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Wasserburg trauert um Ofo: Otto Maier stirbt im Alter von 99 Jahren

Ofo - unter diesem Namen kannte man Otto Maier. Das Wasserburger Urgestein ist im Alter von 99 Jahren verstorben.
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Ofo - unter diesem Namen kannte man Otto Maier. Das Wasserburger Urgestein ist im Alter von 99 Jahren verstorben.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
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Auf kaum einen anderen Bewohner der Stadt trifft das Prädikat „Wasserburger Urgestein“ so uneingeschränkt zu. Vor wenigen Tagen, am 12. Januar, ist Otto Maier, geboren am 6. April 1921, im Alter von 99 Jahren gestorben.

Wasserburg - Aufgewachsen ist er in der Altstadt – zusammen mit seinem Bruder Lukas, dem Schriftsteller. Von seinem Freundeskreis wurde er schlicht und einfach „Ofo“ genannt.

Stets interessiert an Stadtentwicklung

Im Gespräch mit unserer Zeitung im August 2018 erinnerte er sich an das Treiben in der Hofstatt: „In der Mitte stand ein großes Schulhaus, mit vier Klassen, 140 Schülern.“ Da sei mächtig was los gewesen, „ein großer Spielplatz“. Anlass des Besuchs bei dem betagten Mann war seine Wortmeldung zum Thema Verkehr: Eine klare Absage an die geforderte Fußgängerzone.

80 Jahre Mitglied beim Alpenverein

„Hände weg von der Hofstatt“, so sein Verdikt. Bis ins hohe Alter nahm er also regen Anteil an der Diskussion um die Stadtentwicklung.

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Als Gebirgsjäger im Afrika-Korps

In einem Beitrag anlässlich seines 80. Geburtstags schrieb die Heimatzeitung, wie sehr sein Herz an Wasserburg hänge, „wo es so schön wie nirgendwo auf der Welt ist“. 2016 wurde er vom Alpenverein für „unglaubliche 80 Jahre“ Mitgliedschaft geehrt. Otto Maier - ein Wasserburger, der Treue hält. Zunächst verlief sein Leben in normalen Bahnen: Volksschule, Realschule, danach, in den Jahren 1937 und 1938, Zimmererlehre, anschließend Studium im Fach Hochbau der Staatsbauschule München. Doch bald wurde er zum Pflichtarbeitsdienst geholt, danach war er bei den Gebirgsjägern. Seine Kompanie wurde als einzige gebirglerische Einheit ausgerechnet dem Afrika-Korps zugeteilt.

Noch im hohen Alter mit Kajak unterwegs

Am 20. Juli 1945 sei er trotz dreimaliger Verwundung wohlbehalten in Wasserburg angekommen, hielt er seinen 2016 verfassten Erinnerungen fest. Zu lesen ist darin auch, wie er beim Besuch im Kuhstall eines mit ihm zusammen entlassenen Kameraden seine spätere Frau Blanda kennengelernt hat, ein Flüchtlingsmädel. „Es war mit den Eltern und Verwandten vor den Russen über Prag nach Bayern geflüchtet. In Plattling wurde der Flüchtlingszug von amerikanischen Bombern angegriffen.“ Nur durch einen Zufall überlebte Blanda. Es war, so Maier, eine glückliche Ehe, die 64 Jahre dauerte. Selbst im hohen Alter trieb der Ofo noch Sport, paddelte im Kajak durch bayerische Gewässer, kletterte auf Berge. Und im Wohnmobil reiste er durch Europa. Die letzten Jahre lebte er zurückgezogen in seiner Wohnung in der Salzsenderzeile.

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