AUS DEM STADTARCHIV

Wasserburg hatte einst eine eigene Münzstätte: Urkunden führen zurück ins 14. Jahrhundert

Die älteste Erwähnung der Wasserburger Währung ist in dieser Urkunde vom 22. August 1394, die im Stadtarchiv Wasserburg liegt, überliefert. Es geht um einen landwirtschaftlichen Grundstücksverkauf in „Pachman“, heute Bachmehring.
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Die älteste Erwähnung der Wasserburger Währung ist in dieser Urkunde vom 22. August 1394, die im Stadtarchiv Wasserburg liegt, überliefert. Es geht um einen landwirtschaftlichen Grundstücksverkauf in „Pachman“, heute Bachmehring.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Eigene Wasserburger Pfennige gab es seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Das Herzogtum Ingolstadt Bayern hatte in der Innstadt eine seiner Münzprägestätten. Das Museum stellt einige der Münzen aus, die beispielsweise ein Löwe ziert.

Wasserburg – Die Archivale des Monats ist eine Grundstücksverkaufsurkunde aus dem Jahr 1394. Sie enthält die älteste Erwähnung der Wasserburger Währung, erklärt Stadtarchivar Matthias Haupt.

„Albrecht der Has, Bürger zu Wasserburg, verkauft eine Hube zu Pachman [Bachmehring, Anm. d. Red] um 51 Pfund Wasserburger Pfennige“, steht in der Beschreibung der Urkunde, die man auf der Homepage unter „Nachrichten aus dem Archiv“ ansehen kann. Laut Haupt ist eine Hube eine alte Flächenbezeichnung.

Münzstätte und Münzprägung

„Einst hatte Wasserburg eine eigene Münzprägestätte“, sagt Haupt. Viele Belege tauchen hierzu auch in den städtischen Sammlungen auf. Münzen, die in Wasserburg geprägt wurden, befinden sich in der Sammlung Joa und im Museum Wasserburg.

Auch der Numismatikers Hubert Emmerig aus Wien hat sich im Rahmen seiner Habilitationsschrift mit der Münz- und Geldgeschichte der Innstadt beschäftigt und im Historischen Lexikon Wasserburg ausführlich unter „Münzstätte und Münzprägung“ darüber berichtet.

Wasserburg gehörte zum Herzogtum Ingolstadt

Emmerig führt aus, dass Wasserburg nach der Landesteilung vom 19. November 1392 zum Herzogtum Bayern-Ingolstadt unter Herrscher Stephan III. gehörte – nicht mehr wie bisher zu Oberbayern. Es gab noch Johann II (Bayern-München), Friedrich (Bayern-Landshut) und das Herzogtum Bayern-Straubing Holland, das schon etwas länger bestand.

Zu besagter Zeit war Albrecht II. Statthalter. Die vier Herzöge schlossen am 31. Oktober 1395 mit dem Regensburger Bischof und der Stadt Regensburg einen umfangreichen Münzvertrag. Jedes dieser Herzogtümer von 1392 prägte seine eigenen Münzen in eigenen Münzstätten.

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Als die Ingolstädter Linie im Jahr 1447 ausstarb, fiel das Teilherzogtum gemeinsam mit Wasserburg an Bayern-Landshut. Ab da war die Stadt Sitz eines Rentmeisteramtes. „Das ist eine mittlere Einrichtung der Finanzverwaltung“, erklärt Professor Emmerig.

Nicht immer einig

In der Münzpolitik sprachen sich die bayerischen Herzoge auch nach 1395 meist untereinander ab. Immer wurden sie sich aber nicht einig, etwa über das Aussehen der Pfennige, oder den Feingehalt an Silber, der den Wert bestimmte.

Den vermutlich ersten Beleg für die Wasserburger Münzstätte findet Professor Emmerig in zwei Urkunden, die nicht im Original (sondern in Archivinventaren in Ingolstadt) überliefert sind.

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Darin übergibt Herzog Stephan III. „die münss zue Wasserburg“ an zwei Herren, die als „Schmelzer Niklas“ und als „Münzmeister Hermann“ bezeichnet werden. Der Schmelzer war demnach zuständig für die Schmiede und die Metallverarbeitung und der Münzmeister etwa für die Legierung und die Stückelung.

Spesenabrechnungen aus München

Emmerig datiert die Urkunden zwischen 1393 bis spätestens 1408, da aus diesem Jahr auch eine Quittung für Niklas Schmelzer überliefert ist.

Ein Pfennig der Münzstätte Wasserburg aus der Zeit zwischen 1392 bis 1406. Der Buchstabe S zwischen Körper und Schweif des Löwen steht für Herzog Stephan. Die Münze liegt in der Sammlung „Wasserburg aus fünf Jahrhunderten“.

Vom 22. Januar 1394 liegt im Stadtarchiv in Wasserburg die eingangs erwähnte Urkunde des Grundstücksverkaufes vor, die eine Zahlung mit Wasserburger Pfenigen vorsah.

„Ab diesem Datum findet sich eine beträchtliche Reihe von solchen Nachweisen. Schon im Aufsatz von Bürgermeister Christoph Schnepf von 1887 gibt es Angaben, wenn auch vage“, sagt Stadtarchivar Matthias Haupt. Laut Schnepf wird die Wasserburger Münze zuletzt in einer Urkunde aus dem Jahr 1456 erwähnt.

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Weitere Quellenbelege sind ab 1395 Münchner Kammerrechnungen, etwa in Form von Spesenabrechnungen. Boten holten beispielsweise Pfennige ab, damit die Stadt München eine Metallanalyse durchführen konnte. So wurde kontrolliert, ob auch in Wasserburg die Vorgaben des Münzvertrages eingehalten wurden. „Wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte sie ihre Bürger vor den neuen Pfennigen gewarnt“, resümiert Professor Emmerig. Der Historiker spricht von dichten Belegen, dass ab 1394 in Wasserburg geprägt wurde.

Quittung erhalten vom 10. Juni 1408

Interessant ist eine Urkunde vom 10. Juni 1408. Darin quittiert Herzog Stephan III. seinem Verantwortlichen in der Münzstätte, Niklas Schmelzer, die vollständige Abrechnung und Bezahlung des „Schlagschatzes“ seit 24. April 1408. Dabei handelt es sich um den Gewinn, den der Herzog aus der Münzprägung erhält. Er liegt normalerweise in einer Größenordnung von 2 bis 3 Prozent vom verarbeiteten Silber. Die Urkunde nennt leider keinen Betrag. Emmerig nimmt an, dass der Mann seine Stelle vermutlich 15 Jahre innehatte.

Wer mehr erfahren möchte über die Geschichte der Wasserburger Münzstätte, findet den Artikel des Numismatikers online im Historischen Lexikon.

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Was ist eine „Hube“?

Der Verkauf einer Hube in Bachmehring bei Eiselfing wird in der Urkunde vom 22. Januar 1394 erläutert. Eine Hube ist laut Wikipedia ein altes Flächenmaß, das sich vom Wort „Hufe“ herleitet. Gemeint ist damit laut Georg Landau ein „landwirtschaftliches Gut, welches mit einem Pfluge bestellt werden kann und demnach der Arbeitskraft einer Familie entspricht“und diese ernährte, wie der Historiker und Archivar in seiner Abhandlung „Die Territorien in Bezug auf ihre Bildung und ihre Entwicklung“ 1854 ausführt. Die „Hufe“ bezieht sich sowohl auf die Hofstelle, das Eigentumsrecht und die Nutzungsrechte an einer Gemeindeflur sowie auf die bewirtschaftete Fläche.

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