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Neuer Takt, neue Tarife

Stadtrat beschließt neues System: Wasserburg wagt die Bus-Revolution

Der Stadtbus pendelt zwischen Badria und Bahnhof Reitmehring – ab Februar 2022 im Halbstundentakt.
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Der Stadtbus pendelt zwischen Badria und Bahnhof Reitmehring – ab Februar 2022 im Halbstundentakt.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Schneller, öfter, bürgerfreundlicher, praktischer – und unter bestimmten Umständen sogar günstiger: Der Wasserburger Stadtrat hat sich für einen großen Wurf bei der Reform des Stadtbusses entschieden.

Wasserburg – Ab Februar 2022 werden all jene Bürger, die gerne Bus fahren würden, aber den Service bisher nicht ausreichend fanden, verstärkt das Auto stehen lassen, so die Hoffnung der Fraktionen.

Es fühlte sich fast schon an, als sei die Stadtratssitzung am Donnerstagabend ein historisches Ereignis. Denn die Fraktionen und die Verwaltung beschlossen einstimmig eine kleine Revolution: Das Fahrangebot wird durch die Umstellung von einer auf eine halbe Stunde verdoppelt. Die Tarife sind außerdem im Vergleich zu anderen Stadtverkehren günstig – immer dann, wenn das Ticket nicht im Bus gelöst wird, sondern am Automaten oder per App. Vor allem der Kauf von Zeitkarten lohnt sich. Ein Beispiel ist die Jahreskarte für den Stadtbus: Sie kostet etwa in Rosenheim 352 Euro, in Wasserburg 220 Euro oder vergünstigt sogar nur 110 Euro.

Ab Februar alle 30 Minuten

Die neue Tarifgestaltung ist das Ergebnis eines langen, mühsamen Planungs- und Entscheidungsprozesses. Andreas Hiebl, bei der Stadtverwaltung zuständig für den öffentlichen Personennahverkehr (PPNV), hat die Mammutaufgabe gestemmt. Sie begann mit der Ausschreibung des Halbstundentakts, die die Verkehrsunternehmen Hövels und RVO gewonnen haben. Sie werden ab Februar 2022 die Busse alle 30 Minuten zwischen Bahnhof Reitmehring und Badria fahren lassen.

Kontrovers und konstruktiv seien in mehreren Beratungsrunden die neuen Tarifregelungen für den Stadtbus in den Gremien des Stadtrates diskutiert worden, so Hiebl. Es galt nach seinen Angaben ein großes Problem zu lösen: Der Stadtbus benötigt 45 Minuten, um 24 Haltestellen zu bedienen – und soll diese Strecke ab Februar in weniger als 30 Minuten schaffen. Auf den ersten Blick ein unmögliches Unterfangen, denn die Verkehrssituation in Wasserburg ist komplex: Der Stadtbus muss unter anderem zehn Kreisel bewältigen, zwölf mal Vorfahrt gewähren oder an einer Kreuzung stoppen, 22 mal gilt rechts vor links, zwölf Zebrastreifen und zwei Ampeln bremsen aus, hinzu kommen die Engstelle Brucktor und zahlreiche Gassen in der Altstadt und mehrere Tempo-30-Strecken. Die Folge: Der Stadtbus hat häufig Verspätung. Anschlusszüge am Bahnhof fahren vielen Passanten dann vor der Nase weg.

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Die Stadt hat trotzdem einen Hebel, um dem Bus mehr Tempo zu geben, so Hiebl. Ein Zeitfresser sei der Fahrkartenkauf per Bargeld im Bus. 2019 wurden hier über 90 000 Tickets gelöst – Vorgänge, die den Busfahrer aufhalten. Nur gut 11.000 Zehner-, Monats- und Jahreskarten wurden verkauft.

Ticketautomaten kommen

Deshalb werden jetzt Ticketautomaten aufgestellt – in der Nähe zu Haltestellen. Hier können Fahrkarten bar oder per EC-Karte bezahlt und gezogen werden. Das kostet: Pro Standort etwa 10.000 Euro für die Automatenanschaffung, eine Förderung der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) ist jedoch in Aussicht gestellt worden, teilte Hiebl im Stadtrat mit. Automaten werden am Bahnhof Reitmehring, in Gabersee stadteinwärts, am Busbahnhof, an der Max-Emanuel-Kapelle Am Gries, an der Rosenheimer Straße (Sparkasse), an dr Watzmannstraße stadteinwärts und am Badria aufgestellt, beschloss der Stadtrat einstimmig.

