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Zum Tag der Pflege am 12. Mai

Warum angehende Pflegefachkräfte in Wasserburg finden: „Das ist ein Beruf mit Zukunft“

Nicole Surand (links) und Johannes Schönberger üben an der Puppe „Nursing Anne“ das Abhören der Herztöne, Alina Boldt, Leiterin der Berufsfachschule für Pflege an der Romed-Klinik Wasserburg, freut sich über die neue Online-Schulungsmöglichkeit.
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Nicole Surand (links) und Johannes Schönberger üben an der Puppe „Nursing Anne“ das Abhören der Herztöne, Alina Boldt, Leiterin der Berufsfachschule für Pflege an der Romed-Klinik Wasserburg, freut sich über die neue Online-Schulungsmöglichkeit.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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In der größten Krise der Pandemie gab es für sie Applaus, doch jetzt hat es sich ausgeklatscht: Bei einem Besuch in der Berufsfachschule für Pflege an der Romed-Klinik Wasserburg erklären junge Leute, warum sie diesen Beruf mögen. Einblicke in eine Aufgabe für Menschen, die Menschen mögen.

Wasserburg – Johannes Schönberger wollte nach dem Abitur eigentlich Pädagogik studieren. Doch der Wasserburger stellte fest: zu viel Theorie, zu wenig Praxis. Seine Tante riet ihm zu einer Ausbildung in der Krankenpflege – jetzt ist der 23-Jährige im zweiten Lehrjahr und weiß: „Das war die richtige Entscheidung.“

Ohne Empathie geht es nicht

„Man lernt viel über den Menschen und über sich selbst“, bringt Johannes Schönberger seine Erfahrungen auf den Punkt. Er sei über sich hinausgewachsen in der Ausbildung, die mitten in der Pandemie begann. Er weist vor allem auf die Vielfältigkeit des Berufes hin.

Das bestätigt auch seine Kollegin Nicole Surand. Sie ist eine Späteinsteigerin: Mit 39 lässt sich die Sozialbetreuerin in Wasserburg zur Pflegefachfrau ausbilden. Sie kommt aus einer Familie, in der viele in Gesundheitsberufen arbeiten. Auch die Engelsbergerin sieht hier ihre berufliche Zukunft. Die Ausbildung sei vielfältig, die Einsatzbereiche würden zahlreiche Möglichkeiten bieten.

Im Simulationsraum dürfen sie und Johannes Schönberger derzeit die „Nursing Anne“ ausprobieren – eine Puppe, die digital gesteuert wird. Ton- und Videoaufnahmen schaffen eine realitätsnahe beruflichen Umgebung. Die Puppe kann mit den Lernenden kommunizieren, die angehenden Pflegefachkräfte können Fertigkeiten erlernen und üben sogar Fehler machen, die nach einer Reflexion behoben werden. Damit gehen sie handlungssicher in die praktischen Einsätze.

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Im Klinikalltag auf Station, in dem die beiden das Erlernte in die Praxis umsetzen, ist „Anne“ schließlich ein Mensch aus Fleisch und Blut. Berührungsängste dürfen Pflegefachfrauen und -männer nicht haben, nennt Nicole Surand eine wichtige Eigenschaft, die Azubis mitbringen müssten. „Blut sehen können, das sollte man auch“, sagt sie lachend. „Ein Gefühl für Menschen haben“, ergänzt Johannes Schönberger. Ohne Empathie gehe es nicht. Hilfsreich außerdem: Interesse für medizinische Themen und die Biologie. Eine gewisse Resilienz sei außerdem vonnöten, sagen sie. Denn der Arbeitsalltag sei oft anstrengend und herausfordernd, es sei wichtig, sich auch abzugrenzen.

An den Schichtdienst haben sie sich nach eigenen Angaben schnell gewöhnt – er habe auch Vorteile, denn der Beruf biete die Möglichkeit, auch einmal tagsüber frei zu haben und viele Teilzeitmodelle – „ideal vereinbar mit Familie“, hat Nicole Surand als Mutter bereits festgestellt.

Alina Boldt, seit 2020 Leiterin der Romed-Berufsfachschule für Pflege in Wasserburg, weist darauf hin, dass Auszubildende bereits im ersten Lehrjahr relativ gut verdienen: etwa 1200 Euro brutto. Auch ein Wohnheim gebe es.

Ab einem Alter von 16 Jahren könnten sich junge Leute bewerben – mit Mittlerer Reife oder – unter bestimmten Bedingungen – auch mit einem Mittelschulabschluss. Nach ihren Angaben gibt es auch viele Umsteiger, die sich spät für diese Ausbildung entschließen – „oft weil sie noch einmal in einem Beruf arbeiten möchten, in dem sie was Gutes tun können“.

Vielfältige dreijährige Ausbildung

65 Schülerinnen und Schüler sind derzeit an der Berufsfachschule gemeldet, im September beginnt eine neue dreijährige Ausbildung. Praktisch wird sie an den Romed-Standorten in Wasserburg, Prien, Bad Aibling und Rosenheim durchgeführt. Im ersten Teil der praktischen Ausbildung ist der Klinikbereich im Mittelpunkt, bevor sich die Einsätze im ambulanten Pflegebereich, in der Langzeitpflege, in Kindergärten, auf Kinderstationen und in der Psychiatrie anschließen. Im dritten Ausbildungsdrittel rundet ein Vertiefungseinsatz im Klinikbereich die fachlichen Schwerpunkte in der generalistischen Ausbildung ab, so Boldt. Romed kann für die vielfältigen externen Einsätze auf Kooperationspartner zurückgreifen. Die Ausbildung werde EU-weit anerkannt, freut sie sich.

Vielfalt oft nicht bekannt

Zwei Drittel der Absolventinnen und Absolventen bleiben nach ihren Angaben dem Romed-Klinikverbund erhalten. Trotzdem: Die Bewerberzahlen nehmen ab. Das liege auch am demografischen Wandel. Die Pandemie habe das Berufsbild der Krankenpflege zwar in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Nach wie vor sei vielen jungen Leuten die Vielfalt des Berufes jedoch nicht bekannt.

Das Vorurteil, es gehe in erster Linie ums Waschen am Krankenbett, hält sich zum Teil hartnäckig, bestätigen Johannes Schönberger und Nicole Surand. Auch die Impfpflicht schrecke manche ab. Schade, sagen sie, „denn dieser Beruf hat Zukunft und ist sehr spannend.“

Tag der offenen Tür am 24. Mai

Die Berufsfachschule für Pflege in Wasserburg lädt am Dienstag, 24. Mai, zum Tag der offenen Tür ein. Von 14 bis 17 Uhr gibt es im Gebäude an der Krankenhausstraße 9 Einblicke in die Ausbildung. Die Nächste beginnt am 1. September 2022.

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