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Figur des Marienbrunnens beim Restaurator

Die „Unbefleckte“ ist in der Werkstatt: Wasserburger Marienstatue bekommt neues Blattgold

Blatt Feingold und danach die Versäuberung: Selbst für Armin Göttler ist diese Dimension eine nicht alltägliche Arbeit.
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Blatt Feingold und danach die Versäuberung: Selbst für Armin Göttler ist diese Dimension eine nicht alltägliche Arbeit.

Bald wird sie wieder der Blickfang sein, die frisch vergoldete Maria Immaculata auf dem Marienbrunnen am Marienplatz. In den vergangenen vier Monaten hatte die „Unbefleckte“ (das bedeutet der Name) eine „Frischzellenkur“ bekommen: eine Restaurierung.

Von Thomas Rothmaier

Wasserburg – Die Restaurierung war dringend nötig. Denn unschöne Flechten und natürliche Witterungseinflüsse hatten ihr arg zugesetzt. Ein Blick in die Werkstätte des Restaurators gibt Aufschlüsse über die umfangreichen Arbeiten. Ein „prachtvolles“ Erlebnis.

300 Kilo schwere Figur vom Bauhof abtransportiert

Ende April dieses Jahres wurde sie abtransportiert, die Immaculata – der thronende Inbegriff des Marienbrunnens. Mit schwerem Gerät des städtischen Bauhofs, geradewegs in die Werkstätte von Diplom-Restaurator Armin Göttler. Und alleine diese Aktion war bereits ein erstes Erlebnis, wie alle Beteiligten versichern. Die insgesamt 300 Kilogramm schwere Masse unbeschädigt von Ort zu Ort zu verbringen glich einer Herausforderung, wie Armin Göttler resümiert.

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Seitdem ist viel passiert. Die Immaculata erstrahlt wieder in neuem Glanze, aktuell noch in seiner Werkstätte im Bruck-Bräu-Areal.

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Immaculata? Patrona? Maria? Um Irritationen zu vermeiden, sollte natürlich vordergründig der Typus der Maria bestimmt werden. Und jetzt wird es schwierig. Armin Göttler hadert, was hier die Carolinenhütte zu Achenthal im Jahr 1861 gegossen hatte. Auf alle Fälle ein Guss, der anpassungsfähig war. Und dafür spricht nicht zuletzt auch das nicht nur einmalige Vorkommen dieser Arbeit im süddeutschen Raum. Man einigt sich: In Wasserburg soll sie die Immaculata (die Unbefleckte) charakterisieren. Die Lilie als Symbol der Unschuld und die nachträglich hinzugekommene Mondsichel aus Messing deuten darauf hin. Auch wenn der Strahlenkranz fehlt. Zumindest wurde das Schraubloch hierfür der Immaculata vor Jahrzehnten schon mal in den Hinterkopf gebohrt.

rosa-nobel-Doppelgold

„Rund 900 Blatt Transfergold haben wir aufgebracht, rosa-nobel-Doppelgold, 23 ¾- Karat, jeweils hauchdünne Blättchen, im Quadrat von 80 auf 80 Millimeter“,berichtet Göttler lächelnd. „Wir“, das waren er und seine fachkundige Kollegin Susanne Raffler. Mitgeholfen haben auch seine Praktikanten.

Vor dieser Feinarbeit wurde die Gussfigur von einer Spezialfirma sandgestrahlt und spritzverzinkt. Daraufhin mussten zahllose Risse und Rostnarben in der Werkstätte von Göttler gespachtelt und grundiert werden. Sodann hieß es, eine gelbe Grundierung aufzubringen. Erst danach folgte die Blattvergoldung mittels Anlageöl.

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Auch dieser Schritt hatte es in sich. Denn die filigranen Goldblättchen konnten erst jeweils kurz vor dem Trocknen der Öllasur mit einem Pinsel aufgesetzt werden. Und das erforderte Fingerspitzengefühl, so Göttler. Daher wurde an der Immaculata auch immer nur sektional gearbeitet, und das über fünf Wochen hinweg.

Blattgold kann man essen.

Eine Herausforderung war zuletzt, das Gold mittels Pinsel in die grundierten Rostnarben einzudrücken. Doch auch das glückte. Zu guter Letzt hieß es, die bearbeiteten Flächen mit einem Versäuberungspinsel zu polieren und gleichzeitig das Abkehrgold zu sammeln. „Die Goldreste kannst Du essen“, sagt Göttler schmunzelnd. Und Susanne Raffler ergänzt: „Ich verwende die Reste immer zur Verzierung von Torten“. Doch allzu schmackhaft sind sie nicht, diese Goldstücke, wie der Verfasser dieser Reportage leibhaftig feststellen musste.

Erstmals im Juli 1861 am Marienbrunnen installiert

Zuletzt wurde die Hohlgussfigur im Jahr 1992 restauriert. Damals war der Marienbrunnen nach Abschluss der Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Altstadt wieder an seine angestammte Örtlichkeit am Marienplatz zurückgekehrt, wo er samt der Immaculata erstmals im Juli 1861 installiert wurde.

Insgesamt besteht der aktuell restaurierte Brunnenaufsatz aus sechs Teilen, neben der Marienfigur noch aus fünf zugehörigen Sockelleisten. Interessant: Auf jeweils 90 Grad zur linken und rechten Seite der Immaculata ist am Sockelaufsatz der Wasserburger Löwe als Gusswappen aufgebracht, hinblickend zum Rathaus und zum früheren Amtsgericht. Auf dem Front- und Hintersockel findet man das bayerische Wappen.

Die Sockelwappen: in der Sichtachse bayrisch, links und rechts „Wasserburg“

Und um auch nachfolgenden Generationen Auskunft über diese Wasserburger Besonderheit geben zu können, wird Armin Göttler im Fortgang einen Restaurierungsplan und –bericht für die Stadtverwaltung, die Auftraggeber der Erhaltungsarbeiten ist, fertigen.

Mit Augenzwinkern bemerkt Göttler zum Schluss, dass er die Immaculata baldmöglichst wieder aus seiner Werkstätte entfernt wissen möchte. Das frisch aufgebrachte Blattgold lenke die Autofahrer, die an seinem Schaufenster vorbei kommen sehr ab.

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