VHS Wasserburg kämpft online gegen Corona

VHS-Leiterin Agnes Matrai ist zuversichtlich: Wenn der Shutdown nach dem 20. April zurückgenommen wird, kann die Bildungseinrichtung die Krise bewältigen. Weithofer
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VHS-Leiterin Agnes Matrai ist zuversichtlich: Wenn der Shutdown nach dem 20. April zurückgenommen wird, kann die Bildungseinrichtung die Krise bewältigen. Weithofer
  • Winfried Weithofer
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Bedrückende Stille in den Räumen der VHS Wasserburg: Alle Kurse sind abgesagt, nur online geht es weiter mit den Lernen und Lehren. Die Bildungseinrichtung hat schwer zu kämpfen mit dem Shutdown.

Wasserburg - Auch die Volkshochschulen leiden unter dem Shutdown, das der Staat wegen der Coronakrise verfügt hat. Seit dem 16. März ist die Volkshochschule (VHS) Wasserburg auf behördliche Anweisung nun schon geschlossen. Im Normalfall ist die Volkshochschule ein Podium der sozialen Kontakte, der Begegnung und des Austauschs. Wo sonst in den Kursräumen gelernt, diskutiert und geübt wird, herrscht eine bedrückende Stille. „Die VHS ist nachhaltig beeinträchtigt“, sagt Geschäftsführerin Agnes Matrai. Sie versucht, den Betrieb so gut es geht aufrechtzuerhalten. „Im Moment leben wir von unseren Reserven“, sagt sie. Die sind knapp, weil die VHS als Verein nicht über große Rücklagen verfügen darf.

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Schätzungsweise 400 bis 500 Teilnehmer können derzeit nicht wie gewohnt das VHS-Angebot nutzen. Etwa 120 besuchen Deutschkurse. Die sollen aber fortgeführt werden, sagt Matrai, und zwar als Online-Tutorien, unterstützt vom BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das laut Matrai ein großes Interesse daran hat, dass die Teilnehmer nicht zurückfallen. Viele Dozenten hätten sich bereit erklärt, dabei mitzuhelfen und sich entsprechend schulen zu lassen.

Neuer Lernstoff soll freilich nicht hinzukommen, die bisher erworbenen Kenntnisse mit einem Übungsprogramm aber aufgefrischt werden. „Dafür wird ein eigenes Lernportal aufgebaut, und das kann man über eine App auf dem Smartphone öffnen“, erklärt Matrai. Technisch sieht sie dabei keine Probleme: „Der Zugang ist niederschwellig.“ Und sie lobt das Engagement der Dozenten, neue Wege bei der Vermittlung des Lernstoffs zu gehen. „In Kontakt bleiben mit den Teilnehmern, egal ob sie Kurse für Deutsch, Englisch oder Spanisch belegt haben, darum geht es“, betont die VHS-Chefin.

Konzerte, Kochkurse und Sport online

Schwerer tut sich die Volkshochschule naturgemäß mit anderen Angeboten wie Yoga und Tanzen. „Natürlich lassen sich solche Kurse bei uns schwieriger online realisieren“, räumt Matrai ein. Doch im Verbund strengen sich die bayerischen Volkshochschulen an, ihre Kunden zu halten. Gemeinsam haben sie ein kostenloses Programm aus Vorträgen, Lesungen, Konzerten, Kochkursen und Sportübungen erstellt.

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Alle Veranstaltungen können von Zuhause aus ohne Anmeldung auf dem Youtube-Kanal vhs.daheim verfolgt werden. „Auf der Webseite der VHS Wasserburg kann man sich über die Inhalte informieren, und man muss nur noch den Link anklicken“, sagt Matrai.

Noch eine weitere Möglichkeit gibt es, vom Angebot der VHS im Internet zu profitieren: In den sogenannten Webinaren nehmen die angemeldeten Besucher online an Vorträgen über Wirtschafts-, Computer und Erziehungsthemen teil. Eine nützliche Online-Einrichtung sei auch die VHS-Cloud, das Online-Netzwerk der Volkshochschulen in Deutschland. Damit erhält jede Volkshochschule ihren eigenen geschützten Arbeitsbereich für die webgestützte Kommunikation. Es können virtuelle Kurse eingerichtet werden, die zum Beispiel Präsenzkurse um Online-Angebote ergänzen oder auch um Kurse, die überwiegend oder ausschließlich online durchgeführt werden.

„Wir versuchen zu retten, was zu retten ist.“

Und wie sieht die nahe Zukunft für die VHS Wasserburg aus? Bei einer insgesamt fünfwöchigen Schließung würde sich der Schaden einigermaßen in Grenzen halten – dann wären bei einem Sprachkurs, der einmal in der Woche stattfindet, gerade drei Termine entfallen. Und die könnte man gut nachholen, indem man das Semester entsprechend verlängert, sagt Matrai. Dass dann vielleicht der eine oder andere Teilnehmer verhindert ist und auch mancher Dozent in Nöte kommt, darüber ist sich die VHS-Leiterin bewusst. Sie bittet dringend um Verständnis: „Das ist für uns alle eine schwierige Zeit. Wir versuchen zu retten, was zu retten ist.“ Sollte die Schließungszeit aber über den 20. April andauern, „dann müssen wir uns was einfallen lassen.“

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