„Mit der Schrotschussmethode“

Völlig überraschend: Landratsamt kippt „Mobiles Biergarten-Konzept“ am Wasserburger Inndamm

Ein Ausschankwagen und Sitzgelegenheiten: So hatten sich Antragsteller Julian Maron und Veronika Steer, ihr mobiles Biergartenkonzept für den Inndamm vorgestellt. Auch die Stadt war auf ihrer Seite. Nun gibt es eine „brachiale Absage“ seitens des Landratsamtes. Unser Bild entstand beim Inndammfest 2019.
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Ein Ausschankwagen und Sitzgelegenheiten: So hatten sich Antragsteller Julian Maron und Veronika Steer, ihr mobiles Biergartenkonzept für den Inndamm vorgestellt. Auch die Stadt war auf ihrer Seite. Nun gibt es eine „brachiale Absage“ seitens des Landratsamtes. Unser Bild entstand beim Inndammfest 2019.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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„Wir geben nicht auf“, sagt Julian Maron, Antragsteller für das mobile Biergartenkonzept am Wasserburger Inndamm. Wie Bürgermeister Michael Kölbl jetzt bekannt gab, hat das Landratsamt Rosenheim völlig überraschend das Konzept für nicht genehmigungsfähig erklärt. Die Begründung sorgt für Unverständnis.

Wasserburg – „Mit der Schrotschussmethode auf alles geschossen, was sich bewegt“, hat das Landratsamt Rosenheim in seiner Stellungnahme vom 14. September, in der begründet ist, warum das mobile Biergartenkonzept am Inndamm aus gaststättenrechtlicher und wasserrechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig ist (siehe Infokasten), sagt Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) im Bauausschuss.

Schreiben „schockiert“ Bürgermeister Kölbl

Er verlas das Schreiben, das ihn „schockiert“ habe:

„Die begehrte Baugenehmigung für die Errichtung einer Imbisswirtschaft mit Wirtsgarten am Inndamm kann nicht in Aussicht gestellt werden“, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamtes.

Das Konzept am Inndamm, der im Außenbereich liegt, beeinträchtigt öffentliche Belange. Die Wiese nahe der Otto-Geigenberger-Straße ist als Grünfläche ausgewiesen. Auch wenn die Stadt für das beantragte Vorhaben sei, bräuchte es ein förmliches Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes. Das Naherholungsgebiet und die natürliche Eigenart der Landschaft würden gestört werden von der „wesensfremden Bebauung“. Gastronomie und Kultur dürfen nicht den ruhigen Randbereich stören und sollen sich aufs reine Stadtgebiet beschränken. „Das Vorhaben stellt einen nicht hinnehmbaren und ausgleichbaren Eingriff in die Natur vor“. Auch wird der Hochwasserschutz thematisiert. Aus Gründen des Gemeinwohls könne keine wasserrechtliche Genehmigung erteilt werden. Es bestehe eine Gefahr für Betreiber und Besucher der Anlage, auch könnten mobile Teile und Gegenstände flussabwärts geschwemmt werden und zu einer Verklausung führen. Im Sommer besteht häufiger Hochwassergefahr, innerhalb weniger Stunden kann der Pegel steigen. Das hieße, das Areal müsste mehrmals binnen weniger Stunden geräumt werden – auch nachts oder feiertags. Zudem wird eine Splittersiedlung befürchtet. Aus gaststättenrechtlicher Sicht sei eine Behindertentoilette mit barrierefreiem Zugang nötig, ebenso eine Besuchertoilette. Auch braucht es Zubereitungs- und Lagerräume, eine separate Personaltoilette und einen Kanalanschluss. Sämtliche Auflagen, die ein reguläres Restaurant einzuhalten hat, sind auch hier gefordert.

