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Trockenheit ist ein Problem

Dramatisches Amphibiensterben: Wasserburger Krötensammler sind in großer Sorge

Gerettet: Erdkröte Weibchen (unten) und Männchen.
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Gerettet: Erdkröte Weibchen (unten) und Männchen.
  • VonKarheinz Rieger
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Nach der Trockenheit begeben sich jetzt die Kröten auf Wanderschaft zu den Laichgewässern. Damit sie nicht überfahren werden, sammeln Helfer die Tiere ein und tragen sie über die Straße. Eine erfolgreiche Rettungsaktion des Bund Naturschutz, Ortsgruppe Wasserburg, die trotzdem ein Problem aufzeigt.

Wasserburg am Inn– 25 Erdkröten und ein Grasfrosch konnte das Sammelteam der Wasserburger Bund Natur-schutz Ortsgruppe am ersten Tag nach der längeren Trockenzeit bei Breitenbach in das angestammte Laichgewässer bringen. Der leichte Nieselregen und die Temperaturen über fünf Grad hatten genügt, die ersten Amphibien in Wanderlaune zu versetzen.

Größtes Hindernis: die Staatsstraße 2092. Über 110 Jahre an gemeinsamer Amphibien-Rettungserfahrung fanden sich mit Gert Graedler, Gerda Heinz, Burghard Martl und Helmut Stöckl zu diesem Einsatz zusammen.

Tote Tiere ein „grauenhafter Anblick“

Seit 1984 betreut der Bund Naturschutz die kurze, gut 350 Meter lange Strecke im Bereich des Parkplatzes an der Staatsstraße zwischen Perfall und dem Schonstetter Kreisel jetzt schon. Gert Graedler, damals Mitinitiator der ersten Überquerungshilfe, ist auch heute noch aktiv dabei und freut sich über jedes Tier, das heil sein Laichgewässer erreicht. Dies ist gar nicht so selbstverständlich, fand die Gruppe doch auch diesmal wieder zwei überfahrene Grasfrösche bei der Aktion.

Graedler erinnert sich noch gut an die Anfänge der Amphibienrettung, als ihn eine Frau nachts anrief, dass an dieser Straße zahlreiche Kröten „zu Matsch gefahren worden“ seien. „Grauenhaft“ sei der Anblick dann für ihn gewesen. Damals hätten bei der ersten gemeinsamen Rettungsaktion noch „windige Plastikplanen“ zwischen Holzpfosten die Kröten in die Sammeleimer geleitet. Die Provisorien seien aber schon mal vom Fahrtwind der vorbeirauschenden Laster mitgerissen worden, sodass eine geeignetere Lösung gefunden werden musste. Vor etwa zehn Jahren wurde schließlich der stabile Metallzaun errichtet, vor dem in regelmäßigen Abständen die Sammelröhren die am Hindernis entlang wandernden Kröten und Frösche, zu denen sich auch schon mal Blindschleichen und Molche gesellen, aufnehmen. Dort werden sie dann regelmäßig von den Mitgliedern des Sammelteams entnommen und direkt zum nahe gelegenen Laichgewässer transportiert.

Dass sie nicht einfach nur über die Straße getragen und sich selbst überlassen werden, klärt Helmut Stöckl auf, läge daran, dass man Verluste während der Wanderung über die freien Flächen durch Reiher, Krähen und Greifvögel vermeiden möchte.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

Freuen sich über jedes gerettete Tier: die erfahrenen Sammler (von links) Burghard Martl, Helmut Stöckl, Gert Graedler und Gerda Heinz

Da über die Kröten-Aktionen seit 1985 genauestens Buch geführt wird, ist ein bedauerlicher Trend zu beobachten. Es werden immer weniger Tiere in den Sammelbehältern gefunden. Waren es 1985 zu Beginn noch 1239 Erdkröten, im Rekordjahr 1994 sogar 2165, nahm die Zahl nach der Jahrtausendwende kontinuierlich ab, bedauern die Helfer. 2020 waren es nur 260 Tiere, vergangenes Jahr sogar nur 94 insgesamt. Da bessern die Jahresbilanz auch vier Grasfrösche und drei Blindschleichen nicht mehr auf, ist festzustellen.

Bitte an Autofahrer: runter vom Gas in den nächsten Wochen

Damit die Amphibien nach einigen Wochen, die Jungtiere später in gut drei Monaten, wieder zurück in ihre Waldbereiche kommen, ist dadurch gesorgt, dass an den der Straße zugewandten Seite Erdaufhäufungen das Überqueren des Zaunes möglich machen. Auch deshalb sollten in nächster Zeit die Fahrzeuglenker die Geschwindigkeitsbegrenzung vor Ort beachten, so der Appell.

Runter vom Gas: Die Geschwindigkeitsbegrenzung wurde von Gert Graedler, Gerda Heinz, Helmut Stöckl und Burghard Martl (von links) aufgestellt.

Zufriedenen Gesichter zeigten jedenfalls die vier Amphibienretter an diesem Tag, die nur bedauern, dass sich wieder wegen der Schulzeiten während der Woche keine Kinder am Sammeln beteiligen konnten. Die zu erwartenden niedrigen Temperaturen und möglicher Schneefall dürften nämlich die Wanderung der Tiere weitgehend unterbrechen.

Dies gilt auch für die beiden anderen vom Bund Naturschutz,Ortsgruppe Wasserburg, betreuten Strecken bei Penzing und Fleckhäusl, wo es sich unter anderen auch die 86-jährige Josefine Weigl nicht nehmen lässt immer noch aktiv mit zu helfen.