Mit 14 schon Vizeweltmeister

Top-Segler Lukas Hesse aus Pfaffing: 21-Jähriger will bei Olympischen Spielen antreten

Der Deutsche Meister aus Pfaffing Lukas Hesse.
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Der Deutsche Meister aus Pfaffing Lukas Hesse.

Beim Ortsnamen Pfaffing denken wohl die wenigsten an den Segelsport. Doch vielleicht wird sich das ändern, schließlich ist in Pfaffing einer der beiden Deutschen Meister im 49er – der olympischen High-Performance Bootsklasse mit zwei Mann Besetzung – zuhause: Lukas Hesse (21).

Von Sophia Huber

Pfaffing– Lukas Hesse weiß ganz genau, dass nur wenige Menschen in Bayern etwas mit Segeln anfangen können. Die meisten haben nach Erfahrungen des jungen Pfaffingers falsche Vorstellungen vom Segelsport. „Die Leute denken da eher an einen entspannten Ausflug auf dem Chiemsee und danach gibt es noch einen Wein. Dabei ist es ein Hochleistungssport.“

Für den Erfolg viel Erfahrung notwendig

Damit ist er inzwischen so erfolgreich ist, dass der Traum von Olympia in greifbare Nähe rückt. „Wir trainieren für die Olympischen Spiele 2024 und 2028“, erzählt er. Mit „wir“ meint er sich selbst und seinen Segelpartner Luca Schneider aus Gaienhofen am Bodensee.

Segeln als Hochleistungsport: Lukas Hesse (hinten, als Steuermann) gemeinsam mit seinem Segelpartner Luca Schneider auf einem 49er, der olympischen Bootsklasse mit zwei Mann Besetzung.

„2024 wird natürlich hart.“ Denn nur ein einziges deutsches Team habe die Chance, im 49er in Olympia anzutreten. Außerdem seien die meisten Segler im Durchschnitt 28, also deutlich älter als der 21-Jährige. „Für das Segeln braucht man einfach sehr viel Erfahrung. Das könnte ein Ingenieur-Studiengang sein. Da geht es um die Physik vom Wind, die Wassertemperatur und das Material. Das alles spürt man erst mit der Erfahrung.“

Mit 14 schon Vizeweltmeister

Zum Segeln selbst ist er über Freunde seiner Eltern gekommen. Diese hatten einen Katamaran am Chiemsee, den er als kleines Kind ausprobieren durfte. Mit sechs Jahren ging es dann zum Seebrucker Regatta -Verein am Chiemsee. Mit 14 Jahren kam der erste Erfolg als Vizeweltmeister im Optimist, seitdem ging es steil bergauf bis zur Deutschen Meisterschaft in diesem Jahr.

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Hesse „studiert“ aber nicht nur das Segeln. „Man braucht natürlich einen zweiten Weg“, sagt er, „falls das mit Olympia aus irgendeinem Grund nicht klappt.“ Deshalb ist er auch an der Technischen Hochschule Rosenheim eingeschrieben und studiert dort Innenausbau. „Ein sehr spannender Studiengang“, erzählt er. Sein Vater ist Schreiner, „deshalb bin ich darauf gekommen.“

Gleichzeitig studieren und im Sport tätig sein, das erfordere viel Disziplin. Doch damit hat Hesse kein Problem. „Durch das Segeln habe ich gelernt, mich auf die Sachen zu konzentrieren, die anstehen. Ob das jetzt ein Wettkampf ist oder eine Prüfung.“

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So habe er das auch schon in der Schule gehandhabt. „Meine Eltern haben mich immer unterstützt, was das Segeln angeht – solange die Schule gepasst hat“, so Hesse.

Vor allem in der letzten Schulwoche vor den Ferien habe er oft gefehlt. „Wie oft ich mein Zeugnis selbst abgeholt habe, kann ich an einer Hand abzählen“, erzählt er und lacht. Meistens sei er da schon in Kiel gewesen, seiner zweiten Heimat. „Hier ist der Olympia-Stützpunkt für das Deutsche Segeln, zum Training bin ich deshalb immer hier.“ So auch im Moment. „Corona hat mir ziemlich in die Hände gespielt. Dadurch konnte ich viel mehr trainieren“, sagt Hesse, auch weil das Studium im Moment online ablaufe.

Sportler wohnt als Dauercamper in Kiel

Inzwischen wohnt er sogar zeitweise in Kiel. Aber nicht in einer Wohnung, sondern in einem umgebauten Dauercamper. „Der ist aus den 90ern, den haben wir gekauft und mein Vater hat den dann komplett erneuert.“

Angewiesen auf Sponsoren

Der Wohnwagen sei einfach günstiger als eine Wohnung. „Ich bin Student. Ich habe natürlich nicht so viel Geld.“ Und: „Segeln ist teuer. Wir sind auf Sponsoren angewiesen, aber viele sehen Segeln als Randsportart an und investieren deshalb nicht.“

Doch Hesse würde sich keine andere Wohnart mehr wünschen. „Der Camper ist wirklich schön geworden. Es ist sehr gemütlich. Ich habe hier alles, was ich brauche.“

Dann bleibt nur noch zu hoffen, dass dieser Dauercamper 2024 umziehen darf, von Kiel nach Paris.

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