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AUS DEM UMWELTAUSSCHUSS

Wasserburg hat Mühe, nicht im „To-Go-Müll“ zu ersticken

Sorgt auch auf dem Frühlingsfest – unser Bild stammt aus der Zeit vor Corona – für einen sauberen Festplatz: Heinz Plaweckay.
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Sorgt auch auf dem Frühlingsfest – unser Bild stammt aus der Zeit vor Corona – für einen sauberen Festplatz: Heinz Plaweckay.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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Der „Unterwegsmüll“ nimmt seit Beginn der Pandemie stetig zu – auch in Wasserburg. Alle öffentlichen Einer quellen über. Verwaltung und Bauhof haben Mühe, das Problem in den Griff zu kriegen. Dabei ist es ganz einfach: Ist der öffentliche Eimer voll, hat man die Pflicht, seinen Abfall mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen.

Wasserburg – Dank Wasserburgs „Saubermann“ Heinz Plaweckay sind Zigarettenkippen und Kaugummipapier, die achtlos weggeworfen werden, kein großes Thema in der Altstadt. „Littering nennt man das Neudeutsch, wenn die Leute Abfälle im öffentlichen Raum wegschmeißen oder einfach liegenlassen, zum Beispiel auch Dosen oder Flaschen“, erklärte Stadtkämmerer Konrad Doser im Umweltausschuss. „Der Heinz“ hebt alles auf.

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Große Probleme bereiten der Verwaltung und dem Bauhof dagegen der „Unterwegsmüll“, so Doser (wir berichteten mehrfach).

Wertstoffinseln werden nicht mehr zugemüllt

Der To-Go-Abfall hat inzwischen sogar die Ausmaße der illegalen Beseitigung von Hausmüll in den öffentlichen Mülleimern oder den Wertstoffinseln überholt. Gerade die wilden Ablagerungen an den Containern, die es im Frühjahr 2020 im ersten Lockdown gab, haben aufgehört – unter anderem dank der investigativen Tätigkeit eines Detektives und vieler Anzeigen.

Selten Unrat im Wald von Wasserburg

Nur selten komme es vor, dass in Wasserburg Unrat in Wald oder Flur abgelagert werde. Verstöße werden in der Regel von der Polizei auf Grundlage des Kreislaufwirtschaftsgesetzes geahndet, so Doser weiter in seinen Ausführungen.

Weil wegen der Pandemie die Gasthäuser geschlossen haben, bestellen viele Menschen Essen zum Abholen. Gespeist wird gerne im Freien, etwa an Parkbänken oder am Inndamm.

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Das Geschirr – Pappbecher, Kunststoffschälchen oder Alu-Behältnisse – landen in den öffentlichen Müllkörben, die inzwischen nicht mehr ausreichen und überquellen. Vor allem an den Wochenenden ist dies ein Ärgernis für den Bauhof, der permanent beim Ausleeren und Aufräumen unterwegs ist. Sind die Eimer voll, werfen die Menschen das Einweggeschirr daneben. Verschärft wird die Situation, wenn die Hausmüllsackerl auch noch dort landen. Gerade an Bushaltestellen häufe sich dies.

Im Moment keine Mülleimer lieferbar

„Wir haben zusätzliche Eimer aufgestellt, ein paar kommen noch dazu. Im Moment sind keine weiteren mehr lieferbar“, informierte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD).

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Generell halte er es für kontraproduktiv, einfach noch mehr Behälter aufzuhängen, weil dadurch die Leute noch weniger darauf achten, Müll zu vermeiden.

100.000 Euro pro Jahr

Die Leerung und Entsorgung der Müllkörbe im öffentlichen Raum komme laut Bernhard Schachner von der Abfallwirtschaft in der Verwaltung im Jahr locker auf 100.000 Euro. „Der Bürger zahlt ja schon für seine eigene Mülltonne daheim. Und so zahlt er nochmal über seine Steuergelder“, gibt Schachner zu bedenken. Er verweist auf die Verpackungssteuer, die die Stadt Tübingen eingeführt habe (ruht derzeit wegen Corona, Anm. d. Red.). „So etwas wär natürlich das schärfste Schwert, das wir hätten“, so Schachner.

