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Porträt der Woche

Der Bewahrer der Tradition: Wie Sebastian Weger an die Wasserburger Schiffsleute erinnert

Hält die Erinnerung an die Schiffsleute von Wasserburg hoch: Sebastian Weger.
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Hält die Erinnerung an die Schiffsleute von Wasserburg hoch: Sebastian Weger.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Schiffe fahren nicht mehr über den Inn. Doch die Wasserburger Sankt-Nikolai-Schiffsleut halten auch heute noch die Erinnerung hoch an eine Zeit, als die Stadt zur Handelsstadt wurde. Sebastian Wegner ist ihr Vorsitzender. Sein Credo: Nicht die Asche verwalten, sondern die Glut vorwärts tragen.

Wasserburg – Er ist ein Mann mit vielen Interessen: Sebastian Weger war beruflich erfolgreich und engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich – unter anderem in einem Verein, der auf eine große Tradition zurückblickt: bei den Wasserburger Schiffsleut. Heute fahren sie nicht mehr über den Inn, doch sie halten die Erinnerung an die Zeit, als Wasserburg zur Handelsstadt wurde, hoch.

Man hört ihm gerne zu, mit seiner samtenen Stimme, seinem bayerischen Tonfall. Und als 70-Jähriger hat er eine ganze Menge zu erzählen. Sebastian Weger sitzt beim Frühstück, er wirkt ganz entspannt und mit sich im Reinen, als er seine Berufsjahre, seine Zeit als Elternbeiratsvorsitzender am Luitpold-Gymnasium und seine Aktivitäten als Vorsitzender der St. Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft Wasserburg Revue passieren lässt.

Ihm ist bewusst, wie schön er es hat in Penzing. „Der See vor der Haustür, das ist ein Luxus, den ich fast täglich nutze“, sagt er. Wie er sich fühle nach dem runden Geburtstag? „Dankbar“, lautet die Antwort. Wofür? „Dass der liebe Gott es so gut gemeint hat mit mir.“

Karrierestart bei den Klepper-Werken

Seine Herkunft beschreibt Weger so: „Ich komme aus sehr kleinen Verhältnissen, mein Vater war ein kleiner Beamter, meine Mutter hat für die drei Kinder den Haushalt geführt.“ Sparsam ging es zu bei den Wegers. Urlaub war nicht drin. „Nein, das gab es nicht, dafür war das Geld nicht da. Wenn ich wegfahren wollte, musste ich mir was einfallen lassen, irgendwas organisieren.“

Weger machte nach der Realschule in Wasserburg und dem Fachabitur Karriere als Betriebswirt und Industriekaufmann, er begann zuerst als Auszubildender ganz in der Nähe, bei der Firma Klepper in Rosenheim. Deren Werbeslogan bleibt ihm unvergesslich: „Fahr fröhlich in die weite Welt, mit Klepper-Mantel, Boot und Zelt.“ Sagt’s und lacht. Mit Jobs im Innendienst arbeitete er sich nach oben, unter anderem auch im RKW-Werk Wasserburg. Auf Menschen zuzugehen, dieses Talent war ihm offensichtlich in die Wiege gelegt: „Ich wollte immer Verkäufer werden, das lag mir.“ Doch irgendwie klappte es damit nicht – und schließlich landete er bei der Firma Taylorix – ein angesehenes Stuttgarter Dienstleistungsunternehmen in der Büro- und Informationstechnikbranche, das Anfang der 80er Jahre mit der elektronischen Datenverarbeitung Furore machte. „Das war mein Einstieg in die IT“, erinnert sich Weger.

Bei Taylorix machte er sich rasch einen Namen als Spezialist für die professionelle Abwicklung von Bauaufträgen – in dieser Funktion war er pausenlos unterwegs. 1991 wechselte er zur Deutschen Leasing AG, dort wurde er Betriebsleiter. 2017 war es vorbei mit der Berufstätigkeit, die ihm so viel Erfüllung brachte: „Ich hab’s bis zum Schluss genossen“, sagt er rückblickend. Sein Credo sei stets gewesen, den Kunden zufriedenzustellen. „Das habe ich immer gelebt.“

Elternbeiratsvorsitz am LGW übernommen

Zur Aufgabe als Elternbeiratsvorsitzender am Luipold-Gymnasium trieb ihn wohl auch das Bedürfnis, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Ich habe mich ja nie um schulische Dinge gekümmert, das war immer Sache meiner Frau.“ Sein Sohn, neben den zwei Töchtern der Nachzügler in der Familie, gab dann den Anstoß für das schulische Engagement ab 2016 für insgesamt vier Jahre. „Davor hatte ich großen Respekt, habe es aber dennoch gern gemacht.“

Vorsitzender der St. Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft ist er seit 2012 – ein Posten, den er mit Überzeugung ausübt. Im Jahr 2000 hatte sich eine Gruppe im Huberwirt zusammengefunden, um diese Vereinigung wieder zu gründen. Ursprünglich war sie eine soziale Einrichtung, die sich der Witwen und Waisen annahm – Angehörigen von Beschäftigten bei der Innschifffahrt, die bei ihrer Arbeit ums Leben kamen.

„Unser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die jahrhundertealte Tradition der Schiffleut zu pflegen, das Wissen über die Geschichte der Innschifffahrt zu erhalten und zu erweitern sowie die Gemeinschaft zu pflegen“, formulierte Weger für die Webseite des Vereins.

Und im Gespräch fügt er hinzu: „Die Tradition zu wahren heißt nicht, die Asche zu verwalten, sondern die Glut vorwärts zu tragen. Wenn ich wissen will, wohin ich will, muss ich ja zuerst erfahren, wo ich herkomme.“

Auf jeden Fall betrachtet er die Arbeit für den Verein als eine wirklich wichtige Sache. Mit der Inn-Schifffahrt sei Wasserburg ja vor Jahrhunderten zu Ruhm und Ehren gekommen: „Die Stadt war der Hafen von München.“

Sogar ein Elefant wurde ausgeladen

Weger kennt dazu eine Menge Anekdoten, und er zitiert den launigen Spruch, der in Wasserburg einst die Runde machte: „Leut, sperrt’s Weiber ein, die Schiffsleut kommen.“ Auch ein Elefant sei hier einmal ausgeladen worden, ein Geschenk vom spanischen König an den bayerischen Kurfürsten.

Das Eisenbahnzeitalter besiegelte allerdings Mitte des 19. Jahrhunderts freilich das Ende der Inn-Schiffahrt, und die Schiffleut mussten sich umorientieren.

Heute konzentrieren sich laut Weger die Aktivitäten der 100 Mitglieder des Vereins darauf, bei kirchlichen Feiertagen, vor allem an Fronleichnam, aufzutreten. „Jeweils am 24. Juni gedenken wir bei einer kleinen Andacht der Toten am Inn“, erzählt er.

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