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Geschäftsleitung: „Manteltarif nicht passgenau genug“

Wasserburger Recipharm Mitarbeiter fordern mit Streik Tarifvertrag ein

Ein neues Eingruppierungsverfahren forderte Betriebsvorsitzender von Recipharm Wasserburg Thomas Rappensberger in seiner Rede vor den streikenden Mitarbeitern.
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Ein neues Eingruppierungsverfahren forderte Betriebsvorsitzender von Recipharm Wasserburg Thomas Rappensberger in seiner Rede vor den streikenden Mitarbeitern.
  • VonKarheinz Rieger
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Seit knapp einem Jahr fordern die Mitarbeiter des Arzneimittelwerkes Recipharm einen Tarifvertrag für den Standort Wasserburg. Nun unterstrichen knapp 100 Mitarbeiter die Forderungen mit einem Streik. Der Geschäftsführung schwebt eine andere Lösung vor.

Wasserburg – Seit knapp einem Jahr versuchen die Mitarbeiter des örtlichen Arzneimittelwerkes Recipharm, einen eigenen, für den Standort Wasserburg geltenden Tarifvertrag durchzusetzen. Gemeinsam mit Vertretern der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie - Bezirk München, unterstrichen etwas über 100 Mitarbeitende des Betriebes am Freitag durch einen zweistündigen Warnstreik die Dringlichkeit ihrer Forderungen. Unterstützt wurden sie dabei auch von Vertreter des DGB Rosenheim und Nachbarbetrieben.

„Vertrag nach 47 Jahren überfällig“

Ordentliche Eingruppierungen, Entgelte, wie im Bereich des Tarifvertrages ‚Chemie Fläche Bayern‘, sowie ein gesichertes tarifliches Weihnachts- und Urlaubsgeld standen im Katalog der Forderungen, die zu Beginn des Warnstreiks gebündelt von Dr. Stefan Plenk, Verhandlungsführer und Gewerkschaftssekretär der IG BCE, vorgetragen wurden, dabei ganz oben. Nach 47 Jahren des Bestehens von Recipharm in Wasserburg sei dies überfällig, stellte er fest. „Unseren Forderungen bleiben wir treu,“ betonte er zudem. Denn der Arbeitgeber bestehe weiterhin auf einem, aus Sicht der Mitarbeiter, intransparenten und ungerechten Zulagensystem und möchte offenbar die Eingruppierungen zu Lasten der Mitarbeiter so niedrig wie möglich halten.

Vertrag liegt zur Unterschrift bereit

Mit dem Warnstreik wolle man deutlich machen: „Wir können und wollen das so nicht weiter akzeptieren.“ Mit einem ‚Zuckerl‘ wolle man sich nicht mehr zufriedengeben, die Basis müsse stimmen. Deshalb streike man jetzt auch, da nur ein Tarifvertrag eine ordentliche Bezahlung und letztlich Gerechtigkeit bei der Einstufung schaffen könne. „Wir wollen kein ‚Weiter so!‘ mehr, war der Grundtenor.

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Die meisten Unternehmen im Pharmabereich würden bereits nach Tarif zahlen, es herrsche Unverständnis darüber, dass dies ausgerechnet in Wasserburg nicht möglich sein solle. Der Geschäftsleitung hielt Plenk vor, viel zu reden aber nichts zu sagen. Der Tarifvertrag läge eigentlich zur Unterschrift bereit.

Kritik an Einstufungspraxis

Betriebsratsvorsitzender Thomas Rappensperger bezeichnete das bisherige Verhandeln als Kasperletheater. Es würde von Arbeitgeberseite auf Zeit gespielt. Reförmchen seien aber nicht mehr im Sinne der Belegschaft, die nach Qualifikation und nicht ‚nach Nase‘ eingestuft werden möchte. Zu viele Mitarbeiter würden in der untersten Eingruppierungsstufe arbeiten. Man sei aber nicht deshalb da, um der Firma zu schaden, sondern den Verantwortlichen zu zeigen, dass etwas passieren müsse, denn ein vernünftiges Tarifsystem sichere auch die Zukunft des Unternehmens.

Sein Stellvertreter Walter Schleich bemängelte ebenfalls die bisherige Einstufungspraxis, bei der zu viele Mitarbeiter ohne Möglichkeit, Zulagen zu bekommen, in der untersten Qualifikationsebene, die der angelernten Hilfskräfte, verblieben wären. Man brauche obendrein in Zukunft zusätzliche, qualifizierte Mitarbeiter. Mit einem Haustarifvertrag könne man die leichter gewinnen. Einen solchen gebe es doch auch schon bei den Schwesterunternehmen in Monheim und Zwickau. Die Geschäftsleitung forderte er schließlich auf, herauszukommen und endlich den vorliegenden Tarifvertrag zu unterschreiben.

Arbeitnehmer zeigen gelbe Karte

Der Regionalgeschäftsführer des DGB, Günter Zellner, erinnerte seinerseits daran, wie wichtig Wertschätzung sei. Diese zeige sich aber nicht nur durch schöne Worte, sondern auch durch mehr Geld im Geldbeutel und er kündigte an: „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“ Zudem mahnte er den Zusammenhalt aller Mitarbeiter an.

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Josef Plenk forderte am Schluss des Warnstreiks, die Forderungen ernst zu nehmen. Zu 100 Prozent wolle man die Entgelthöhe gemäß dem Tarifvertrag ‚Chemie Fläche Bayern‘ als Beitrag zur Lohngerechtigkeit angepasst sehen. Ein Haustarifvertrag müsse als Zeichen der aktiven Mitbestimmung endlich unterschrieben werden.

Als Zeichen der Missbilligung der bestehenden Verhältnisse zeigten die streikenden Mitarbeiter wegen des bisherigen, als unfair empfundenen ‚Spiels‘ der Geschäftsführung symbolisch auch noch die ‚Gelbe Karte‘.

Geschäftsleitung: „Manteltarifvertrag ist nicht passgenau genug für Wasserburg“

Recipharm-Geschäftsführer Michael Isele zeigte sich vom Warnstreik nicht überrascht. Ein solcher habe sich abgezeichnet, gehöre quasi zum Standard gewerkschaftlicher Maßnahmen bei Verhandlungen.

Als neu bezeichnete er aber, dass von der IG BCE jetzt ein Pharmaunternehmen bestreikt worden sei. Die Durchsetzung eines Manteltarifvertrages in der Fläche, wie von Seiten der Gewerkschaft angestrebt, sei aber nicht passgenau genug für den Standort Wasserburg umzusetzen. Die gewünschten Einstufungen zwischen E1 – E13 würden den ausgeübten Tätigkeiten vor Ort nicht gerecht. Dazu bräuchte es einen speziell auf die Verhältnisse vor Ort zugeschnitten Haustarifvertrag, vor allem wenn es um Qualifikationszulagen und deren Nachweise gehe. Daraus resultiere auch der Wunsch der Geschäftsleitung, die Einstellungsqualifikationen individuell für den Standort anzupassen.

Vorschläge lägen vor, seien aber bisher immer ab-gelehnt worden. Auch eine klare Schichtregelung stehe noch an.

In dieser verfahrenen Situation sei man aufseiten der Geschäftsleitung zu weiteren Gesprächen und Verhandlungen bereit, aber auch für kreative Lösungen mit Unterstützung von außen offen.

Isele sprach sich in diesem Zusammenhang eindeutig für einen passenden Haustarifvertrag für den Wasserburg aus, der Unstimmigkeiten auf einen Schlag beseitigen könne, mahnte aber auch die Verlässlichkeit bei den Verhandlungspartnern an.

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