Zusammenfassung des Bürgermeisters aus dem Schreiben des Landratsamtes

Auch andere Ausschuss-Mitglieder reagierten mit Unverständnis. „Hä? Was hat denn der geraucht, der diese Stellungnahme verfasst hat“, fragte Wolfgang Schmid. Mechtild Herrmann und Helmut Schmid vom Bauamt sagten, „baurechtlich ist das eine saubere Beurteilung. Entkräften können wir das nicht ohne Weiteres.“

Antragsteller geben nicht auf

Nicht aufgeben wollen die Antragsteller Julian Maron und Veronika Steer, kündigte Bürgermeister Kölbl an. „Es liegt nicht an uns, wir würden ja wollen“, so Kölbl weiter. Das Landratsamt habe sich streng am Baurecht entlang gehangelt.

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Unverständnis äußerten auch Friederike Kayser-Bücker (SPD) und Christian Stadler (Grüne). „Das ist ärgerlich“, so Stadler.

Kopfschütteln im Ausschuss

„Erst bekamen wir ein positives Signal, dass was gehen könnte. Wir hatten den Eindruck, dass wir schon sehr weit gekommen sind und jetzt haut man dem Ganzen die Schaufel drauf“, schüttelte er den Kopf. Ja, die Stellungnahme sei baurechtlich sauber erklärt. Und es war klar, dass es schwierig werden wird, nachdem der Fletzinger-Biergarten zumachte, einen neuen zu genehmigen.

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Aber die gaststättenrechtlichen Maßgaben seitens des Landratsamtes seien in dieser Sache mit dem mobilen Biergartenkonzept „abstrus“.

Gemütliche Location an schöner Stelle

Auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung erklärte Antragsteller Julian Maron, man wollte mit Unterstützung des Bauausschusses und der Verwaltung auf dem Areal hinter dem TSV-Vereinsheim ein „mobiles Konzept“ verwirklichen, ohne feste Einbauten – nur mit einem Ausschankwagen und klappbaren Biertisch-Garnituren. „Eine gemütliche Location an einer schönen Stelle“, hatten Maron und seine Mitstreiterin Veronika Steer im Sinn. Auf die „brachiale Absage“, wie Maron es nennt, reagieren sie enttäuscht, aber noch gelassen.

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Der Eingriff in die Natur wäre nur gering, der Ausschank sei nur an zwei bis drei Tagen die Woche und nur bei schönem Wetter geplant. Der Erholungswert des Dammes würde nicht geschmälert, sondern gesteigert werden.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

„Andere Städte machen vor, wie es geht. In Traunstein hat im September die ,Traunbar‘ eröffnet – ein mobiler Verkaufswagen mit einfachen Sitzgelegenheiten, direkt am Bach gelegen“, sagt Maron. Er sei sicher, es gebe auch für Wasserburg ein Konzept. Er verwies aufs ISEK: Demnach wünschen sich Bürger und auch Stadt eine Gastronomie am Inn.

Neue Lösung suchen

„Wir bleiben auf jeden Fall dran. Dass der erste Anlauf nichts geworden ist, ist wohl nicht ungewöhnlich. Nun müssen wir das Ganze neu denken und mit der Stadt gemeinsam nach einer anderen Lösung suchen“, so der 32-Jährige, den man aus dem Organisationsstab des Kuahgarten-Open-Airs kennt.

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Baugenehmigungsbehörde ist Landratsamt Rosenheim

„Uns liegt es am Herzen, dass da was Gemütliches entsteht, wo es ab und zu Live-Musik gibt. Wir wollen ja keinen Volksfest-Biergarten“, so Maron. Eine Möglichkeit für den zeitlich begrenzten Altstadtbiergarten auf dem ehemaligen Gärtnerei-Areal habe sich schließlich auch gefunden. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, so Maron, der auf konstruktive Unterstützung der Stadt hofft.

Bürgermeister Kölbl erklärte noch in Bezug auf die „Traunbar“ in Traunstein, dass die Stadt dort selbst Baugenehmigungsbehörde sei. In Wasserburg sei dies nun mal das Landratsamt in Rosenheim.

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