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Gesundheitsminister im neuen Großklinikum

Wasserburger Ärzte und Pflegekräfte schildern Klaus Holetschek ihre Sorgen und Hoffnungen

Traumaussichten in die Heilgärten, sorgenvolle Blicke angesichts Personalnot und Problemen bei der Krankenhausfinanzierung: Gesundheitsminister Klaus Holetschek (Mitte) im Gespräch mit Landrat Otto Lederer (links) als Vertreter der Krankenhausgesellschaft von Stadt und Landkreis (Romed) sowie Bezirkstagspräsident Josef Mederer als Vertreter des Krankenhausunternehmens des Bezirks Oberbayerns (kbo-Inn-Salzach-Klinikum). Rieger
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Traumaussichten in die Heilgärten, sorgenvolle Blicke angesichts Personalnot und Problemen bei der Krankenhausfinanzierung: Gesundheitsminister Klaus Holetschek (Mitte) im Gespräch mit Landrat Otto Lederer (links) als Vertreter der Krankenhausgesellschaft von Stadt und Landkreis (Romed) sowie Bezirkstagspräsident Josef Mederer als Vertreter des Krankenhausunternehmens des Bezirks Oberbayern (kbo-Inn-Salzach-Klinikum). Rieger
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Der Gesundheitsminister kam zu früh und nahm sich viel Zeit: Klaus Holetschek hat dem neuen Großklinikum in Wasserburg den ersten Besuch abgestattet. Trotz großer Freude über ein hochmodernes Haus, das jetzt das ganze Spektrum der Notfallmedizin abdeckt, prägten auch Sorgen den Aufenthalt.

Wasserburg – „Gemeinsam“: Das ist das Wort des Tages. Es fällt an diesem Morgen, an dem Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek dem neuen Großklinikum in Wasserburg seinen ersten Besuch abstattet, so oft, dass wirklich jedem klar wird: Dieser Neubau ist vor allem eins: eine Teamleistung. Zwei selbstständig bleibende Kliniken – eine kleine somatische und eine große psychiatrische – räumlich vereint unter einem Dach, zwei Krankenhausträger, die das größte Klinikbauvorhaben in Bayern gemeinsam stemmen. Holetschek spricht von einer „Vorbildfunktion“.

Besuch beginnt mit Überraschung

Der zweistündige Besuch beginnt mit einer Überraschung: Der Minister kommt eine Viertelstunde zu früh. Und hält sich vor dem gemeinsamen Eingang von kbo-Inn-Salzach-Klinikum (ISK) und Romed-Klinik nicht lange mit Förmlichkeiten auf: Kurzes Händelschütteln, dann steigt Klaus Holetschek gleich ein in die drängendste Frage der Zeit: Wie das neue Großklinikum beheizt werde, will der Gast aus München angesichts der Tatsache wissen, dass 62 Prozent aller Kliniken am Gashahn hängen. Der Bezirkstagstagspräsident hat eine gute Nachricht: „Mit Hackschnitzeln“. Das ist schon seit 2012 so, als das Inn-Salzach-Klinikum unter Trägerschaft des Krankenhausunternehmens des Bezirks Oberbayern auf die regenerative Energie von heimischen Waldbauern umgestiegen ist.

Gespräch mit Pflegepersonal

Eine Sorge, die viele Kliniken in Bayern umtreibt, ist in Wasserburg also kein Thema. Doch trotz Traumblick in die Voralpen und die Heilgärten, den der Minister von der Cafeteria aus genießt und trotz Aufbruchstimmung, die bei den ISK- und Romed-Vertretern deutlich zu spüren ist, gibt es auch im neuen Gebäude alte Sorgen. Der Fachkräftemangel prägt die Gespräche mit Holetschek. Im Patientenzimmer der neuen Neurologie mit Stroke-Unit (ISK) zur Schlaganfall-Erstversorgung sucht der Minister das Gespräch mit den Gesundheits- und Krankenpflegern Josef Kobus und Thomas Seigner. Die stellvertretenden Pflegeleiter sind überzeugt: Damit die Personalnot in der Pflege bekämpft werden kann, müssten vor allem die Rahmenbedingungen stimmen: personell gut besetzte Dienste, Teilzeitmodelle, gutes Arbeitsklima. „Das Finanzielle spielt natürlich auch eine große Rolle, ist aber nicht alles“, berichten die hoch spezialisierten Fachkräfte.

Gesprächsbedarf: Der Gesundheitsminister Klaus Holetschek (Zweiter von links) nahm sich zwei Stunden Zeit für die Sorgen von Vertretern aus den beiden Kliniken ISK und Romed.

