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Wasserburg ehrt zwei vorbildliche Bürger mit der Heiserer-Medaille

Zwei Heiserer-Medaillenträger in einem Jahr: Erich Baumgartner (links) und Claudia Geiger nahmen Urkunde und Anstecknadel aus den Händen von Bürgermeister Michael Kölbl entgegen. Duczek

Unterschiedlicher könnten die beiden neuen Träger der Heiserer-Medaille nicht sein: Erich Baumgartner, das wortgewaltige Wasserburger Urgestein, ein Macher und Gründervater vieler Vereine und Projekte. Und Claudia Geiger, die eher leise im Hintergrund die Fäden der Wasserburger Volksmusiktage zieht.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Unterschiedlicher könnten die beiden neuen Träger der Heiserer-Medaille nicht sein: Erich Baumgartner, das wortgewaltige Wasserburger Urgestein, ein Macher und Gründervater vieler Vereine und Projekte. Und Claudia Geiger, die eher leise im Hintergrund die Fäden der Wasserburger Volksmusiktage zieht. Und doch haben die am Donnerstagabend vom Stadtrat Geehrten viel gemeinsam: Sie engagieren sich ehrenamtlich in vorbildlicher Weise für ihre Stadt.

Einstimmig hatte der Stadtrat deshalb beschlossen, Erich Baumgartner und Claudia Geiger die Heiserer-Medaille zu verleihen. Sie gibt es seit 2007, als Ausdruck des Dankes für besondere Verdienste um das Ansehen der Stadt. Die Verleihung findet in öffentlicher Stadtratssitzung statt.

Ritterschlag für Ehrenamtliche

Eigentlich hätte Erich Baumgartner die Heiserer-Medaille, die nach dem Wasserburger Stadtschreiber Joseph Heiserer benannt wurde (Siehe Kasten) schon 2019 bekommen sollen. Doch er war erkrankt, deshalb wurde die Verleihung verschoben und fand gemeinsam mit der Ehrung von Claudia Geiger als Trägerin der Heiserer-Medaille 2020 statt. „Viel Ehre, kein Geld“, bringt die Auszeichnungen, betonte Bürgermeister Michael Kölbl bei der Verleihung. In der Tat gilt die Heiserer-Medaille als Ritterschlag für engagierte Bürger. Wer sie erhält, trägt den Anstecker mit Stolz. Das zeigte auch die Tatsache, dass fast alle Geehrten seit 2007 am Festakt im Rathaus teilnahmen.

Ohne den Rückhalt der Familien ging`s nicht

Erich Baumgartner übermannte im ersten Moment die Rührung, als er die Medaille in Empfang nahm. Seine ersten Worte galten der Familie, allen voran der Ehefrau, ohne deren Rückhalt er sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht so intensiv hätte einbringen können. Das bestätigte auch Claudia Geiger: Ohne die Unterstützung von Ehemann, Kindern und Verwandtschaft ginge es nicht. Die Heiserer-Medaille ist also auch eine Auszeichnung für zwei Wasserburger Familien.Erich Baumgartner wurde außerdem für sein Lebenswerk geehrt. Er ist der Gründervater und Förderer vieler Vereine, hat Projekte ins Leben gerufen, die bis heute nachwirken. Im Fokus seines Ehrenamts: die Jugend und sozial Schwächere.

Seit 1953 ist der Geehrte bereits Mitglied der Stadtkapelle, hier war er leitend auch in mehreren Funktionen aktiv – unter anderem als Gerätewart und zweiter Vorsitzender. Die Stadtkapelle spielt in seinem Leben die Hauptrolle, denn sie war auch der Grund dafür, dass er sich jahrzehntelang so intensiv für die Stadt engagierte. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, hätte es sich der musikbegeisterte junge Erich Baumgartner nicht leisten können, ein Instrument zu lernen. Die von der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Kapelle ermöglichte ihm, Unterricht bei den Bläsern zu nehmen. „Damals habe ich mich entschlossen, dies der Stadt zurückzuzahlen“, erinnert er sich.

