Wasserburg in alten Plänen

Begutachten zusammen die Schäden an einem Bauplan: Stadtarchivar Matthias Haupt und Historikerin Franziska Schubert. Foto Anner
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Begutachten zusammen die Schäden an einem Bauplan: Stadtarchivar Matthias Haupt und Historikerin Franziska Schubert. Foto Anner

Letztes Jahr musste das Wasserburger Stadtarchiv innerhalb kurzer Zeit einen großen Bestand an Plänen vom Bauamt übernehmen. Jetzt müssen die über 4000 Pläne erfasst, gesichert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dazu hat Stadtarchivar Matthias Haupt ein Modellprojekt gestartet, das mit 17000 Euro gefördert wird.

Wasserburg - Die rund 4000 technischen Zeichnungen, Bauzeichnungen und Baupläne wurden auf dem Speicher des Bauamts gelagert. "Wir mussten relativ plötzlich diesen riesigen, ungeordneten Bestand übernehmen", erklärt Haupt. Jetzt muss das Archiv die Pläne erschließen, konservieren und restaurieren.

Eine Menge Arbeit, die für ein kleines Archiv wie das Wasserburger nur schwer zu bewältigen sei, meint Haupt. Zwar seien glücklicherweise viele der Stücke in Planschränken verwahrt worden - die sind zwar teilweise stark verschmutzt, aber nicht so stark beschädigt. Viele wurden allerdings auch gerollt aufbewahrt, teilweise ohne Schutzhülle. Sie haben viele Risse und Brüche, bei manchen fehlen Stücke. Auch Klebestreifen verursachen Schäden - wenn sie altern, werden die Klebereste braun und müssen dann vorsichtig von einem Restaurator abgelöst werden.

190 der Pläne sind restaurierungsbedürftig, davon 155 mit leichten bis mittleren und 35 mit schweren Schäden. Die Restaurierung und Konservierung ist wichtig. "Die Pläne sind bislang teilweise in einem so schlechten Zustand, dass wir sie der Öffentlichkeit nicht zugänglich machen können. Dabei wäre genau das die Aufgabe des Archivs", sagt Haupt.

Damit es die erfüllen kann, bewarb sich Haupt um die Modellprojektförderung der "Koordinierungsstelle für den Erhalt des schriftlichen Kulturguts in Deutschland". 17000 Euro stellt sie für das Projekt zur Verfügung. Etwa den selben Betrag muss das Archiv an Eigenmitteln einbringen.

Bei der Arbeit mit den Plänen, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, ist Vorsicht geboten. Das Papier ist teils sehr porös und zerbricht leicht. Damit die Schäden nicht noch größer werden, hat Haupt ein Modell entwickelt, bei dem die Pläne möglichst wenig in die Hand genommen werden.

Historikerin Franziska Schubert ist für die Erschließung der Pläne zuständig. Sie begutachtet sie, sortiert die doppelten aus und fotografiert sie ab. Am Ende sind die Pläne in der Datenbank abrufbar, zusammen mit allen relevanten Zusatzinformationen.

Außerdem erfasst Schubert die Schäden in einem Schadenskataster. Dort steht genau beschrieben, in welchem Zustand sich die einzelnen Stücke befinden. Anhand des Katasters können sie und Haupt sehen, welche Pläne wie behandelt werden müssen.

Genau das - die Erfassung der Pläne im Schadenskataster, um deren unnötige Strapazierung durch wiederholtes Anfassen und Begutachten zu verhindern - ist der Modellcharakter. Den musste Haupt nachweisen, damit er die Förderung bekam. "Dieses Jahr lautete das Motto 'Bestandserhalt im Großformat'. Da passt unser Projekt sehr gut rein", erklärt er. Ohne die Förderung wäre das Projekt nur über mehrere Jahre zu stemmen gewesen, meint Haupt. Aber auch mit dem zusätzlichen Geld wird das Archiv es nicht schaffen, alle Pläne noch heuer zu erschließen.

Bislang hat Schubert etwa 2500 Pläne verzeichnet, mehrere hundert fehlen noch. Allerdings handelt es sich bei diesen nur um die neuren Pläne, die in der Regel weniger stark in Mitleidenschaft gezogen wurden und daher kaum restaurierungsbedürftig sind. Derzeit laufen die öffentlichen Ausschreibungen für die Restaurierung. "Ab September gehen dann die Pläne zur Bearbeitung raus", erklärt Haupt.

Am Ende werden die Pläne für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Das sei gerade hier wichtig, findet Haupt. Denn etwa ein Drittel der Pläne umfasst die Infrastruktur, wie Kanalisation, Straßenbau und Leitungen. Bei zukünftigen Bauvorhaben könnten diese Pläne durchaus eine Rolle spielen.

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