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SINGVÖGEL AUF DER SPEISEKARTE

Wasserburg hatte einst einen Platz für die Drosseljagd der Falkner

Vogeljagd auf der Vogeltenn: Diese Karte von Wasserburg stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Im unteren Bereich der Wehranlage in Wasserburg eingetragen ist ein Bereich namens Vogeltenn.
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Vogeljagd auf der Vogeltenn: Diese Karte von Wasserburg stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Im unteren Bereich der Wehranlage in Wasserburg eingetragen ist ein Bereich namens Vogeltenn.

Wacholderdrosseln standen im 17. Jahrhundert auf dem Speiseplan der Wasserburger. Gejagt wurden die Singvögel zum Beispiel von einem Falkner, der sich auf der „Vogeltenn“ platzierte. Ein Blick in altes Kartenmaterial verrät mehr darüber.

Von Ferdinand Steffan

Wasserburg – Das Studium der alten Vermessungspläne Wasserburgs fördert nicht nur die Verteidigungsanlagen vergangener Jahrhunderte zutage, sondern auch alte Flurbezeichnungen, die in der Lokalgeschichte bisher keine Erwähnung gefunden haben.

Falkner platzierte sich hier

Dass sich am Scheitel der Steilstrecke des alten Stadtberges ein Kalvarienberg als Pendant zu jenem oberhalb von St. Achatz befunden hat, ist bildlich dokumentiert, eine „Vogeltenn“ auf der gegenüber liegenden Seite dagegen war bislang unbekannt.

Essbare Singvögel gefangen

Vogeltennen sind im Mittelalter ebene, baumlose „Abwurfplätze“, von denen aus der Falkner vom Pferd aus den Falken in die Luft werfen und nach erfolgreicher Jagd wieder aufnehmen konnte. Ab dem 17. Jahrhundert – um eine solche Anlage dürfte es sich gehandelt haben – wurden Vogeltennen/Vogelherden zu Fangplätzen, wo Vogelfänger mit Hilfe von Lockvögeln und Futter essbare Singvögel mit Hilfe von Schlagnetzen lebend fangen konnte.

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Er selbst saß getarnt in einer Vertiefung und konnte mit Hilfe einer Zugleine die Netze über dem Futterplatz fallen lassen. Es wurden vorwiegend Krammetsvögel (Wacholderdrosseln) gefangen, die etwas kleiner, aber schwerer als Amsel waren und häufig auf den „Speisekarten“ standen.

Teil der „Niederjagd„

Die Vogeltenne war mit einem kleinen Wall und Graben umgeben und hatte Strauchwerk in der Umgebung, in dem sich Vögel niederließen. Auch wenn der Vogelfang schon zu Zeiten der Feudaljagd vom sonstigen Jagdrecht als einziger Teil der Niederjagd abgetrennt war und gesondert verpachtet werden konnte, war es sicher nicht jedermann gestattet, solch eine Vogeltenne nach Belieben zu benützen.

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Der Umgang mit den Netzen setzte eine gewisse Geschicklichkeit und die Jagd selbst Kenntnisse voraus, sodass anzunehmen ist, dass nur geschulte Personen die Vogeltenne oberhalb der Stadt betreiben und den Markt mit dem Fang beliefern durften.

Keine Flurbezeichnung in Wasserburg

Bislang fehlen in der Stadtgeschichte Namen und Berufsbezeichnungen, die sich mit dem Vogelfang in Verbindung bringen ließen. Auch ist nicht bekannt, wie lange die Vogeltenne betrieben wurde. Sie hat jedenfalls keinen Eingang in die Flurbezeichnungen gefunden, wie etwa in Amerang, wo ein Siedlungsgebiet den Namen „Am Vogeltenn“ trägt.

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