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Abschied und Neustart für kreativen Kopf

Katrin Meindl krempelt wieder die Ärmel hoch: „Power on“ bei einer Wasserburger Powerfrau

Der rote Overall ist wieder im Einsatz. Katrin Meindl packt ihr Projekt „Power on“ beim Umspannwerk an.D
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Der rote Overall ist wieder im Einsatz. Katrin Meindl packt ihr Projekt „Power on“ beim Umspannwerk an.D
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Zehn Jahre hat sie mit ihrem Elan und ihren Ideen die Künstlervereinigung AK 68 in Wasserburg geprägt. Jetzt scheidet Katrin Meindl aus dem Vorstand aus. Warum sie beim AK 68 nicht mehr mag und bei welchem Verein sie eine neue künstlerischen Heimat gefunden hat.

Wasserburg – „Noch ein Geschenk der Stadt“, sagt Katrin Meindl und strahlt. Ihren knallroten Arbeitsoverall hat sie schon wieder an, symbolisch die Ärmel hochgekrempelt. Nach der Chance für Künstler, sich in der bald abgerissenen Essigfabrik künstlerisch auszutoben, folgt jetzt eine zweite: die Möglichkeit, das alte Umspannwerk an der Priener Straße in ein Kreativzentrum auf Zeit umzuwandeln – diesmal jedoch nicht unter dem Dach des Ak 68. Denn den Vorstand wird die zweite Vorsitzende Meindl bei der Jahreshauptversammlung am Dienstag, 17. Mai, verlassen – auch, weil sie sich dem neuen Projekt „Power on“ am Umspannwerk widmen möchte.

Umspannwerk hat einen morbiden Charme

„Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Meindl und lässt ihren Blick entlang der alten Mauern des verlassenen Gebäudes wandern. „Das hier ist der Prunksaal.“ Schmunzelnd deutet sie auf den Hauptgang, lichtdurchflutet und deshalb ideal für Ausstellungen, findet sie. Drei weitere Gänge gibt es noch – jeder hat 21 Einzelkabinen. Hier hat das Bayernwerk früher die Elektrizität gesteuert. Jetzt steht das Umspannwerk leer – ein wenig erinnert es an die Essigfabrik, in der sich im vergangenen Sommer Streetart-Künstler ausgetobt hatten. Das Umspannwerk ist kleiner, besser in Schuss, aber auch dieses Gebäude hat einen etwas morbiden Charme: abblätternde Farbe, Putzlöcher an den Wänden, verdreckte Fensterbänke, Löcher im Boden, zügige Räume. Ein weiterer Abenteuerplatz für Künstler und Kreative, findet Meindl. Die Stadt als Eigentümerin hat das Gebäude zur Nutzung angeboten – solange bis es abgerissen wird, weil auf dem Gelände der neue Wertstoffhof entstehen wird.

Nach zehn Jahren Wechsel zum Kulturkreis

Wieder also ein Projekt, das nicht für die Ewigkeit gedacht ist, sondern für eine bestimmte Zeitspanne. Doch diese will Meindl nutzen – für freie Kunst- und Kulturangebote, die den üblichen Rahmen sprengen. „Das Feuer brennt wieder“, sagt sie. Unter dem Dach der Künstlervereinigung AK 68 wäre dieses Feuer erloschen, befürchtet Meindl. Deshalb der Abschied aus dem Vorstand, die Hinwendung zum Kulturkreis, ein Verein, der ihr den Freiraum für die Erfüllung ihrer kreativen Ideen geben könne. „Der Kulturkreis ist ein toller, bislang etwas unterschätzter Verein. Er hat den Vorteil, dass er die eigenen Grenzen überschreiten will, das gefällt mir“, begründet sie ihren Wechsel. Außerdem sei es an der Zeit, neue Wege zu gehen – nach zehn Jahren Vorstandsarbeit im Ak 68: „Das ist ein langer Abschnitt, das ruft nach Veränderung“, findet die 56- Jährige.

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Sie hat sich den Abschied nach eigenen Angaben nicht leicht gemacht, lange überlegt, ob es die richtige Entscheidung ist. Denn zu 70 Prozent seien die Erfahrungen bei der Künstlervereinigung sehr positiv gewesen. Meindl war Mitorganisatorin großer Ausstellungen, hat sich auch intensiv eingebracht in die Sanierung des Ganserhauses, Heimat des AK 68. Höhepunkt ihrer Arbeit als zweite Vorsitzende: die Ausstellung „Hinterlassenschaft“ mit C.A. Wasserburger und spektakuläre Aktionen wie das Kreissägenkonzert am Marienplatz. Und natürlich das Projekt „ die 120 letzten Tage der Essigfabrik“, mit Street-Art-Kunst, Theater Wasserburg und Bar Helmut. Beflügelnd sei die Zusammenarbeit mit den Machern gewesen, lehrreich, wohlwollend.

Sie zieht sich also auch mit viel Wehmut im Herzen aus der Vorstandsarbeit zurück, bleibt jedoch „gerne Mitglied“ und freut sich auf die zukünftigen Ausstellunge n. „Ich bin gespannt, was das neue Vorstandsteam im Ganserhaus und am ebenfalls sehr wichtigen Skulpturenweg auf die Beine stellen wird.“

Doch es gab, vor allem zuletzt, auch negative Erfahrungen: Die Kommunikation sei auf der Strecke geblieben, die „Leichtigkeit“ habe gefehlt, der Schwung bei der Bereitschaft, was Neues zu wagen, sei zum Erliegen gekommen. Der Verein sei etwas verstaubt, er lebe von der Vergangenheit, vom Erbe der Gründergeneration.

„Vereine sind heute nicht mehr selbstverständlich als soziale Organisationsform. Da muss man was tun, sich in der Stadt zeigen, neue Formate anbieten, sonst wird man überflüssig. So etwas wie die Essigfabrik: Da haben wir neue Gesichter gesehen“, ist Meindl überzeugt. Das normale Ausstellungsprogramm sei weitgehend ein Selbstläufer, doch mit ihren Ideen für das Umspannwerk sei sie nicht auf die positive Resonanz gestoßen, die sie erwartet hätte. Deshalb jetzt der Abschied aus dem Vorstand und die Hinwendung zu einem neuen Verein, dem Kulturkreis als Dachverband aller Kulturtreibenden in Wasserburg.

Neue Räume für die Kultur: Katrin Meindl sieht im Umspannwerk Chancen der etwas anderen Art.

„Lost Place“ als Experimentierplatz für Kreative

Ihre Ideen seien hier und bei der Stadt gut aufgenommen worden. Ihr Konzept „Power on “ am Umspannwerk knüpfe dort an, wo das Vorhaben Essigfabrik aufgehört habe. Erneut werde ein „Lost Place“ in ein Pop-up-Forum für Kunst und Kultur umgewandelt – mit Galerie, Street-Art an der Fassade und den Innenwänden, Vintage- und Künstlerflohmarkt, Konzerten, Probenräumen, Workshops Gastronomie auf Zeit, Bewegungsformaten wie Yoga und Tanz. „Alles darf, sogar scheitern dürfen wir“, findet Meindl. „Im Ehrenamt darf man doch noch träumen, oder etwa nicht?“, ergänzt sie ihre Vision vom Experimentierplatz Kunst.

Sie hat im Umspannwerk schon Spuren hinterlassen: gemalt, gesprayt, eingerichtet, die ersten Sanierungen durchgeführt. Der rote Overall, mit dem sie an der Essigfabrik aus der Besuchermenge herausstach, hängt nicht mehr an der Garderobe.

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