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Neues Gastro-Konzept

Junge Schnaitseer starten durch: Pommes rot-weiß im grasgrünen Kiosk am Wasserburger Inn

Wichtigstes Gerät: die Kartoffelschneidemaschine, auf die Veronika Steer und Julian Maron besonders stolz sind.
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Wichtigstes Gerät: die Kartoffelschneidemaschine, auf die Veronika Steer und Julian Maron besonders stolz sind.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Grasgrün leuchtet er den Passanten entgegen: der neue Imbisswagen am Inn. Hier stehen ab Samstag, 5. Juni, zwei junge Schnaitseer an der Fritteuse – in einem Kiosk auf vier Rädern. Veronika Steer und Julian Maron sind Wissenschaftler, doch am Wochenende tauschen sie die Theorie gegen die Praxis.

Wasserburg/ Schnaitsee – Wichtigstes Gerät im Imbisswagen: die Kartoffelschneidemaschine. Sie zerteilt das rohe Bio-Gemüse fein säuberlich in Stifte, aus denen Pommes wird. „Bramburi“ heißen diese. Das Wort kommt aus dem Alt-Österreichischen und ist ein scherzhaftes Synonym für Kartoffeln, erläutert Julian Maron.

Der schlaksige 33-Jährige mit dem Kappi auf dem Kopf ist promovierter Sozialwissenschaftler, seine Geschäftspartnerin und frühere Klassenkameradin, die zierliche Veronika Steer , Sportwissenschaftlerin. Die beiden lieben ihre Hauptberufe – und träumen seit Jugendzeiten davon, auch gastronomisch tätig zu sein. Bei „Wasserburg leuchtet“ im Jahr 2019 haben sie aus Paletten zum ersten Mal einen kleinen Imbissstand kreiert. Julian Maron hat außerdem am Stoa in Edling beim „Kuahgarten-Open-Air“ mitgewirkt.

Der Funke sprang über, die Freunde entwickelten ein Kultur-Biergartenkonzept für das Innufer in Wasserburg. Diese Idee scheiterte, wie berichtet, am strikten Nein der Genehmigungsbehörde beim Landratsamt. Lange Gesichter gab es im Stadtrat – und bei den Jung-Gastronomen. Doch sie gaben nicht auf und wurden mit einem neuen Konzept vorstellig: einem Imbisswagen. Der steht nicht direkt am Inn, aber in der Nähe – auf dem Parkplatz am Gries haben Veronika Steer und Julian Maron eine Stellfläche der Stadt angepachtet.

Vom Tollwood-Festival nach Wasserburg gerollt

Hierhin ist der grasgrüne Wohnwagen gerollt, für dessen Aufstellung die beiden Unternehmensgründer sogar einen Bauantrag einreichen mussten. Dabei unterstützte sie mit Rat und Tat der Wasserburger Architekt Günter Bodenburg.

Der Stadtrat genehmigte die Aufstellung, am Donnerstag, 2. Juni, gab es auch von der Lebensmittelüberwachung beim Landratsamt grünes Licht für den Start des grünen Wagens. Er hat in dieser Funktion Tradition: Die Schnaitseer haben ihn auf Ebay ersteigert. Er rollte direkt vom Tollwood-Festival in München, wo er als Grillstation im Einsatz war, nach Wasserburg.

Drei Monate jede freie Minute gewerkelt

Drei Monate lang haben Veronika Steer und Julian Maron jede freie Minute in den Innenumbau gesteckt: abgeschliffen und neu gestrichen, Edelstahl-Ausrüstungen wie Regale, Spüle und Kühlschrank eingerichtet. Etwa 10.000 Euro haben sie investiert, mühsam zusammengespartes Geld.

Auch durch alle bürokratischen Vorgänge haben sie sich hindurchgequält: Geschäftsmodell aufgeschrieben, Anträge gestellt, Speisekarte entwickelt, Versicherungen abgeschlossen, Lieferanten beauftragt, Wasser und Strom angeschlossen, Logo entwickelt – und die eigene Firma gegründet, eine GbR.

