Ab 22. Februar: Wechsel- statt Distanzunterricht an Bayerns Schulen

Wasserburger Schüler entsetzt über neue Regeln: „Wir fühlen uns wie Versuchskaninchen“

Luca Fischer aus Soyen ist Schüler an der FOS/BOS Wasserburg
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Luca Fischer steht hinter dem digitalen Schülerstreik an der FOS/BOS Wasserburg. Er und seine Mitschüler wollen den Distanzunterricht nicht absetzen.
  • Marina Birkhof
    vonMarina Birkhof
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Die von der Regierung kürzlich beschlossenen Regelungen für die Schulen im Freistaat lösen bei den Wasserburger Abschlussschülern Fassungslosigkeit aus. Dass der Wechselunterricht weitergeführt werden und der Distanzunterricht damit passé sein soll - ein „Schlag ins Gesicht“.

Wasserburg - „Wir sind alle ziemlich entsetzt, sprachlos und darüber hinaus maßlos enttäuscht über Kultusminister Michael Piazolo. Er hatte ein Jahr Zeit das Abitur anzupassen und ein an Corona angepasstes Konzept vorzulegen - passiert ist nichts“, mahnt Luca Fischer, der die 13. Klasse an der BOS Wasserburg besucht.

„Wir fühlen uns ignoriert und nicht gehört, sind mit unserem Kultusminister überhaupt nicht mehr zufrieden. Meiner Meinung nach wäre es an der Zeit für einen Amtswechsel und eine Bildungspolitik, die uns Schülern in der Pandemie wirklich weiterhilft.“

Neue Schul-Maßnahmen: „Vollkommen widersprüchlich zu den übrigen Regelungen“

Der jüngste Beschluss zu den Schulen sorgt bei den Schülern für Kopfschütteln: Ab dem 22. Februar wird der Präsenzunterricht an bayerischen Schulen teilweise fortgesetzt. Neben den Grundschulen gilt das auch für die Abschlussklassen an Gymnasien und FOS/BOS, an Realschulen (10. Klasse) und Mittelschulen (9. und 10. Klasse). Allerdings ist diese neue Regelung an die Inzidenz-Werte geknüpft: Nur in den Kommunen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 liegt, findet der Unterricht im Wechsel vor Ort statt.

„Das ist vollkommen widersprüchlich zu den übrigen Regelungen. Der Lockdown ist größtenteils bis 7. März verlängert und wir erwachsenen Schüler sollen wieder in den Wechselunterricht gehen. Wie passt das zusammen?“, fragt sich Luca. „Geschäfte, in denen die Kunden eine Viertelstunde einkaufen, dürfen nicht öffnen, wir aber sollen sechs Stunden lang auf kleinem Raum mit vielen Personen im Unterricht sitzen - das macht einfach keinen Sinn. Wir fühlen uns wie Versuchskaninchen.

Dass der Schulbetrieb parallel begleitet werden soll mit strengen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen sowie Maskenpflicht und Testkonzepten sieht der 20-Jährige eher skeptisch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so reibungslos funktioniert, wie sich die Regierung das vorstellt. Maske tragen ist klar und auch sinnvoll, aber wie soll das mit den Tests klappen? Das ist ein extremer Aufwand und darüber hinaus auch eine enorme Umweltverschmutzung wenn es danach ans Entsorgen geht. Dazu kommt die Frage, ob es überhaupt genügend Kapazitäten gibt, dass wir alle von medizinischem Personal getestet werden können.“

Wechselunterricht hatten die Schüler der FOS/BOS Wasserburg nun schon ein paar Tage: „Es funktioniert nur leider nichts richtig“, betont Luca in Bezug auf die technischen Probleme, die das Schuljahr seit Corona begleiten. Mittlerweile wehren sich immer mehr Schüler gegen die Maßnahmen der Bildungspolitik in der Corona-Pandemie. Die Klassensprecher von der FOS/BOS Altötting starteten gar eine Petition gegen den Wechselunterricht.

„Ein Streik darf niemals Konsequenzen nach sich ziehen“

Für den Distanzunterricht sprechen wohl viele Gründe - gerade in den Abschlussklassen, da sind auch Luca Fischer und seine Mitschüler überzeugt. Sie entschlossen sich daher am 4. und 5. Februar in einen digitalen Schülerstreik zu treten, um sich Gehör zu zu verschaffen. Die Schüler waren allerdings im Distanzunterricht anwesend, boykottierten lediglich den Präsenzunterricht an der Wasserburger Schule im unteren Burgerfeld.

Weitere Streiks seien derzeit allerdings nicht geplant, fährt Luca fort: „Uns werden sonst Fehltage eingetragen und so gefährden wir nur unser Abitur. Es ist auch schwierig, genügend Teilnehmer zu finden. Viele lernen lieber anstatt sich dem Boykott anzuschließen. Oder sie beteiligen sich gar nicht, weil sie Sanktionen in Form von Verweisen fürchten. Dabei darf ein Streik niemals Konsequenzen nach sich ziehen. Gerade nicht gegen junge Menschen, da dadurch ihre Bereitschaft demokratische Mittel einzusetzen sinkt und damit auch das Vertrauen in die Demokratie.“

Druckabfall und Verschnaufpausen für die Schüler nicht in Sicht

Die Schüler sehen sich zudem einem gefühlt immer größer werdenden Druck ausgesetzt, der Spuren hinterlasse. Der Tagesablauf eines Abschlussschülers setze sich aus Unterricht am Vormittag sowie lernen am Nachmittag und Abend zusammen. „Es stehen bis Ostern noch sehr viele Klausuren an - mündlich wie schriftlich.“ Von Druckabfall könne keine Rede sein. Verschnaufpausen? Fehlanzeige.

Nun fallen auch noch die Faschingsferien aus. „Die hätten wir bitter nötig gehabt, um uns wenigstens ein bisserl erholen zu können - oder noch unsicheren Stoff zu wiederholen und zu üben. Die Leistung, die Bayerns Abschlussschüler bringen müssen, ist ja ohnehin schon sehr hoch angesetzt und der Druck steigt weiter. „Unverständlich für uns und eine massive Belastungsprobe“, resigniert Luca.

Ein positives Signal in den Augen Fischers sei hingegen, dass die Kindergartenkinder und Grundschüler nun wieder vor Ort betreut und unterrichtet werden können. Dennoch, und damit schließt der Soyener seine Erklärungen: Die Infektionszahlen seien bei Weitem noch nicht auf einem Niveau angekommen, an dem eine Schulöffnung so wie sie nun beschlossen wurde vertretbar sei.

mb

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