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Kinderstube im Staudhamer Feldt

„Kiewitt“-Rufe und das erste Gelege: So retten Wasserburger Landwirte den Kiebitz

Ein Gelege von 2021. Auch heuer gibt es eine Kinderstube für den Kiebitz-Nachwuchs..
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Ein Gelege von 2021. Auch heuer gibt es eine Kinderstube für den Kiebitz-Nachwuchs..
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Landwirt Norbert Buortesch hat sich zum Experten für den Kiebitz entwickelt. Um ihn zu schützen, passt Buortesch sogar die Bewirtschaftung im Staudhamer Feld den Gepflogenheiten des gefährdeten Bodenbrüters an. Dieser hält den Gemüsebauern oft von der Arbeit ab - aus gutem Grund.

Wasserburg – Dank der guten Zusammenarbeit der Landwirte mit dem Naturschutz gab es 2021 wieder Nachwuchs bei den Wasserburger Kiebitzen. Und auch in diesem Jahr ist eine Kinderstube sicher, denn das erste Nest ist da – auf einer Fläche von Landwirt Sepp Baumann. „Kiewitt“: Auch der Ruf ist wieder über den Äckern westlich der Stadt zu hören. Der Kiebitz, auch ein Frühlingsbote, ist aus seinem Winterquartier auf der Iberischen Halbinsel oder Nordafrika zurückgekehrt und beginnt mit den Balzflügen.

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Buortesch sieht sich in der Pflicht, zur Rettung der bedrohten Art beizutragen. „Denn der Druck auf den Kiebitz ist enorm“, stellt er fest. Es gebe immer weniger freie Flächen mit niedriger Vegetation zum Nisten, immer mehr Bedrohung durch die Zersiedelung, vor allem auch durch höhere Gewerbegebäude oder Bahnmasten, von denen aus sich Beutegreifer auf die Jungvögel stürzen könnten. Die Eltern nisten bei solchen Gefahren erst gar nicht in der Nähe, sie siedeln sich überall dort an, wo sie einen freien Blick haben und ihre Feinde gut erkennen können, so Buortesch.

Er schafft jedes Jahr für „seine“ Kiebitze eine geschützte offene Feldfläche, die er extra aus der Bewirtschaftung herausnimmt. 2021 spielte der Vogel jedoch nicht mit und nistete nebenan im Winterweizen, berichtet der Reitmehringer Gemüsebauer. Also stellte er auch hier einen Schutzraum bereit. In der Brutzeit gehen die ehrenamtliche Kiebitzbetreuerin Barbara Voglmaier und Buortesch das Gelände ab und markieren die Nistplätze mit Fähnchen. Auch ein Elektro-Zaun wird oft aufgestellt, um die Bodenbrüter vor Füchsen, Mardern und Dachsen sowie Hunden zu schützen. Buortesch schafft in den benachbarten Bereichen rund um das Nest und Gelege außerdem Lebensräume – mit unterschiedlichen Vegetationen, in denen sich die Küken sicher fühlen können.

Appell: Auf den Wegen bleiben

Die Vögel halten Buortesch jedoch noch aus einem anderen Grund quasi von der Arbeit ab, wie er schmunzelnd erzählt. „Es ist sehr interessant, sie bei ihrer Flugkunst zu beobachten“, sagt er. Der Kiebitz würde sogar Raubvögel irreführen. Er locke die Feinde an, entkomme ihnen dank der Fähigkeit, enge Kurven zu fliegen, und seiner Wendigkeit, berichtet der Landwirt begeistert.: „Wie schön, dass sich auch unsere Nachkommen noch über die Vögel freuen können. Sie zu beobachten ist etwas ganz Besonderes“, betont auch Kollege Sepp Baumann.

Bürgermeister Michael Kölbl und Margit Böhm von der unteren Naturschutzbehörde bedankten sich jetzt bei ihm und seinen Kollegen aus Reitmehring für den wertvollen Beitrag zum Artenschutz. Denn die Population des seltenen Vogels ist bundesweit in den vergangenen Jahrzehnten um 93 Prozent eingebrochen, so die Naturschutzbehörde. Bei der Ehrung im Rathaus gab es Wasserburg-Gutscheinen, die je zur Hälfte die Stadt und der Landkreis finanzierten.

Fortbestand gesichert

Durch die hervorragende Zusammenarbeit der Landwirte mit der ehrenamtlichen Kiebitzbetreuerin Barbara Voglmaier wurden im Jahr 2021 westlich von Wasserburg mindestens sieben junge Kiebitze flügge, sodass der Fortbestand der Population gesichert ist, betont das Landratsamt.

Die engagierten Landwirte Norbert Buortesch, Helmut Kobler, Engelbert, Barbara und Stephan Zenz, Josef Baumann (von links) freuen sich mit Margit Böhm, untere Naturschutzbehörde Rosenheim (vorne Mitte) und Bürgermeister Michael Kölbl (rechts) über den gelungenen Kiebitzschutz. Auf dem Foto fehlt Barbara Voglmaier, ehrenamtliche Kiebitzbetreuerin.

Die Kiebitzschützer appellierten an alle Spaziergänger, beim Schutz der stark gefährdeten Rote-Liste-Art zu helfen. Fußgänger sollten auf den befestigten Wegen bleiben und Hunde an der kurzen Leine führen.

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