Malaktion gegen Coronavirus-Tristesse bringt Farbe in die Stadt Wasserburg

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  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Sie waren ein Sinnbild für den Lockdown: die Stellwände und Litfaßsäulen, auf denen verwaschene, zerrissene und ausgebleichte Plakate Veranstaltungen anpriesen, die nicht mehr stattfinden konnten. Nun ist dieser traurige Anblick Geschichte – dank 71 junger Künstler.

Wasserburg –Sie haben die Stellwände und Säulen in bunte Kunstwerke verwandelt. Emma, sieben Jahre alt, lädt ein zum Wasserburger Maskenball. Thimo, zehn, hat die Weltkugel gemalt und fordert in dicken Buchstaben: „Zusammenhalten!“ 

Die sechsjährige Isabella hat die Wasserburger Altstadtgebäude in Hundertwasser-Häuser verwandelt – mit Palmen, die aus den Dächern wachsen. Und Benjamin, neun, schickt auf seinem Bild eine Giraffe los – das Coronavirus auffressen. 

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Einfach weiß anstreichen? Wie langweilig! 

Die neu gestalteten Plakatständer in der Altstadt sind ein Hingucker. Nachdem Kurt Himmer, der Plakatierer der Stadtverwaltung, mit seiner Arbeit fertig war, zogen die Werke die Blicke vieler Passanten auf sich. Die Altstadt als Ausstellungsplattform für junge Kreative, das kommt an. Einer der ersten Bewunderer war Bürgermeister Michael Kölbl. „Eine super Idee, diese Plakataktion“, zieht er Bilanz. Ideengeber ist Andreas Hiebl, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtverwaltung. Er störte sich in den vergangenen Wochen an den „greuselig ausschauenden Plakatwänden“. Einfach weiß anstreichen? 

Wie langweilig, dachte Hiebl, und rief die Kinder der Stadt auf, Bilder zu malen – für die Übergangszeit bis wieder hier beworbenen Konzerte, Ausstellungen und Feste stattfinden können. 

81 Bilder wurden eingereicht

Dass sich so viele Mädchen und Buben beteiligen würden, damit hatte Hiebl nicht gerechnet. Bereits wenige Tage nach Bekanntwerden der Aktion quoll der Briefkasten im Rathaus über vor Bildern. „Überwältigend“ nennt auch der Bürgermeister die Resonanz.

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 81 Werke gingen ein. Jeweils vier Din-A-4-Bilder fasste die Stadt auf einem Din-A-2-Poster zusammen. Und ließ die Werke von Plakatierer Himmer an elf Standorten verteilen – auf 16 Tafeln und drei Litfaßsäulen. Die Bilder haben trotz unterschiedlicher Motive und Maltechniken eins gemeinsam, stellen Andrea Aschauer und Carolin Meingassner von der Touristinfo fest: „Sie versprühen gute Laune.“ Die Wasserburger Kinder lassen sich anscheinend nicht unterkriegen von der Pandemie: Sie malen dagegen an – mit Mutmacher-Bildern von Regenbogen, fröhlich dreinschauenden Gestalten aus der Tierwelt und vielen Motiven aus einer Stadt, die voller Leben ist statt in der Schockstarre. 

Viele Kinder haben sich außerdem kreativ mit dem Hauptthema der Zeit, der Corona-Pandemie und ihren Folgen, auseinandergesetzt: Sie fordern auf zum Zusammenhalt, zum Durchhalten, zur Vorsicht. Sie appellieren an die Vernunft und zeigen auf, welche kleinen Freuden ihr Alltag trotz Corona hat: das Schaukeln im Garten, das Eisessen oder das Ballspielen.

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