1. ovb-online-de
  2. Rosenheim
  3. Region Wasserburg

Wasserburg kämpft weiter gegen die Lichtverschmutzung

Erstellt:

Von: Heike Duczek

Kommentare

Schöner Anblick: die erleuchtete Silhouette der Stadt. Die Lichter sollen nicht ausgehen, aber weniger werden und auch weniger intensiv strahlen.
Schöner Anblick: die erleuchtete Silhouette der Stadt. Die Lichter sollen nicht ausgehen, aber weniger werden und auch weniger intensiv strahlen. © kr

Wasserburg will sauberer werden – auch beim Licht. Strahlt es nachts intensiv auch dort, wo es gar nicht notwendig ist, stört dies Insekten, Pflanzen und Menschen. Die Lichtverschmutzung hat bereits nachgelassen. Doch es gibt noch zu tun, findet der Umweltausschuss. Potenzial steckt in der Straßenbeleuchtung.

Wasserburg – Die Fraktion der Grünen hatte den Antrag gestellt, die Beleuchtung des öffentlichen Raums, also von Straßen, Gassen, Plätzen und Parkhäusern, umzustellen. Jetzt legte Klimaschutzmanager Josef Allio einen Statusbericht vor.

Stadtwerke haben schon umgestellt

Gute Nachrichten gab es zum Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke. Sie hat die Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet zwischen 2015 und 2018 auf LED umgestellt. „Wir sind hier schon sehr weit“, betonte Allio. Der Stromverbrauch wurde nach seinen Angaben von 467.000 auf 200.000 Kilowattstunden gesenkt. Die Lichtemission betrage weniger als drei Prozent. Nur noch die Kreisverkehre an der Münchner Straße, Rosenheimer Straße und Priener Straße, drei Zebrastreifen in der Altstadt, 18 Überspannungen in diesem Areal sowie acht Leuchten, die Gebäude wie die Kirchen und die Burg sowie das Rathaus anstrahlen, arbeiten auf Basis der alten Technik.

Hell erleuchtet wie ein Festsaal?

Verbesserungspotenzial gibt es laut Allio im Netzgebiet des Bayernwerks. Es befindet sich in Reitmehring, in Attel und in der Äußeren Lohe. Hier gibt es 254 Lampen, 229 allein in Reitmehring. 71 sind auf LED umgestellt, der Rest leuchtet mit der alten Lichttechnik. Sie zieht viel mehr Strom als LED. Weiterer Nachteil der Natriumdampf- und Leuchtstofflampen: Sie strahlen weiter aus, beispielsweise auch in Vorgärten.

Die neuen LED-Leuchten richten das Licht nur dorthin, wo es gebraucht wird – also genau auf einen Gehsteig, eine Straße oder einen Parkplatz. Sie können gedimmt werden. Hell erleuchtet wie ein Festsaal präsentieren sich nach Meinung von Bettina Knopp (Grüne) die Parkhäuser. Das liegt nach Angaben von Allio jedoch daran, dass sie offene Gebäude sind und es zu Reflexionen kommen kann. Die Lampen würden nur die Verkehrswege beleuchten, nach außen gebe es kaum Lichtverschmutzung.

Parkhäuser auf LED umgerüstet

Die beiden Parkhäuser der Stadt sind – auch mit öffentlichen Fördermitteln – bereits komplett umgerüstet auf LED, gesteuert je nach Tageszeit und Präsenz. Im Parkhaus an der Überfuhrstraße werden seit der Umstellung jährlich 57.773 Kilowattstunden Strom eingespart, an der Kellerstraße jährlich 112 605 Kilowattstunden, teilt die Stadt mit. Grundsätzlich wird hier laut Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) nur CO2-neutraler Ökostrom eingespeist.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

Christian Flemisch (ÖDP) warb für noch mehr städtisches Engagement im Kampf gegen die Lichtverschmutzung. Er forderte, die acht Leuchten, die Gebäude wie das Rathaus anstrahlen, auszutauschen gegen LED-Systeme. Das werde sich – auch angesichts steigender Energiepreise – schnell amortisieren. Klimaschutzmanager Allio erklärte, allein der Austausch dieser acht Lampen koste etwa 30.000 Euro. Wirtschaftlichkeit müsse jedoch neu definiert werden, fand Flemisch. Auf lange Sicht sei Klimaschutz nachhaltig, auch wenn er kurzfristig den Geldbeutel belaste. Kämmerer Konrad Doser wies jedoch darauf hin, dass die acht Lampen keine lange Lebenszeit mehr hätten. „Es ist auch nicht nachhaltig, etwas wegzuwerfen, was noch geht“, zeigte er sich überzeugt.

Potenzial in Reitmehring

Allio sieht vor allem Potenzial in Reitmehring, wo das Bayernwerk aufgefordert werden könne, Lampen auf LED umzustellen. Die Stadt müsse, wenn sie dies wünsche, entsprechende Aufträge erteilen für straßenweise Abschnitte, so Doser.

Das könnte Sie auch interessieren: Lagerfeuer-Romantik zur „Earth Hour“

Flemisch und Knopp gaben auch zu bedenken, ob wirklich so intensiv beleuchtet werden müsse. Als Beispiel nannte Flemisch den Verkehrsübungsplatz. Nachts könnten dort doch die Lichter ausgehen. Es gebe außerdem keine kommunale Straßenbeleuchtungspflicht. Kölbl erinnerte aber daran, dass sich viele Bürger in zu dunklen Straßen unwohl fühlen. Es sei auch notwendig, ein Sicherheitsgefühl herzustellen. „Dazu gehört es auch, dass keiner nachts über den Bordstein fällt.“

So hell, dass nachts der Hahn kräht?

Lässt sich die Lichtintensität herunterschrauben? Norbert Buortesch (Bürgerforum) sah hier noch viel Handlungsspielraum. Es gebe Bereiche wie einen Fußweg am Bahnhof, da krähe nachts der Gockel, weil es so hell sei. Knopp verwies auf die Gefahr, Insekten zu irritieren, weil das Licht ihnen vorgaukele, es sei Tag. An LED-Lampen könnten sie sich zwar nicht mehr verbrennen, so Umweltreferent Lorenz Huber (Bürgerforum). Dieses kalte Licht bringe Insekten trotzdem aus dem Biorhythmus, warnte Knopp. Ihr fehlen entsprechende Infos der Lampenanbieter, die die Stadt jetzt einholen will.

Auch Privathäuser sorgen für Lichtverschmutzung

Mit einer Gegenstimme von Markus Pöhmerer (Wasserburger Block) beschloss der Umweltausschuss, Angebote für die LED-Umstellung in Reitmehring und für die acht noch auf der alten Technik basierenden Leuchten in der Stadt einzuholen. Pöhmerer, der auch darauf hinwies, dass an vielen Privathäusern die ganze Nacht Außenbeleuchtungen eingeschaltet seien, begründete seine Ablehnung auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung mit der Notwendigkeit, die Finanzen der Stadt im Blick zu halten und zu sparen, wenn es möglich sei.

Auch interessant

Kommentare