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STADTGESCHICHTE

Wasserburg: Eine mächtige Wallanlage als Schutz vor den Franzosen

Sieht aus der Vogelperspektive aus wie eine Krone: das „Cronwerkh“. Es handelt sich um zwei Halbbastionen und eine Vollbastion. Die Karte des Schanzenbaus stammt etwa aus der Zeit um 1800.
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Sieht aus der Vogelperspektive aus wie eine Krone: das „Cronwerkh“. Es handelt sich um zwei Halbbastionen und eine Vollbastion. Die Karte des Schanzenbaus stammt etwa aus der Zeit um 1800.

Aus dem Westen rückten sie an, die Feinde. An der Errichtung der Wallanlage um 1800 waren wochenlang 700 „Schanzer“ täglich eingesetzt, um die Stadt Wasserburg vor den Franzosen zu schützen. Die „Schanz“ als Befestigungsanlage befand sich in der heutigen Burgau.

Wasserburg – Die Frage, ob der Name „Hallgrafenstraße“ für die Bebauung an der Köbingerbergstraße in der nördlichen Burgau passend gewählt wurde, oder ob nicht eine Bezeichnung, die auf die topographische Situation Bezug nimmt, besser gewesen wäre, kann man sich stellen, wenn man eine Ansichtskarte von Wasserburg aus den 60er Jahren genauer studiert.

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Denn auf der damals noch unbebauten Fläche zeichnet sich eine rechtwinklige Geländestufe ab, die künstlich angelegt worden sein muss. Sie ist heute das Nord-West-Eck der Bebauung zwischen „Hallgrafenstraße“ und „Am Ziegler“. Die Böschung beginnt eigentlich schon an der Abzweigung der Stichstraße „Am Ziegler“ und nimmt nach Norden immer mehr zu, sodass sie dort, wo ein Feldweg weiter zu den landwirtschaftlichen Gründen führt, durch Betonsteine gesichert werden musste.

22 Gulden und 12 Kreuzer für die Zimmerer

Wo die „Stützmauer“ nach Osten abbiegt, dürfte der Höhenunterschied etwa drei Meter betragen. Ein Blick auf historische Karten bringt rasch die Erklärung für diese künstliche Geländeformation: Es handelt sich um einen Teil der Wallanlagen, die jeweils in Kriegszeiten in der Burgau angelegt worden waren, um die aus Richtung Westen anrückenden Feinde aufhalten und abwehren zu können. Zuletzt wurde diese Schanze im Rahmen des ersten Koalitionskrieges zwischen Frankreich und auf der Gegenseite Österrreich und Bayern ab 26. Juni 1800 „ober dem Kobinger Berg“ wieder errichtet bzw. westlich der älteren Anlage neu gebaut.

700 Schanzer waren eingesetzt

Der Stadt- und Landgerichtsprokurator Anton Thaler (seit 1796 in Wasserburg tätig, gestorben 1811) bringt in seinem Tagebuch einige Details zu diesen Maßnahmen: Die Schanzen wurden am 6. Juli auf dem Bräuwinklberg, in der Burgau, am Galgenberg (heutige Burgau), vor dem Oberen Tor (heute Rottmoser-Keller) und am Attler Weg) abgesteckt. Am 7. Juli begannen die Schanzarbeiten, wobei 700 Schanzer täglich eingesetzt waren. Um den 27./28. August hatte das „Schanzen ein Ende“, stattdessen muss an der Straße nach Kraiburg weitergearbeitet werden.

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Am Jahresende vermerkt Thaler, dass die Entlohnung sämtlicher Zimmerleute von hier, „die sich bei dem Schanzbau zur Arbeit gebrauchen lassen mussten“, 22 Gulden 12 Kreuzer betrug.

Außerdem hatte man beim Nagelschmied Jakob Christaller 178 große Nägel und 2400 Bretternägel sowie beim Nagelschmied Johann Rieder 500 große Bodennägel zum Schanzbau, wohl für die Palisaden auf den Wällen, bezogen. Diese Schanze war nicht die erste Anlage in der Burgau, denn Denkmalpfleger Dr. Gerald Dobler stellt in seiner Dokumentation zur historischen Stadtbefestigung fest, dass schon 1590 Arbeiten am „Werch vorm Obernthor“ durchgeführt wurden, die im Dreißigjährigen Krieg ab 1632 verstärkt worden waren.

Festungsbau auf einem Kupferstich

Matthäus Merian hatte in seinem Kupferstich, erschienen 1652, zur kurzfristigen Belagerung Wasserburgs durch die vereinigten Schweden und Franzosen im Jahre 1648 diese Schanze mit den charakteristischen Elementen des Festungsbaus wiedergegeben, wobei sie gewaltiger erscheint, als sie in Wirklichkeit gewesen sein dürfte.

Bastion sieht von oben aus wie eine Krone

Im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges 1701 bis 1714 dürfte das „Hornwerch“ (zwei durch einen Wallabschnitt verbundene Halbbastionen) mit seinen Palisadenwänden beidseits bis an den Inn erneut verstärkt worden sein. Die Straße nach München lief damals südlich der Bastion vorbei. Als man zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Stadt erneut in Verteidigungsbereitschaft versetzen musste, rückte man das „Cronwerkh“ (zwei Halbbastionen und eine Vollbastion; im Grundriss wie eine Krone aussehend) weiter nach Westen, wobei die Straße nun an den Resten des „alten Hornwerks“ vorbei durch die neue Bastion verlief.

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Längst sind die Wälle der Festungswerke durch natürlichen Verfall, Erosion und Ackerbau südlich der Straße verschwunden, nur auf den nördlichen Hängen hatte sich ein Eck des Bollwerks, das wohl höher aus dem Gelände herausragte, erhalten. Die Bedeutung des „ungewöhnlichen Buckels“, der nunmehr die Grenzen der modernen Bebauung bestimmte, ist verloren gegangen. So müsste das Gelände um die Hallgrafenstraße analog zur schmalen Straße beim Rottmoser-Keller (heute „Unter der Schanz“) eigentlich „Auf der Schanz“ heißen (wenn man schon nicht auf den „Galgenberg“ zurückgreifen wollte).

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Stadtmauer umschloss den Stadtkern:

Eine weitere Befestigungsanlage in Wasserburg war schon im Mittelalter die Stadtmauer, die den Stadtkern komplett umschloss. Spätestens 1250 entstand sie und wurde 1420 aufgestockt. Die Burganlage im Südwesten, am höchsten Punkt der Halbinsel, war in das Befestigungssystem einbezogen. Davon sind noch etwa 400 Meter übrig geblieben. Diese Strecke wird derzeit saniert.

In der nördlichen Burgau liegt der Rest der letzten Schanze, die 1800 gegen die Franzosen errichtet worden war. Unsere Ansicht zeigt eine Postkarte aus den 1960er Jahren. Steffan
Hier in der Burgau sieht man eine befestigte Böschung an der Stelle der einstigen Wallanlage.

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