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Wunsch von Eltern, Schülern und Lehrern erfüllt

Wasserburger Stadtrat schafft Luftreiniger für Klassen und Kita-Räume an – Skepsis bleibt

Ob die Luftreinigungsgeräte etwas bringen, ist nach wie vor nicht klar. Die Regierung fördert aber die Anschaffung für Schul- und Kitaräume und die Kommunen sind zum Handeln gezwungen. Wasserburg schafft die Geräte nun an – trotz aller Skepsis.
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Ob die Luftreinigungsgeräte etwas bringen, ist nach wie vor nicht klar. Die Regierung fördert aber die Anschaffung für Schul- und Kitaräume und die Kommunen sind zum Handeln gezwungen. Wasserburg schafft die Geräte nun an – trotz aller Skepsis.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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Ein aufwühlendes Thema, zu dem es bis dato nur unausgegorene Erkenntnisse der Wissenschaft und spärliche Informationen der Bayerischen Staatsregierung gibt, hatte der Stadtrat am Donnerstagabend wieder auf dem Tablett: Luftreinigungsgeräte für Schulen und Kindergärten. Sie werden angeschafft - trotz aller Skepsis.

Wasserburg – Mit 14:9 Stimmen wird die Verwaltung beauftragt, mithilfe eines Fachbüros, eine Ausschreibung für die Anschaffung der Geräte zu machen. Dabei will man sich mit dem Landkreis absprechen, denn der schafft insgesamt für seine Schulen für über 3 Millionen Euro Luftreiniger an, so Bürgermeister Michael Kölbl (SPD).

Schon der Haupt- und Finanzausschuss hatte sich kürzlich in einer emotionalen Debatte mit dem Thema, das gerade alle Kommunen auf Trab hält, auseinanderzusetzen.

Wie viel Lärm ist zumutbar?

Noch immer ist unklar: Bringen die Dinger das, was sie können sollen? Sichern die Geräte den Präsenzunterricht? Helfen sie bei hochansteckenden Varianten? Sind die Luftreiniger überhaupt lieferbar, wenn die Schule beginnt? Sind die im Herbst auch noch die richtige Wahl? Sind der Lärm und der kalte Luftzug, den die Reiniger verursachen, den Kindern zuzumuten?

Dennoch: Der Wunsch nach den Geräten von Schulleitungen, Schülern und Elternschaft sei inzwischen geschlossen zu vernehmen. „Besser, als gar nichts zu haben“ laute der Tenor, so Kölbl.

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Zähneknirschend und mit bleibender Skepsis hat der Stadtrat mehrheitlich beschlossen, Luftreiniger für die Schulen und Kindergärten anzuschaffen, „den Kindern zuliebe“. Ob das Leasen, Mieten oder Kaufen heißt, wird sich erst noch rausstellen.

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„Im Moment ist Leasen uninteressant“, sagte Kölbl in der Sitzung in der Aula der Mittelschule.

Er fasste zusammen: Eine Maßnahme gegen die Übertragung des SARS-CoV-2-Virus in Innenräumen ist eine regelmäßige Frischluftzufuhr, weil dabei die Aerosolkonzentration im Raum gesenkt wird. Stoß- und Querlüften wird auch mit den Luftreinigungsgeräten, die die Aerosole reduzieren sollen, weiterhin nötig sein, so Kölbl. Bis vor Kurzem hatte sich die Stadt an die Empfehlung des Umweltbundesamtes gehalten: Lüften vor Geräten.

Hohe jährliche Folgekosten

Nun scheint es, dass die Regierung bis Herbst möglichst in allen Klassen- und Fachräumen (und Kita-Räumen) Luftreinigungsgeräte oder feste Anlagen installiert haben will, so der Bürgermeister. Der Freistaat fördert die Beschaffungskosten mit bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben (höchstens aber 1750 Euro je Raum und Gerät).

Mittelschule hat moderne Anlage

Die Mittelschule hat eine fest installierte Anlage, hier gibt es keinen Bedarf. Für die Grundschule am Gries braucht es 16 Geräte (vermutlicher Anschaffungspreis: 56 000 Euro), in Reitmehring sind 12 Luftreiniger (42 000 Euro) gefragt. Und für die Kindertagesstätten wird ebenfalls mit 12 Geräten gerechnet (42 000 Euro). Da die Luftreinigungsgeräte von Fachpersonal gewartet werden müssen, rechnet Stadtkämmerer Konrad Doser mit jährlichen Folgekosten von insgesamt 35 000 Euro.

Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD) sagte, alle Kommunen seien sauer auf die Staatsregierung und die Machart dieses „Förderprogramms“. Man habe keine Garantie, ob die Schulen nicht schon wieder zu seien, wenn die Geräte kommen. „Derzeit ist unklar, ob nicht die Schulen zubleiben müssen, die keine Geräte angeschafft haben. Dann sind die die Dummen, die sich dagegen entschieden haben“, so Gartner.

PV-Anlagen zur Kompensation?

Christian Flemisch (ödp) sprach die Klimakrise an, die man auch zu bewältigen habe und ging auf den Stromverbrauch der Geräte ein. Er führte eine Beispielrechnung mit „Graustrom“ an. So verbrauche ein Lüfter auf Stufe 1 jährlich 65 kWh und produziere 24,7 Kilo CO2. Er erklärte, eine gesunde ausgewachsene Buche binde jährlich 12,5 Kilo CO2. Zur Kompensation bräuchte man also je Luftreiniger zwei Buchen – insgesamt also 80 Buchen. Er schlug vor, der Energiedialog möge prüfen, ob man PV-Anlagen auf die Schuldächer aus Ausgleich installieren könnte. Bürgermeister Kölbl wies darauf hin, dass die Schulgebäude ohnehin mit klimaneutralem Strom versorgt werden.

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Friederike Kayser-Büker (SPD) sagte, „wir finanzieren einen Wahlkampf-Gag des Herrn Söder“. Ihr wäre es lieber, wenn Impfbusse vor den Schulen bereit stünden. Den Weg der Ausschreibung findet sie gut, damit die Politik nicht in „die nächste Masken-Affäre“ gerate.

Einigen fehlt nach wie vor Klarheit

Chris Peiker (LLW) plädiert für das „Team safe“ und sagte, „wir als Stadtrat lassen die Schulen nicht allein“.

Georg Machl (CSU) stellte die Frage: Nutzen die Geräte was, oder schaden sie vielleicht sogar? Er sprach von einem Placebobeschluss der Regierung. Edith Stürmlinger (BF, Dritte Bürgermeisterin) wünschte sich eine nachhaltige Lösung. „Dadurch dass Eltern und beide Schulleitungen es sich nun wünschen, tun wir uns leichter“, sagte Heike Maas (CSU). Bei seinem Nein blieb Wolfgang Janeczka (SPD), ihm fehle die Klarheit. „Auch wenn ich den Wunsch nach Präsenzunterricht als Lehrer verstehe.“ Wolfgang Schmid (CSU) ärgerte sich, weil man gezwungen sei, jetzt etwas zu beschließen, von dem man nicht weiß, wann es kommt und ob man dann nicht doch was ganz anderes braucht.

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