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Innstadt will energetisch unabhängig werden

Warum Wasserburgs neuer Klimaschutzmanager findet: „Die Gaskrise ist auch eine Chance“

Blick in die Zukunft – auf dem Dach des Rathauses: Bürgermeister Michael Kölbl (links) und Klimaschutzmanager Albert Bernstetter an einem symbolträchtigen Ort. Denn der Denkmalschutz erschwert in Wasserburg die Umsetzung von Photovoltaikanlagen. Auch dieses Thema geht die Stadt an, als Modellkommune im Freistaat. Kölbl und Bernstetter sind sich einig: Klimaschutz und Denkmalschutz sind zwei Nachhaltigkeitsthemen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten.
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Blick in die Zukunft – auf dem Dach des Rathauses: Bürgermeister Michael Kölbl (links) und Klimaschutzmanager Albert Bernstetter an einem symbolträchtigen Ort. Denn der Denkmalschutz erschwert in Wasserburg die Umsetzung von Photovoltaikanlagen. Auch dieses Thema geht die Stadt an, als Modellkommune im Freistaat. Kölbl und Bernstetter sind sich einig: Klimaschutz und Denkmalschutz sind zwei Nachhaltigkeitsthemen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Er hat sein Amt in extrem schwierigen Zeiten angetreten. Trotzdem findet Wasserburgs neuer Klimaschutzmanager Albert Bernstetter: „Die Gas- und Energiekrise ist auch eine große Chance.“ Warum er ebenso wie Bürgermeister Michael Kölbl überzeugt ist: „Wir schaffen das.“

Wasserburg – Entspannt sitzt der 58-Jähriger im Büro von Bürgermeister Michael Kölbl. Unaufgeregt und von dem Glauben getragen: „Wir schaffen das – wenn wir endlich ins Tun kommen.“

Der Nachfolger von Josef Allio bringt laut Kölbl viel mit, damit Wasserburg das Ziel, sich energietechnisch unabhängig und CO2-frei zu machen, erreichen kann. Zehn Interessenten hatten sich auf die Ausschreibung der Halbtagsstelle beworben, die bei den Stadtwerken im Stab des Chefs angeordnet, aber aus dem Stadthaushalt finanziert wird. Vier hatte die Verwaltung zu Bewerbungsgesprächen eingeladen. Bernstetter war, so der Bürgermeister, der „qualifizierteste Bewerber“. Außerdem garantiere er einen nahtlosen Übergang. Im Gremium Klimaschutzdialog hat Bernstetter seit 2018 aktiv mitgearbeitet, seit 2021 ist er der Sprecher. Er war maßgeblich an der Neuaufstellung des Arbeitskreises beteiligt, der sich als Brücke zwischen Bürgern, Verwaltung, Politik und Unternehmen versteht und die Klimaschutzpolitik vorantreiben will.

Ziel: die Menschen mitnehmen

Kölbl verweist außerdem auf Bernstetters Qualifikationen in der Projektleitung und Planung, er hat in den vergangenen Jahren bereits viele Klimaschutzvorhaben begleitet und gesteuert.

Und noch ein Talent des neuen Managers stellt Kölbl heraus: Er könne gut kommunizieren. „Das ist wichtig, denn wir müssen die Menschen mitnehmen.“

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„Die Energiewende ist eine Herzensangelegenheit von mir“, betont Bernstetter. Er hat drei erwachsene Kinder, ihnen sei er Antworten und Lösungen schuldig für die Fehler der Vergangenheit, findet er. Zurückblicken, hadern, zweifeln: Das will er jedoch nicht – trotz der oft aussichtslos erscheinenden Lage, die sich seit dem Ukrainekrieg und der Gaskrise weiter zugespitzt hat. Nun sei fast jedem bewusst, dass es ein Weiter so nicht geben könne, ist Bernstetter überzeugt. Dies sei die große Chance für eine wirkliche Umkehr. Dabei müssten alle Optionen ohne Denkverbote auf den Tisch, appelliert der neue Klimaschutzmanager: Photovoltaik, Nahwärme, Wasser- und Windkraft – auch wenn Letztere in Wasserburg wohl kaum eine Chance hat., ebenso wenig wie Freiflächen-PV-Anlagen. Es gibt keine passenden Grundstücke in der Innschleife.

Selbst von den aktuellen Lieferproblemen bei Photovoltaik-Anlagen will er sich nicht ausbremsen lassen. Es dauere halt, bis in Deutschland ein Markt wieder aufgebaut werde, der in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden sei. Doch mit der Planung könne die Stadt schon anfangen, „wenn das Material dann wieder abrufbar ist, dann haben wir wenigstens schon die Konzepte in der Schublade“, sagt er.

