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Frequenz in der Innenstadt fehlt, Geschäfte geben auf

Wasserburgs Einzelhandel in der Krise: WFV-Vorsitzender schlägt Alarm

Strahlende Gesichter beim Start der Weihnachtsbeleuchtung gab es bei Bürgermeister Michael Kölbl und dem WFV-Vorsitzenden Andreas Bonholzer (von links). Doch vielen Geschäftsleuten ist die Freude am Weihnachtsgeschäft vergangen. Die Frequenz in der Stadt hat gelitten, die Umsätze brechen ein.
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Strahlende Gesichter beim Start der Weihnachtsbeleuchtung gab es bei Bürgermeister Michael Kölbl (links) und dem WFV-Vorsitzenden Andreas Bonholzer. Doch vielen Geschäftsleuten in Wasserburg ist die Freude am Weihnachtsgeschäft vergangen. Die Frequenz in der Stadt hat gelitten, die Umsätze brechen ein.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Jetzt erwischt es auch Wasserburg: Immer mehr Geschäfte geben auf, die Frequenz in der Innenstadt hat deutlich abgenommen. Der Vorsitzende des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV), Andreas Bonholzer, ist alarmiert.

Wasserburg – „Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe“: Immer öfter weisen Schilder darauf hin, dass ein Laden in Wasserburg schließt. Wie beurteilt der Wirtschaftsförderungsverband (WFV) als Interessenvertretung der Geschäftsleute die Lage? Der neue Vorsitzende Andreas Bonholzer zeigt sich im Interview mit der Wasserburger Zeitung besorgt und optimistisch zugleich.

Wie geht es dem Einzelhandel in Wasserburg?

Andreas Bonholzer : Wir vom WFV sehen die Lage als sehr kritisch bis besorgniserregend an. Corona hat bei einigen Geschäftsleuten wie ein Beschleuniger bei der Entscheidung zur Aufgabe gewirkt – vor allem bei all jenen, die keine Nachfolger finden. Trotzdem gibt es in Wasserburg Hoffnung, denn wir haben noch viele kleine, inhabergeführte Geschäfte, die generell länger durchhalten, weil sie einen engen Bezug zur Stadt haben. Wir sehen außerdem, dass sich trotz der schwierigen Lage immer wieder neue Geschäftsleute trauen, einen Laden zu eröffnen. Jetzt heißt es darauf zu hoffen, dass sich die Infektionslage schnell verbessert. Ich hoffe auf eine möglichst hohe Impfbereitschaft.

Der Einzelhandel klagt deutschlandweit über Einbußen von etwa 40 Prozent - auch weil das Weihnachtsgeschäft so schleppend verläuft. Was sagen die Geschäftsleute in der Stadt? Leidet auch Wasserburg unter dem Hin und Her um Teillockdown und 2G-Regeln?

Bonholzer: Ja, denn auch in Wasserburg bekomme ich Mitteilung von Mitgliedern des WFV, die teilweise bis zu 60 Prozent Einbußen haben. Das ist dramatisch. Es ist natürlich verständlich, dass die Leute weniger zum Einkaufen gehen, weil sie Kontakte eher meiden. Doch es wirkt sich in der Tat auch negativ aus, dass es derzeit so viele Hürden gibt, um Geschäfte zu betreten, diese Hürden gibt es im Online-Handel ja nicht. Wir müssen uns damit arrangieren – die Gesundheit geht selbstverständlich vor.

Nach 35 Jahren in Wasserburg hat auch Massimo D`Altoe, Inhaber des Eiscafés Gondola, Wasserburg den Rücken gekehrt. An den Umsätzen lag es nicht, die Corona-Auflagen machten dem Team zu schaffen, die Belastung wurde zu groß.

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Was fordern Sie als WFV-Vorsitzender von Bund und Land? Wie müssen die Rahmenbedingungen sein, damit Einzelhandel und Gastronomie nicht länger Hauptopfer der Pandemie sein werden?

Bonholzer: An den Rahmenbedingungen können wir vom WFV wenig ändern. Doch wir hoffen, dass die staatlichen Corona-Hilfen jetzt zügig und in passender Weise ausgezahlt werden. Das ist vor allem wichtig für junge Geschäftsleute und Neugründer, die hohe Investitionen hatten und sich noch kein Polster erarbeiten konnten. Außerdem wäre es wichtig, dass die Verantwortlichen innovativen Lösungen eine Chance geben.

Meinen Sie das Nein zur Bändchenlösung in Wasserburg?

Bonholzer : Genau, das ist ein gutes Beispiel. Die Registrierung der Impfnachweise bei den Löwen im Testzentrum und die daraus folgende Verteilung eines Bändchens, das schnellen Eintritt in die Geschäfte ermöglicht, ist eine tolle, praktikable Lösung. Die Idee hatte das Innkaufhaus, alle haben – so wie in Wasserburg üblich – sofort mitgezogen: die Fußballer, die Geschäftsleute, der Bürgermeister, die Verwaltung, das Landratsamt, der WFV. Leider wurde dieses innovative Konzept, welches nicht nur in Wasserburg diskutiert wurde, dann von oberster Stelle abgelehnt.

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Nach 30 Jahren hört Maria Riegel, Inhaberin der Reinigung mit Änderungsschneiderei in der Färbergasse, zum Jahresende auf. „Ich bin jetzt 71 Jahre alt, und es wird mir zuviel“, sagt sie. Eine Nachfolge habe sie nicht gefunden.

Gewinner sind derzeit die Online-Händler. Gibt es für den stationären Handel überhaupt eine Chance, auf Dauer dieser Konkurrenz Paroli zu bieten?

Bonholzer: Wir haben eine Chance: mit persönlicher Beratung, Spezialisierung und regionalen Produkten. All dies können die großen Online-Händler nicht bieten und hier heben sich unsere Geschäftsleute ganz deutlich von anderen ab. Und wir als WFV werden weiterhin versuchen, über Veranstaltungen Frequenz in die Stadt zu bringen.

Ein Frequenzbringer ist ja das Frühlingsfest. Wird es 2022 endlich wieder klappen?

Bonholzer: Wir wünschen uns alle, dass das Frühlingsfest im nächsten Jahr endlich wieder stattfinden kann. Die Planungen laufen bereits. Was ich mir allerdings nicht vorstellen kann, ist ein Fest unter 2G-Regeln. Aus zwei Gründen: Der Volksfestcharakter würde stark unter der Notwendigkeit leiden, den Platz einzuzäunen und die Impfpässe zu kontrollieren. Außerdem ist es eine Frage der Kosten, wenn Absperrungen und Sicherheitsdienste als Eingangskontrolle notwendig sind. Diese Kosten müssten wir wohl weitergeben, was zu Preissteigerungen führen würde. Das Frühlingsfest soll ein Fest für Familien bleiben.

Was erhoffen Sie sich angesichts all dieser offenen Fragen für 2022?

Bonholzer : Endlich wieder ein Stück Normalität – und dass wir alle gesund bleiben. Ich wünsche dem Einzelhandel und der Gastronomie in Wasserburg, dass sie 2022 die Chance erhalten, sich von den Folgen der Pandemie wieder zu erholen.

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