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Im Sommerinterview

Wasserburgs Bürgermeister Kölbl wird deutlich: „Befinden uns im Dauerkrisenmodus“

Redaktionsleiterin der Wasserburger Zeitung, Heike Duczek, und Bürgermeister Michael Kölbl im Sommerinterview.
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Bürgermeister Michael Kölbl im Sommerinterview mit Heike Duczek, leitende Redakteurin der Wasserburger Zeitung.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Ein heißer Sommer 2022 neigt sich dem Ende zu. Doch ins Schwitzen kamen Bürgermeister Michael Kölbl, Stadtrat und Verwaltung nicht nur aufgrund der hohen Temperaturen. Der Ukraine-Krieg und die Folgen brachten die Stadt in den Krisenmodus. Im Sommerinterview mit der Wasserburger Zeitung berichtet der Rathauschef über neue Sorgen und alte Fehler – und darüber, warum seine letzte Amtsperiode die schwierigste ist.

Die Energiekrise als Folge des Ukraine-Kriegs drückt auf die Stimmung. Seit dem 1. September gilt die Energiespar-Verordnung des Bundes. Was bedeutet das für Wasserburg?

Michael Kölbl: Wir haben schon vorher reagiert – mit mehreren Maßnahmen beim Badria und der Abschaltung der nächtlichen Beleuchtung für öffentliche Gebäude. Das reicht natürlich nicht aus, wenn sich die Situation, wie zu erwarten ist, weiter verschärfen sollte. Vor allem sind wir jetzt alle gefordert, Energie zu sparen. Wir sind auch an die Mieter unserer kommunalen Liegenschaften herangetreten, haben sie auf die veränderte Situation hingewiesen und die Vorausleistungen angepasst. In einem Rundmail an alle städtischen Mitarbeiter haben wir dazu aufgerufen, Energie einzusparen.

Heißt das, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sitzen im Winter im Kalten? Müssen die Kinder in den Sporthallen kalt duschen?

Kölbl: Keiner soll frieren, das steht fest. Doch wir werden die Vorlauf- und Zimmertemperaturen in unseren kommunalen Liegenschaften etwas herunterregeln. Wir stellen das Warmwasser nicht ab, erwarten jedoch, das alle ihr Verbrauchsverhalten anpassen. Und wir werden alle technischen und Heizungsanlagen überprüfen und gegebenenfalls neu einstellen. Wir hoffen sehr, dass die Leute das Thema ernst nehmen. Und mitmachen, selbst ein kleiner Beitrag hilft. Dazu unterstützen wir die Energiesparoffensive der Bundesregierung mit einer breit gestreuten Aufklärungskampagne.

Droht auf Dauer eine Schließung des Badria? Die ersten Kommunen wie Starnberg schließen ja ihre kommunalen Saunen. Oder müssen die Bürgerinnen und Bürger mit höheren Eintrittspreisen rechnen?

Kölbl: Ich denke und hoffe nicht, dass wir das Badria schließen müssen. Grundsätzlich steht fest, dass wir es statt mit Gas auch mit Öl betreiben können. Der Werkausschuss des Stadtrates hat beschlossen, die alten Öltanks wieder zu befüllen. Das haben wir bereits gemacht, auch wenn uns diese Entscheidung aus Gründen des Klimaschutzes natürlich schwergefallen ist. Bisher sind wir ja den Weg gegangen, die Leistungen etwas zu reduzieren und die Wassertemperatur leicht zu senken. Im Moment sind keine Änderungen bei den Eintrittspreisen geplant. Auch im Winter wollen wir unsere Saunalandschaft in Betrieb lassen. Doch wir müssen alle Maßnahmen immer wieder auf den Prüfstand stellen: Es wird uns vermutlich nicht erspart bleiben, die Preise in Zukunft zu erhöhen.

Wie haben die Gäste auf die Sparmaßnahmen reagiert?