Gas und Öl sind Geschichte

2022 ist generell das Jahr des Planens in puncto Energiewende. Wasserburg hat sich dem European Energy Award angeschlossen – ein Netzwerk, das die Ist-Analyse und daraus abgeleitete Maßnahmen fördert. Wasserburg befindet sich in der Phase der Datenbeschaffung – laut Kölbl eine mühsame und oft auch unpopuläre Aufgabe, auch innerhalb der Verwaltung, bei der die Mitarbeiter stark gefordert seien. Aus den gesammelten Zahlen zu Energieverbrauch und -versorgung, die bis zum Herbst vorliegen sollen, werden Projekten entwickelt.

Eins steht außerdem schon fest: Gas und Öl sind als Energieträger passe. Ein Protokollvermerk im Werkausschuss habe die Absage an fossile Energien bereits festgehalten, so Kölbl.

Hackschnitzel aus dem Stadtwald

Und ein Vorhaben ist auch schon festgezurrt: Volkshochschule, Stadtbücherei und Theater sollen als Gebäudeensemble mit einer Hackschnitzelanlage beheizt werden, berichtet Bernstetter. Den Rohstoff wird der Stadtwald liefern. 200 Hektar besitzen Kommune und Heilig-Geist-Stifung. Auch das neue Wohngebiet auf dem Gelände der Essigfabrik wird regenerativ versorgt werden. Ein Nahwärmeprojekt ist angedacht. Bereits vor der Energiekrise entstand die Biogasanlage für Schule und Kindergarten in Reitmehring, betrieben von einer Landwirtsfamilie. Das Material aus der Biotonne wird in Eiselfing verstromt, das Klärwerk produziert über eine Biogasanlage bereits Strom und Wärme – zu über 70 Prozent ist es bereits autark.

Es geht auch um Versorgungssicherheit

Diese Unabhängigkeit von Putins Gas oder Öl ist das große Ziel. Denn es geht nicht nur um CO2-Reduzierung, sondern jetzt auch um die Versorgungssicherheit, finden Bernstetter und Kölbl. Der neue Klimaschutzmanager hat sich vor allem ein Ziel für die nächsten zwei Jahre gesetzt: Stadtetats, die sichtbar Klimaschutzhaushalte sind, erste Maßnahmen, die 2023 umgesetzt werden – „und begeisterte Menschen, die die Chancen begreifen und ins Tun kommen.“

Badria: „Keine Denkverbote“

Wie geht es angesichts der Energiekrise weiter mit dem Badria? „Das diskutieren wir derzeit heiß“, sagt Bürgermeister Michael Kölbl. Auch hier gebe es keine Denkverbote: Reduzierung der Öffnungszeiten, Teilschließungen, weitere Senkung der Wassertemperaturen bis auf Badeseeniveau? „Es muss erlaubt sein, jede Frage zu stellen“, findet Kölbl.

Das Familienbad mit Saunalandschaft ist der größte Energieverbraucher der Stadt und Stadtwerke. Und hängt am Gashahn. Das Freibad allerdings wird mit Solarthermie beheizt.

Erste Schritte zur Energieeinsparung haben die Stadtwerke bereits unternommen: die Senkung der Wassertemperatur um ein bis zwei Grad. Das Spektrum der Reaktionen bei den Kunden reicht laut Kölbl von Verständnis bis Verärgerung.

Die defizitäre Freizeiteinrichtung hatte ohnehin schwer zu kämpfen in der Pandemie: Zwischenzeitlich musste das Badria im Lockdown schließen, Mitarbeitende gingen in die Kurzarbeit – ein Novum in der Geschichte der Stadt. Als diese Krise vorbei war, kam die nächste. Durchatmen? Fehlanzeige. Zündet der Bund Stufe drei des Gasalarmplans, was nach der Wartung der Pipelines im Juli wohl nicht auszuschließen sei, müsste das Badria als Freizeiteinrichtung vermutlich zumachen, warnt Kölbl. Doch schon jetzt müsse sich der Werkausschuss des Stadtrates der Problematik der explodierenden Energiepreise stellen. Entscheidungen ständen an. „Fest steht: Das werden keine Preissenkungen und keine Öffnungszeitenverlängerungen sein.“ Die Stadt befinde sich in einem Dilemma, denn das Badria verstehe sich als bezahlbares Familienbad, habe eine wichtige Erholungsfunktion, diene der Gesundheitsvorsorge. Und trotzdem könnten es sich Stadtwerke und Stadt nicht leisten, dass die roten Zahlen explodieren würden.

Klimaschutzmanager Albert Bernstetter sieht die Kommune auch hier in der Pflicht, weiter energetisch zu modernisieren. Nächste Schritt: die bereits begonnene Dachsanierung.

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