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Erich Baumgartner gründete den Förderverein für die Stadtkapelle, den Verein Maria Rast, dessen Vorsitzender er bis heute ist und der sich für sozial Schwache einsetzt. Er initiierte nach Benefizkonzerten die ersten Hilfstransporte nach Rumänien, fuhr die Lkw selber dorthin („damals noch Abenteuerreisen“), damit die Hilfsgüter auch in den Waisenhäusern ankamen. Aus diesen Kontakten heraus entstand die Freundschaft mit Cugir, die in eine offizielle Städtepartnerschaft mündete. Bis heute pflegen die Bürger beide Kommunen gute Kontakte, besuchen sich regelmäßig.

Erich Baumgartner ist, so würdigte ihn der Bürgermeister, ein Anpacker. Deshalb baute er auch zwei Kapellen: Maria Rast und das kleine Gotteshaus für die Schiffsleute am Riedener Weg. In den 80er- und 90er-Jahren belebte er das Bürgerspiel wieder, das eine lange Tradition in Wasserburg hat, jedoch in Vergessenheit getreten war. Zum Millennium-Jahr 2000 fand es wieder statt – die ganze Stadt spielte quasi mit. Seitdem steht alle zehn Jahre ein Bürgerspiel auf dem Veranstaltungsprogramm – heuer ist es im Sommer wieder soweit.

„Eigensinn“: So brachte Erich Baumgartner sein Erfolgsrezept auf den Punkt. Er ist ein Macher, durchsetzungsstark, einer, der mitreißt, zeigte sich in seiner Rede. Der Geehrte trägt das Leben außerdem mit viel Humor, Anekdoten untermalten seinen Beitrag beim Festakt.

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Charmant, herzlich, mit viel Herzblut bei der Sache, wenn es um ihre Leidenschaft, die Volksmusik im Alpenraum geht: So kennen die Wasserburger Claudia Geiger. Die Lehrerin an der Grundschule, gebürtig aus Eiselfing, hat 1998 die Leitung der 1971 vom damaligen Landkreis Wasserburg ins Leben gerufenen Volksmusiktage übernommen. Claudia Geiger ist „die Idealbesetzung“ für die Stadt, so der Bürgermeister. Sie organisiere die Großveranstaltung, die im gesamten Alpenraum einen hervorragenden Ruf habe, ganz autark und stets perfekt. Claudia Geiger bewege viel – auch dank ihrer ruhigen, freundlichen Art. Sie besitze eine enorme Ausstrahlung, so Kölbl, auch weil sie fachlich und persönlich eine große Kompetenz aufweise.

Die Geehrte hat die Wasserburger Volksmusiktage intensiv weiterentwickelt – durch neue Konzepte, die jedoch das Ziel nie aus den Augen verloren haben: die Förderung echter Volksmusik, nicht der volkstümlichen Musik. Das sei heute wichtiger denn je, betonte der Bürgermeister, denn wer bayerisch singen wolle, müsse auch bayerisch sprechen können – das sei in Zeiten, in denen der Dialekt immer mehr in den Hintergrund gerate, nicht mehr selbstverständlich. Die Förderung der Volksmusik sei jedoch noch aus einem weiteren Grund wichtig: Bei ihr stehe die Freude am gemeinsamen Singen und Musizieren im Vorderrund, nicht die Show, so Kölbl.

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Dies bestätigte auch die Geehrte, der die Volksmusik nach eigenen Angaben so ans Herz gewachsen ist, „weil sie so elementar, schlicht und locker ist“ und die Generationen zusammenführe. „Volksmusik tut gut“, ist Claudia Geiger überzeugt, die Harfe studiert hat, außerdem Flöte, Hackbrett und Gitarre spielt. Sie möchte mit den Volksmusiktagen, die heuer vom 27. März bis 5. April stattfinden, erreichen, dass der Funke überspringt. Und den Musikanten und Sängern eine Plattform bieten, auf der sie für die alpenländische Musik werben können.

Der Nachwuchs wird über den Wettbewerb um den Wasserburger Löwen gefördert, was der Lehrerin Claudia Geiger besonders am Herzen liegt.

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