Kölbl: Zum Teil schon heftig – mit deutlichem Unverständnis. Das gilt vor allem für die Reaktionen auf die etwas kältere Wassertemperatur. Doch es gibt auch Kunden, die die Maßnahme akzeptieren und froh sind, das Bad in dieser Krise überhaupt nutzen zu können. Zur Tatsache, dass nachts Gebäude wie die Burg nicht mehr beleuchtet werden, gab es übrigens bisher keine negativen Reaktionen.

Kann sich die Stadt grundsätzlich ein Bad wie das Badria auf Dauer überhaupt leisten?

Kölbl: Es ist ja nicht nur ein Bad, es ist ein Freizeitzentrum mit Sport- und Mehrzweckhalle. Die Frage lässt sich außerdem nicht pauschal beantworten. Denn es hängt von vielen Faktoren ab: Wie entwickeln sich die Haushaltslage der Stadt und die einzelnen Geschäftsfelder bei den Stadtwerken, die ja das Badria betreiben? Gelingt es den Stadtwerken als kommunaler Tochter, mit dem Stromvertrieb auf Dauer Gewinn zu machen? Ja, wir hoffen, dass wir die Einrichtung auf Dauer halten können. Und ja, ich gehe davon aus. Doch es kann sein, dass das eine oder andere Angebot wegfallen muss. Der Werkausschuss des Stadtrates trifft sich im Herbst zu einer Klausur, bei der es um die Weichenstellungen für die Zukunft des Badria geht. Uns sind natürlich die Hände gebunden, wenn die nächste Stufe beim Notfallplan Gas kommen sollte: Dann kann es zu Zwangsschließungen kommen.

Auch die Mittelschicht befürchtet angesichts der steigenden Preise und hohen Inflation den sozialen Abstieg. Was kann eine Kommune tun?

Kölbl: Wir haben bereits ein sehr gutes Instrument, um den Menschen zu helfen: den Wasserburg-Pass, ein soziales Korrektiv. Der Kreis der Begünstigten, die Ermäßigungen bei vielen öffentlichen Einrichtungen und Bildungsangeboten sowie beim ÖPNV bekommen, ist vom Stadtrat bereits erweitert worden – bis in die untere Mittelschicht hinein. Über dieses Instrument wäre es auch möglich, bei Härtefällen in überschaubarer Größe Zuschüsse auszugeben. Wasserburg hat außerdem einen sehr günstigen Stadtbus. Hier wäre mein persönlicher Wunsch, dass auch das Umland besser angeschlossen wird – durch die Integration von Stadt und Landkreis in den einfachen MVV-Tarif. Die Geschäftsleute in der Stadt unterstützen wir bereits dadurch, dass wir die Sondernutzungsgebühren für Gastro und Handel im Außenbereich auf null gesetzt haben. Und wir haben den Bürgerbahnhof als Beratungsstelle für soziale Anliegen aller Art – eine in dieser Form einmalige kommunale Einrichtung. Fest steht jedoch: Wenn die Gas- und Strompreise explodieren, könnten sich die Nebenkosten verdoppeln bis verdreifachen: Das bringt so manchen Haushalt an seine finanziellen Grenzen.

Auch die Pandemie ist nach wie vor da. Erwarten Sie einen Herbst mit neuen Einschränkungen?

Kölbl: Eher nicht. Wenn sogar das Oktoberfest stattfinden darf, erübrigt sich eine Diskussion über Einschränkungen. Es ist anscheinend allgemeiner gesellschaftlicher Konsens: Jeder muss eigenverantwortlich das Risiko einschätzen und damit umgehen.

Der Kiebitz bremst die S-Bahn nach Wasserburg aus, die Fledermaus stoppt den Abriss der Essigfabrik: Sind die Auflagen rund um Ersatzflächen für den Artenschutz in diesen Zeiten noch zeitgemäß?

