichten – dieser Antrag wurde in der vergangenen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses abgewiesen. Aber nicht, weil das Gremium dagegen ist, sondern, weil das Vorhaben bereits realisiert wurde.

So hat es scheinbar eine Überschneidung der Anträge gegeben. Die Fraktionsgemeinschaft Bürgerforum/Wasserburger Block hatte bereits 2019 einen Antrag auf eine solche Reparaturwerkstätte gestellt. Um das Vorhaben voranzutreiben, gab es nun erneut einen Antrag, diesmal von der Fraktion CSU/Freie Wähler. Währenddessen allerdings wurde die erste öffentliche Säule mit Reparaturwerkzeug Am Gries realisiert. Einstimmig einigte sich das Gremium darauf, zunächst keine weiteren Stationen einzurichten. Man wolle erst beobachten, wie sich die Reparaturstelle Am Gries in der Praxis bewährt.

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Neben dem Toiletten-Häuschen steht diese neue Säule zur Selbsthilfe. Sie hält etwa eine Luftpumpe mit verschiedenen Ventilen bereit. Mit Stahlseilen gesichert gibt es dort weitere nützliche Werkzeuge für die Reparatur von Fahrrädern, Rollstühlen und Kinderwagen.

Einig war man sich im Haupt- und Finanzausschuss, dass noch viele weitere Standorte für solche Stationen in Frage kämen: etwa am Wasserburger Bahnhof oder am Reitmehringer Bahnhof.

Auch war man sich im Klaren darüber, dass das neue Angebot öffentlich bekannt gemacht werden müsse: So soll die Reparaturwerkstätte etwa in die Beschilderung der Radwege und des touristischen Angebots aufgenommen werden.

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