Wer nicht im Bus kauft, wird belohnt

Damit die Kunden die Tickets auch wirklich am Automaten ziehen, werden die Tarife so gestaltet, dass es sich lohnt. Erwachsene zahlen für das Einzelticket beispielsweise 1,50 statt zwei Euro, wenn sie den Automaten nutzen. Zeitkarten – für zehn Fahrten, einen Monat, ein Vierteljahr oder ein Jahr – sollen ebenfalls am Automaten gezogen werden. Die Jahreskarte gibt es im Bürgerbüro.

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Das neue Tarifsystem des Wasserburger Stadtbusses.

Die neuen Zeitkarten sind zwar teurer als bisher – die Zehnerkarte beispielsweise kostet im alten Tarifsystem zehn Euro, ab Februar 2022 zwölf Euro. Diese Erhöhung wurde laut Stadt nach elf Jahren ohne Anpassung jedoch notwendig – auch um die Unterdeckung bei den steigenden Betriebskosten ein wenig aufzufangen. Für 2022 rechnet die Stadt mit Betriebskosten netto in Höhe von 552.000 Euro. Die Höhe der Deckungslücke ist noch völlig offen.

Verbesserungen und Vereinfachungen

Dafür gibt es Verbesserungen und Vereinfachungen für Schüler und Studierende, erklärte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD). Da viele jungen Menschen heutzutage bis zum 18. Jahr oder länger in die Schule gehen, wird der Kinder- zum U-21-Tarif. Wer studiert oder eine Lehre macht, kann auf Nachweis die Jahreskarte bis einschließlich 25. Lebensjahr vergünstigt erwerben. Bürger, die Anspruch auf den Wasserburg-Pass haben (Familien mit kleinerem Einkommen, Bürger mit geringen Renten beispielsweise) bekommen die Jahreskarte für den Stadtbus sogar um 50 Prozent verbilligt. Monats- und Vierteljahreskarten sind außerdem übertragbar. Die Vierteljahrkarte ist neu im Angebot.

Einführung einer App beschlossen

Die Stadt wird zudem eine App einführen. Wer demnächst über sie Karten kauft, erhält zehn Prozent Rabatt. Die Einführung kostet über 12.000 Euro, jährlich fallen weitere Betriebskosten an. Doch das „Ticketing“ ist die Zukunft, an der Einführung geht kein Weg vorbei, zeigte sich Hiebl überzeugt. Tatsache ist auch: Die Automaten werden auch Kosten für Wartung und Pflege verursachen.

Neu ist außerdem, dass der Wasserburger Stadtbus zum Stadttarif auch bis Staudham fährt, wo die Märkte und weiteren Nahversorgungseinrichtungen in Edling gut zu erreichen sind. Ein- und ausbrechende Linien des RVO und der Deutschen Bahn mit dem Eintrag „Wasserburg Stadt“ sollen auf dem ganzen Streckenverlauf anerkannt werden.

Das sagen die Stadtratsfraktionen

2019 hatte die SPD-Fraktion den Antrag auf Optimierung des Stadtbusses gestellt. Der Takt solle verdichtet, der Service besser, die Tarifgestaltung bürgerfreundlicher werden, so die Forderung. Die Mühlen mahlen langsam, Ende 2021 fiel jetzt der endgültige Beschluss. Die Fraktionsvorsitzende vonSPD und Linker Liste , Friederike Kayser-Büker, zeigte in ihrer Stellungnahme auf, dass es sich gelohnt habe, die Zeit zu investieren. Denn der Vorschlag der Stadtverwaltung habe in seiner „Radikalität“ die Wünsche der Fraktion noch übertroffen.

Heike Maas, Fraktionsvorsitzende vonCSU-Freie Wähler-Wasserburger Block , sprach von einem sozial ausgewogenen Beitrag der Stadt zum Klimaschutz. Sie forderte eine große Marketingkampagne, um die neuen Angebote bekannt zu machen, sowie Aktionstage in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsförderungsverband und eine Werbekampagne für Park-and-Ride am Badria und in Reitmehring. Edith Stürmlinger, Fraktionsvorsitzende des Bürgerforums/Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg/ÖDP, sprach von einem „Meilenstein“ und äußerte die Hoffnung, dass Bürger überzeugt würden, mehr auf den Bus umzusteigen oder auf ein Zweit-Auto zu verzichten. Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender derGrünen , träumt zwar immer noch von einem kostenlosen Stadtbusverkehr, sieht die Neuregelung von Takt und Tarifen trotzdem als großen Fortschritt für den ÖPNV an.

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