Wann ist es Kunst?

„Legales Graffiti ist Graffiti“: Künstler Maurice Bogdanksi sprüht an der Essig-Fabrik in Wasserburg

Seit er 14 ist, widmet sich der Wasserburger Künstler Maurice Bogdanski dem Graffiti.
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Seit er 14 ist, widmet sich der Wasserburger Künstler Maurice Bogdanski dem Graffiti.
  • Sophia Huber
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Wann ist Graffiti Kunst? Nur wenn heimlich gesprüht wird oder auch dann, wenn Künstler legal kreativ werden? Der Wasserburger Künstler Maurice Bogdanski begegnet der Debatte mit einer klaren Aussage: „Graffiti ist auch auf legalen Flächen noch Graffiti.“

Wasserburg – Im Wasserburger Stadtrat hat das Thema lange Diskussionen ausgelöst. Ist es Graffiti, wenn Künstler legal kreativ werden, für den Künstler Maurice Bogdanski ist das kein Thema. Der 34-Jährige sprüht seit seiner Jugend und begegnet der Debatte mit einer klaren Aussage: „Graffiti ist auch auf legalen Flächen noch Graffiti.“

Der Wasserburger widmet sich der Kunstform, seit er etwa 14 Jahre alt ist, und hat sein ganzes Leben nur auf legalen Flächen gesprüht. „Dieses illegale Graffiti hat mich noch nie interessiert.“

Der Künstler sprüht nur auf legalen Wänden

Dafür gäbe es mehrere Gründe. Einerseits konnte er es mit seinem Gewissen nicht einbaren, einen Sachschaden zu verursachen. Andererseits hat ihn auch der Zugang zu legalen Flächen in seinem Werdegang beeinflusst.

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Bogdanski ist in Bad Segeberg in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Angefangen hat er im Zimmer eines Freundes, „der hatte eine Wand und hat mich da rangelassen.“ Danach war er an den legalen Wänden in Bad Segeberg kreativ unterwegs. „Davon gibt es dort zwei.“ Der Grund, warum er dort gesprüht hat, sei der Anwesenheit erfahreneren Graffiti-Künstler zu verdanken gewesen. „Als Anfänger kann man sich dort viele Tipps abholen. Zum Beispiel, wie man die Dose am besten hält, wie man am besten ausfüllt.“

Die Fabrik ist keine legale Wand im herkömmlichen Sinn

Das Projekt an der ehemaligen Essigfabrik in Wasserburg hält er auch deshalb für eine gute Sache. Denn die Fabrik ist keine legale Wand im herkömmlichen Sinn. Sie ist betreut, eine Anmeldung beim Kunstverein AK 68 oder beim Jugendzentrum ist notwendig, um hier sprühen zu können. „Zuerst war ich skeptisch“, gibt Bogdanksi zu, „ich hätte mir eine komplett legale Wand gewünscht, doch jetzt bin ich begeistert.“

Zusammenarbeit mit Jugendzentrum findet er gut

Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum findet er gut. „Viele Jugendliche haben Interesse an der Graffiti-Szene. Hier an der Fabrik haben sie die Möglichkeit, sich auszuprobieren und können sich Tipps abholen. Und“, fügt er hinzu, „einige der Jugendlichen haben auch wirklich Talent.“

Doch auch an der Essigfabrik läuft nicht alles komplett legal ab. „Es gibt immer Leute, für die das Illegale zum Graffiti gehört.“ So sind an der Fabrik einige Kunstwerke nicht angemeldet, in andere legale Werke werde manchmal einfach reingesprüht. Das ist zwar illegal, aber Bogdanski findet das nicht so schlimm. „Bevor sie irgendwo in der Stadt sprühen, sollen sie das hier machen. Auch wenn sie dabei in meine Bilder kommen, das stört mich nicht.“

Vor allem Erwachsene werden dort kreativ

Auch Katrin Meindl, zweite Vorsitzende des AK 68 und Betreuerin dieses Projektes, hat diese Beobachtung gemacht. „Ja, die Leute sprühen immer wieder unangemeldet in die Bilder rein“, sagt sie. Das sei nicht im Sinne des Kunstvereins. Doch sie ist trotzdem zufrieden mit dem Projekt. Dabei trennt sie ganz strikt zwischen Legalem und Illegalem. „Das Eine ist gekonntes Graffiti, das andere destruktive Schmiererei. Das hat nichts miteinander zu tun“

An den Wänden der Fabrik seien vor allem Erwachsene kreativ unterwegs, die ihre Skizzen unter der Woche fertiggestellt hätten und am Wochenende auf die Wand bringen würden. „Ich vergleiche das mit einem Acrylmaler und seiner Leinwand. Das ist das selbe Prinzip.“ Und da sei auch der Unterschied. „Graffiti ist temporäre Kunst. Niemand hat ein Problem damit, wenn jemand da angemeldet und komplett über ein Werk sprayt. Wenn aber jemand zwei Striche ins Werk reinsprüht, das geht nicht.“

Hofft auf ein neues betreutes Projekt

Auch Bogdanksi stört sich nicht daran, dass seine Werke nicht für immer bleiben. „Das finde ich nicht schlimm. Nächste Woche geht es wieder von vorne los.“ Und seine Kunstform bietet auch in Corona-Zeiten einen Vorteil. „Ich bin wohl einer der wenigen Künstler, die ganz normal weitermachen können. Denn ich stehe hier ganz alleine an der Wand, da kann ich niemanden anstecken.“

Dennoch, die Tage für das Projekt sind gezählt, denn die Essigfabrik soll abgerissen werden und einem Baugebiet weichen. Bogdanksi hofft, dass dann eine neue betreute Wand in Wasserburg entsteht. Bis dahin werden sicher noch viele seiner Werke an der Fabrik zu sehen sein. .

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