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Spolie am Roten Turm fasziniert Passanten

Wasserburg rätselt über mysteriöses historisches Bauteil

Diese Spolie am Eck des Roten Turms bringt viele Menschen zum Grübeln.
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Diese Spolie am Eck des Roten Turms bringt viele Menschen zum Grübeln.

Wie viele Fußgänger oder Autofahrer mögen wohl im Lauf der letzten beiden Jahre schon an diesem „Eckstein“ in der Durchfahrt des Roten Turms am westlichen Pfeiler der Stadt zugewandten Seite vorbeigekommen sein, ohne sich Gedanken über die rätselhafte Vertiefung in seiner Mitte gemacht zu haben?

Wasserburg – Auch der Verfasser dieses Textes wurde erst durch Clement Stechl darauf aufmerksam gemacht. Der vermutlich quadratische Block mit einem Meter Seitenlänge (ein kleiner Teil reicht unter die Pflasterung) und einer Stärke von 29 Zentimetern besitzt in der Mitte eine Aussparung von 37 auf 28 Zentimetern bei 6 Zentimetern Tiefe. Die Beprobung und Bestimmung des Steins durch einen Geologen weist auf einen Forellenmarmor hin, wie er in den Steinbrüchen an der Nordseite des Untersbergs gewonnen wurde und noch immer abgebaut wird.

Zugehörigkeit zu Stadttor ausgeschlossen

Gegen die Annahme, es könnte sich um das Widerlager eines Sperrriegels für das vor 1415 erbaute Stadttor handeln, sprechen mehrere Gründe, etwa die geringe Höhe über dem Bodenniveau (auch wenn man annimmt, dass dieses früher tiefer lag), die Maße der Vertiefung, die für einen Schubriegel aus Holz wohl zu groß wären, das Fehlen eines Gegenstücks, in dem der Riegel in seiner gesamten Länge Platz gehabt haben müsste, sowie die Lage auf der Innenseite des Turmes (in der Regel würde das Tor auf der Außenseite der Durchfahrt sein).

Herkunft ist unklar

In diesem Zustand war die Spolie 2020, bei der Freilegung, vorzufinden.

Aufnahmen während der Freilegung zeigen, dass die pfeilerartigen Vorsprünge in der Tordurchfahrt an der Außenseite von Grund auf mit Findlingssteinen gemauert und mit der Wand verzahnt sind und somit aus der Erbauungszeit stammen. Demgegenüber sind die Pfeiler auf der Innenseite des Tores später vorgesetzt worden und ihr Ziegelmauerwerk für den Torbogen ruht auf schweren Steinblöcken, die zusätzlich durch Eisenhaken mit der Bruchsteinmauer verankert sind.

Vermutlich wurde 1840 bei der Erweiterung und Erhöhung der Durchfahrt der stadtseitige Bogen auf solch stabile Blöcke gesetzt und verputzt. Aus welchem mittelalterlichen Bauwerk die Spolie (= aus anderen Gebäuden wiederverwendetes Bauteil) stammt, lässt sich nicht mehr ermitteln. Da die anderen „Ecksteine“ tiefe Risse und Verwitterungsspuren aufwiesen, mussten sie zum Schutz vor weiterem Zerfall wieder verputzt werden.

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Wo und wozu der Block mit der rechteckigen Vertiefung ursprünglich verwendet wurde, bleibt rätselhaft. Das Aufgehende aus schweren Balken in mittelalterlichen Bauten war in der Regel in sogenannten Schwellbalken eingezapft, doch mag es auch Ausnahmen geben. Steinsäulen auf solch einer Basis hätten vermutlich kein (so großes) Zapfloch gebraucht.

Rätselhafte Ritzen

Könnte die horizontale und vertikale Ritzung eine Hilfe für den Baumeister gewesen sein? Ein breiter roter Streifen entlang der oberen Kante, der bei der späteren Reinigung verloren gegangen ist, belegt, dass der Stein einst bemalt war, sodass die Verwendung als Sockel wiederum fraglich erscheint. Warum die Spolie mit der Vertiefung nach außen an den Turmpfeiler gesetzt wurde, bleibt das Geheimnis des Baumeisters.

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So können sich weiterhin Spekulationen um den Stein ranken, solange nicht geklärt ist, in welcher Funktion und in welchem Gebäude der Block einst verbaut war. Wie lange der Block den Einflüssen von Abgasen und Streusalz standhält, bleibt abzuwarten. Zumindest schützt ihn ein Poller aus Granit vor mechanischen Beschädigungen.

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