To-Go-Müll wie Hausmüll zu betrachten

Generell ist das Aufstellen öffentlicher Mülleimer eine freiwillige Leistung der Kommune. Rechtlich ist der To-Go-Müll wie Hausmüll zu behandeln. „Sprich, es macht keinen Unterschied, ob ich die Pizza daheim oder unterwegs verzehre. Wenn es auf dem Weg keinen öffentlichen Sammelbehälter gibt, muss ich den Verpackungsmüll daheim in die Tonne werfen“, erklärt Doser.

Haufenweise Pappbecher und Pizzaschachteln

Weiter hält er fest: Diemassenhaft konsumierten Einwegverpackungen sind leider meist nicht recyclingfähig. Einen gelben-Sack-Behälter zusätzlich aufzustellen, würde das Problem also gar nicht lösen.

Ein Bauhofmitarbeiter habe sich an einem Sonntag, Ende April 2021, die Mühe gemacht, den an diesem Tag gesammelten Müll (zwei Kubikmeter waren es) aus den Altstadtkörben zu sortieren.

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Schachner zeigte dem Ausschuss Fotos: Unmengen Einwegbecher und Pizzaschachteln.

Mülltrennung oft durch Verbundstoffe schwer einordenbar

Doser und Schachner räumen im Gespräch mit dem Gremium ein, dass es oft nicht mehr zu unterscheiden sei, ob eine Verpackung „lizenziert“ sei und damit etwa in den gelben Container (oder Sack) darf. Auch gebe es Verpackungen, die noch gar nicht richtig in der Müllentsorgung verwertet werden können, weil es noch keine geeignete „Entsorgungsschiene“ gebe. Als Beispiel nennt Schachner Schälchen und Besteck aus Bambus. Das komme in die Verbrennung. Die Holzkörbchen für Erdbeeren etwa dürfen in den gelben Sack.

Beschichtete Becher nicht in Papiertonne

Beschichtete Pappbecher gehören nicht in die Papiertonne. „Auch hier weiß man nicht, welche Schicht ist da drauf. Es gibt welche, die sind mit Maisstärke bestrichen und könnten theoretisch in die Kompostieranlage – aber wer kann das unterscheiden?“, so Schachner. Pizzakartons können in die blaue Tonne, sofern nicht Pizzareste daran kleben, denn dann müssten sie in den Restmüll.

Die Verwaltung setzt keine große Hoffnung auf die Novelle des Verpackungsgesetzes, die im Juli 2021 in Kraft treten soll. Sie stellt die Umsetzung der EU-Kunststoffrichtlinie dar. „Da geht es um das Verbot von reinen Kunststoffverpackungen. Aber sobald es wieder Verbundstoffe sind, ist es doch schon wieder schwierig für den Nutzer, zu erkennen, wo gehört das beim Trennen hin“, sagt Doser auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung.

Die beste Möglichkeit, um einiges an To-Go-Abfall einzusparen, wäre es, vorab mit seinem Wirt auszumachen, dass man mit seinem eigenen Topf kommt, so Doser.

Verpackungsärmer einkaufen

In der Diskussion im Ausschuss appellierte Christian Flemisch (ödp) an die Bürger, generell verpackungsärmer einzukaufen, um Müll zu reduzieren – egal, wo dieser entsorgt werde. Auch sei es eine Frage der Solidarität, dass Kaffee zum Mitnehmen wieder mehr im Recup gekauft werde, statt in Pappbechern, denn dann habe die Stadt weniger Entsorgungskosten.

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„Das mit den Einwegtassen hat wegen Corona wieder zugenommen“, sagte auch Bettina Knopp (Grüne). Die Leute haben vermutlich mehr Angst vor Virenübertragung bei Mehrwegbechern. „Wir sollten dafür werben, dass hier keine Gefahr besteht, weil die Recups hygienisch gereinigt werden“, so Knopp. Ein Beschluss wurde nicht gefasst.

Der ehrenamtliche „Saubermann“ Heinz Plaweckay kümmerte sich um die Entsorgung von achtlos weggeworfenem Abfall. Er sammelt mit seinem Greifer jeden Zigarettenstummel auf.

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