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Eigentlich sind sie angesichts des großen organisatorischen Aufwands mittlerweile sogar froh, dass es mit ihrem Kultur-Biergarten am Inn nicht geklappt hat. „Das wäre vielleicht anfangs doch eine Nummer zu groß gewesen“, sagen die Jung-Gastronomen. Schließlich haben sie noch ihre Hauptberufe: Veronika Steer arbeitet in Stephanskirchen im Therapie- und Trainingsbereich. Julian Maron beim deutschen Jugendinstitut München unter anderem für die Corona-Kita-Studie.

„Perfekter Ausgleich für die Kopfarbeit“

Wochentags wissenschaftlich am Schreibtisch, samstags, sonntags und feiertags – bei gutem Wetter – praktisch an der Verkaufstheke und der Fritteuse: Die Schnaitseer sehen in dieser ungewöhnlichen Kombi den idealen Weg. Als Gastronomen können sie ihre kreative Seite ausleben – „ein perfekter Ausgleich für die Kopfarbeit“, sagen sie.

Stoßen auf die Eröffnung am Samstag an: Veronika Steer und Julian Maron im Kiosk am Inn. Duczek/Cater

Ihr Verkaufskonzept stellt nicht nur die Kartoffel in den Fokus – 80 Kilo sind bereits bestellt für den Start – , sondern auch die Nachhaltigkeit. Nur Bio-Ware wird verarbeitet. Noch viel mehr Wert legen die Beiden auf Regionalität. Die Kartoffeln kommen aus Reitmehring, die Wein-Schorle stammt aus Albaching, das Öl aus einer Mühle in Garting. Das Steckerleis hat den weitesten Weg: Es wird aus Tirol angeliefert.

Kein Plastikgeschirr im Einsatz

Alles geht ohne Einsatz von Plastikgeschirr über den Tresen. Die Pommestüte ist kompostierbar, die Eis-Verpackung besteht aus Cellulose, der Strohhalm trägt seinen Namen zu Recht, berichten Veronika Steer und Julian Maron. Sie wissen, wie sehr die Stadt unter dem Müllproblem leidet, das in der Pandemie stark zugenommen hat. Deshalb werden sie abends rund um ihren Imbisswagen auch das Gelände säubern, versprechen sie.

Noch eine Sorge war im Stadtrat deutlich geworden: Ob das neue Angebot nicht eine Konkurrenz zur bestehenden Gastronomie darstellen könne, lautete eine Frage. Das können sich die Beiden nicht vorstellen. Sie richten sich vor allem an Spaziergänger und Ausflügler, die sich auf die Schnelle mit einem Imbiss stärken wollen. „Wir sind ein kleines Angebot – mehr nicht“, finden sie. Und hoffen, dass der Start gelingt und es später auch möglich sein wird, ein paar Sitzgelegenheiten am Wagen aufzustellen oder sogar ein kleines Kulturangebot zu unterbreiten.

Das sagt die Wasserburger Kulturreferentin

Einfach klasse“, findet Edith Stürmlinger, Kulturreferentin des Stadtrates, das Konzept der jungen Schnaitseer für den Verkaufswagen am Inn. „Die Zwei sind eine Bereicherung für die Stadt“, ist sie überzeugt. Die Aufenthaltsqualität am Damm werde weiter verbessert.

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Natürlich schwingt immer noch Bedauern in Stürmlingers Stimme mit, dass es mit dem Kultur-Biergarten, ein Projekt, das ihr sehr am Herzen lag, nicht geklappt hat. Doch das auf den Verkaufswagen heruntergeschmolzene Konzept gefalle ihr ebenfalls sehr. „Es trägt dazu bei, dass unsere Stadt noch lebendiger und vielfältiger wird“, ist die Referentin überzeugt. „Ich hoffe inständig, dass die Wirte in der Altstadt es nicht als Konkurrenz ansehen“, sagt sie. Denn das sei der kleine Imbisswagen sicherlich nicht, ist Stürmlinger überzeugt.

Sie ist voller Vorfreude auf den Sommer in der Stadt: Der Altstadtbiergarten öffnet wieder. An der Essigfabrik finden Kulturveranstaltungen unter dem Motto „Die letzten 120 Tage“ statt: Hier spielt unter anderem das Theater Wasserburg unter freiem Himmel (Berichterstattung folgt). „Dieser Wasserburger Sommer wird toll“, sagt die Kulturreferentin. duc

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