CSU Wasserburg zur Quotendiskussion: „Wir müssen attraktiver für Frauen werden!“

Heike Maas (hier bei ihrer Vereidigung als Stadträtin) steht für die neue Generation engagierter CSU-Politikerinnen in Wasserburg. Gerne hätten sie mehr Frauen an ihrer Seite, doch auch ihr Ortsverband hat ein Problem, weibliche Mitglieder zu gewinnen.
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Heike Maas (hier bei ihrer Vereidigung als Stadträtin) steht für die neue Generation engagierter CSU-Politikerinnen in Wasserburg. Gerne hätten sie mehr Frauen an ihrer Seite, doch auch ihr Ortsverband hat ein Problem, weibliche Mitglieder zu gewinnen.

Die CDU hat erkannt: Sie hat zu wenig weibliche Mitglieder in Führungspositionen. Ist die Frauenquote eine Lösung? Beim Parteitag soll der Knoten durchgeschlagen werden. Die Schwesterpartei CSU kennt das Problem – auch der Ortsverband Wasserburg. Dabei hatte er sogar eine Frau ins Rennen um das Bürgermeisteramt geschickt.

Von Heike Duczek

Wasserburg – CSU-Kandidatin Heike Maas hatte Michael Kölbl (SPD) nicht aus dem Chefsessel im Rathaus verdrängen können. Doch ihre Partei hat sie zur CSU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat gewählt. Die 52-Jährige ist außerdem stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes. Hier sind die Frauen klar in der Unterzahl: Sie machen nur 24 Prozent der Mitglieder aus. Auf Kreisebene und bayernweit sind es sogar nur 20 Prozent. Positive Ausnahme: der Bezirksverband Oberbayern. Der Vorstand ist zu über 50 Prozent weiblich. Folge einer Quote? Auf einen Frauenanteil von 30 Prozent hatte sich der Bezirksverband festgelegt.

Starke Frauen als Vorbilder wirken

Dass hier Frauen eine große Rolle spielen, liegt nach Überzeugung von Maas jedoch auch an einer vorbildlichen Persönlichkeit: Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Die damalige Sozialministerin Christa Stewens hatte bei Maas den Ausschlag dafür gegeben, der Partei beizutreten. „Wow, dachte ich damals, als ich Christa Stewens kennenlernte – so eine starke Frau“, erinnert sich die CSU-Fraktionsvorsitzende von Wasserburg. Es brauche Vorbilder wie die Europaabgeordnete Angelika Niebler, „die Königin der Politikerinnen, die Frauen stark macht“, damit es ihnen Frauen nachmachen, ist Maas aus eigener Erfahrung überzeugt. Sie weiß: „Es gibt viele, die politisch und gesellschaftlich wirken, die sich gerne und intensiv für eine Sache einsetzen.“ Nur diesen vorpolitischen Raum würden die meisten leider nicht verlassen, vor der Bindung an eine Partei zurückschrecken.

Auch Maas hat im vorpolitischen Bereich angefangen: als Elternbeiratsvorsitzende. Hier war sie sogar stellvertretende Landeschefin. Ein Mentorinnenprogramm der CSU überzeugte sie schließlich, sich auch parteipolitisch zu engagieren. Denn: „Demokratie braucht die politische Meinungsbildung. Und die Basis dafür stellen die Parteien.“

Hier sollten sich Frauen nach ihrer Meinung viel mehr ein- und viel mehr mitmischen. „Politik ist kein Männerthema. Wir brauchen mehr weibliche Mitglieder, denn ihre Sicht auf die Welt ist oft eine andere.“

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Die Grande Dame der CDU, Rita Süssmuth, hatte während der Diskussionen um die Frauenquote bei der CDU dieser Tage bemängelt, weibliche Mitglieder würden in der Partei nach wie vor oft vor allem zum „Schnittchen schmieren“ benötigt. „Das habe ich bei der CSU noch nie erlebt“, sagt Maas, „hier wird jeder wertgeschätzt, bringen sich Frauen und Männer gleichberechtigt nebeneinander ein.“. Für den Ortsverband Wasserburg, in dem sie seit dreieinhalb Jahren aktiv ist, sagt sie: „Wer bei uns was werden will, schafft es in die notwendigen Positionen. Ich bin das beste Beispiel.“

Das verspricht auch Vorsitzender Wolfgang Schmid. „Frauen stehen alle Türen offen. Wer was kann und sich einbringen mag, der wird was. Wir tun alles dafür, dass Positionen von interessierten Frauen besetzt werden.“ Wobei Schmid Wert auf die Feststellung legt: „Wir wollen keine Quotenfrauen, denn das wollen Frauen auch nicht sein. Heike Maas war unsere Bürgermeisterkandidatin, weil sie`s draufhat.“

„Nimbus des traditionellen Tuntenhausener Männervereins“?

Der CSU-Vorsitzende von Wasserburg stellt jedoch bedauernd fest, dass es der Partei schwerfällt, Frauen zu gewinnen. „Wenn ich wüsste, warum das so ist, könnte ich gegensteuern“, sagt er. Politik sei auch ein bisschen eine Modeerscheinung, findet Schmid. Und in Mode seien derzeit die Grünen. Am CSU-Programm kann es nach seiner Erfahrung nicht liegen: Es biete schließlich viele Themen, die Frauen besonders interessieren würden. „Vielleicht haben wir nach wie vor – unberechtigterweise – den Nimbus des traditionellen Tuntenhausener Männervereins“, wagt Schmid schmunzelnd eine „rein private Analyse“. Manchmal komme die Partei vielleicht nach wie vor etwas altbacken rüber. „Wir müssen schauen, dass wir attraktiver für Frauen werden. Nur wie?“, zeigt der Vorsitzende offen, dass er etwas ratlos ist.

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So ergeht es auch einer der ersten großen Frau in der Wasserburger Stadtpolitik: Elisabeth Fischer. Sie ist seit 1996 im Stadtrat, war Vorsitzende von Ortsverband und Fraktion, stellvertretende Vorsitzende auf Kreisebene, jahrelang Kindergarten- und Schulreferentin des Stadtrates. Warum sich die Partei bis heute hart tue, Frauen zu motivieren? „Ich weiß es einfach nicht.“ Sie vermutet jedoch, dass es überall leichter ist als in einer konservativen Partei. „Wie es geht, „das machen uns die Grünen vor“.

„Wir brauchen den weiblichen Input“

Trotzdem lehnt auch Fischer, seit Ende der 80er Jahre politisch aktiv, eine Frauenquote ab. Frauen könnten es schaffen, so wie Männer – „mit Fachwissen, Sachlichkeit, Kompetenz“, ist sie überzeugt. Doch politisches Engagement brauche viel Zeit, diese hätten viele Frauen nicht. Viele schrecken nach Erfahrung von Maas auch davor zurück, sich parteipolitisch festzulegen.

Sie appelliert trotzdem an die Wasserburgerinnen: „Wir brauchen den weiblichen Input. Wir sind offen für Interessierte und bieten unter anderem die Mitarbeit in unseren Strategiesitzungen an. Bitte kommt und bringt Euch ein, wagt den Schritt in die Politik.“

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