Kölbl: Nein, ich halte sie für übertrieben. Da treffen Sie einen empfindlichen Nerv bei mir. Der Kiebitz und die Fledermaus sind zwei perfekte Beispiele dafür, dass wir es manchmal total übertreiben. Es ist doch paradox, dass Ausgleichsflächen für den Bodenbrüter – den wir schützen wollen, ganz klar – verhindern, dass ein ebenso wichtiges ökologisches Projekt wie die Elektrifizierung der Eisenbahn nicht vorankommt. Es ist auch paradox, dass wir Ersatz für die Fledermaus schaffen müssen und dann ein wichtiges Projekt des sozialen Wohnungsbaus, ein genauso drängendes Thema der Zeit wie der Artenschutz, verzögert wird. Wir brauchen mehr Pragmatismus, mehr Bereitschaft, zwischen den einzelnen Gütern, die betroffen sind, abzuwägen.

Die Pandemie hat sich kaum auf die Gewerbesteuereinnahmen in Wasserburg ausgewirkt. Die hohen Energiekosten werden jedoch in vielen Unternehmen die Betriebskosten stark erhöhen und damit Umsatz und Gewinn senken. Erwarten Sie einen Einbruch bei der Gewerbesteuer? Muss die Stadt den Gürtel enger schnallen?

Kölbl: Ich hoffe, dass es nicht zu einem Einbruch bei der Steuereinnahmen kommt. Denn die Stadt ist aufgrund des Branchenmix wirtschaftlich gut und stabil aufgestellt. Ein Blick in die Zukunft ist außerdem derzeit Kaffeesatzleserei, zu unruhig sind diese Zeiten. Fest steht wohl: Wir sollten kleinere Brötchen backen. Alle Ausgaben müssen auf den Prüfstand, Investitionen vor allem auf ihre Folgekosten hin untersucht werden.

Hätten Sie gedacht, dass ihre letzte Amtsperiode so herausfordernd wird?

Kölbl: Oh, nein. Ehrlich gesagt: Es ist die herausforderndste Amtsperiode, die anstrengendste. Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg mit seinen Folgen: zwei Mega-Krisen hintereinander, die uns alle andauernd fordern. Schon während der Hochzeit der Pandemie gab es fast jeden Tag eine Überraschung, ständig neue Anordnungen, die es umzusetzen gab. Die Pandemie ist noch nicht vorbei, jetzt ist schon die nächste Krise mit steigenden Energiepreisen und hoher Inflation da. Deshalb hat es der neue Stadtrat besonders schwer: Während der Corona-Krise hatte er kaum Chance, sich zu finden auf der mehr persönlichen Ebene. Das geht dem Gremium ab. Auch Stadtverwaltung und Stadtwerke waren und sind extrem gefordert. Denn jetzt sind wir erneut im Dauerkrisenmodus. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Infobox: Das passiert beim Blackout

Was passiert, wenn es zu einem sogenannten Blackout, also dem großflächigen Ausfall der Stromversorgung als Folge der aktuellen Energiekrise, kommen sollte?

Die Einflüsse der Stadt auf die Netze der übergeordneten Betreiber sind laut Bürgermeister Michael Kölbl gering. Doch die Stadt sei vorbereitet: Für alle lebenswichtigen Versorgungseinrichtungen gebe es Aggregate, die über den Einsatz von Diesel Strom erzeugen könnten. Das treffe unter anderem auf das Klärwerk und das Schöpfwerk am Inn zu. „Wir können aber nicht die ganze Stadt mit Strom versorgen“, so Kölbl.

Großes Glück hat Wasserburg bei der Wasserversorgung. Sie erfolgt über einen sogenannten artesischen Brunnen, aus dem das Wasser von selbst austritt. Ohne Pumpenunterstützung gelangt das Trinkwasser von der Quelle im Fuchsthal bis zum Hochbehälter am Badria, berichtet der Rathauschef. Für den Weitertransport in höher gelegene Siedlungen wie das Obere Burgerfeld seien Aggregate vorhanden.

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