Auch für Nadine Ebert, leitende medizinisch-technische Assistentin (MTA) in der neuen Radiologie von Romed, nimmt sich Holetschek viel Zeit. Sie erklärt, warum es so schwer ist, Fachkräfte zu bekommen – auch weil die bürokratischen Hürden hoch sind, wenn es beispielsweise darum geht, Personal aus dem Ausland zu holen. Der Minister sagt klar: „Wir brauchen hier mehr Flexibilität, sonst fahren wir das System an die Wand.“ Und gibt Ebert, die auf einen Ausbildungsschub hofft, mit auf den Weg: „Halten Sie durch.“

Neubau als Standortvorteil

Tatsache ist: Das neue hochmoderne Großklinikum ist ein Qualitätsfaktor, der zieht, berichten der Chefarzt der Neurologie im Inn-Salzach-Klinikum, Dr. Tobias Winkler, und der Ärztliche Direktor sowie Chefarzt der Anästhesie an der Romed-Klinik, Dr. Gordon Hoffmann. Sie sind per Du, auch personell wachsen die beiden Kliniken zu einem Team zusammen. Das zeigt der gemeinsame Auftritt, an dem auch Martin Spuckti, Vorstandsvorsitzender der Kliniken des Bezirks Oberbayern, Ruth Höfter, stellvertretende Ärztliche Direktorin im ISK, Tobias Forstner, ISK-Verwaltungsleiter,und Dr. Charlottte Rüther, Chefärztin der Radiologie und Neuroradiologie in Romed, teilnehmen. Durch die Klinik führt im Beisein von Bürgermeister Michael Kölbl die Pflegedirektorin des Inn-Salzach-Klinikums, Kerstin Weinisch. Sie charakterisierte den Neubau als ein Haus „für die Genesung von Körper und Geist“.

Die Neurologie, angeordnet im Inn-Salzach-Klinikum, ist laut Dr. Jens Deerberg-Wittram, Geschäftsführer der von der Krankenhausgesellschaft der Stadt und des Landkreises betriebenen Romed-Kliniken, das beste Beispiel für die Synergien des gemeinsamen Neubaus. Denn nur wenige Meter entfernt beginnt die vollständig autarke Neuro-Radiologie von Romed: CT, MRT, Röntgengeräte, Herzkatheterlabor. Beide Kliniken decken ab Herbst, wenn zuerst auch die Neurologie von ISK, dann Romed einzieht, das gesamte Spektrum der Notfallmedizin in Wasserburg ab, freut sich Deerberg-Wittram. Romed Wasserburg sei dann nicht länger ein kleines Kreiskrankenhaus, sondern eine ganz neue hochmoderne Klinik. Das bestätigt auch Christof Maaßen, kaufmännischer Leiter von Romed Wasserburg: „Wir katapultieren uns in ein anderes Zeitalter“, sagt er stolz bei der Besichtigung des CT-Geräts. Und sorgt für einen Lacher, als er die neue Gemeinsamkeit mit dem ISK als „Klinik-WG“ charakterisiert.

Eng arbeiten Inn-Salzach-Klinikum und Romed nicht nur in der Notfallmedizin zusammen. Auch außerhalb des Akut-Bereichs sollen Patienten von der Teamarbeit profitieren, berichtet Deerberg-Wittram. Denn Studien hätten belegt, bei körperlich schwer erkrankten Menschen werde oft unterschätzt, wie sehr sie manchmal auch psychisch leiden würden. 30 Prozent aller Patienten, die mit einer schweren Depression zu kämpfen hätten, seien – oft unerkannt – auch kardiologisch auffällig. Im neuen gemeinsamen Klinikum könnten deshalb Mediziner der Somatik eng mit Ärzten aus der Psychiatrie zusammenarbeiten.

Ausbau der Angebote

Während Romed im Neubau die Angebote durch das Herzkatheter-Labor und die neue Gefäßchirurgie erweitert, wird im ISK ein Fokus beim Ausbau der Angebote auch auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie gelegt, machte Bezirkstagspräsident Mederer deutlich. Der Gesundheitsminister bestätigt auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung, dass der Bedarf – auch als Folge der Pandemie – in diesem Bereich stark gestiegen sei. Die Wartelisten seien lang, es fehle an Therapeuten und Fachärzten für seelisch kranke Kinder. Ein Ausbau der Studienplätze soll helfen, die Fachkräfte für diese kleinen Patienten zu rekrutieren, so Holetschek. Niederschwellige Angebote – flächendeckend in ganz Bayern – seien dringend notwendig. Landrat Otto Lederer sprach von der Notwendigkeit, Netzwerke im Landkreis zu entwickeln, in die auch die niedergelassenen Ärzte und ambulante Strukturen eingebunden werden.

Weiterbau zeitnah vorgesehen

Dass der Bedarf an psychiatrischen Hilfen für Kinder und Jugendliche steigt, liegt laut Überzeugung von Mederer nicht nur an den Folgen der Pandemie, sondern auch an der Tatsache, dass seelische Erkrankungen in den vergangenen Jahren entstigmatisiert worden seien. Das neue Klinikum will zu dieser Öffnung beitragen – unter anderem durch einen gemeinsamen Eingang.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer (links) bei der Begrüßung von Gesundheitsminister Klaus Holetschek

Wenn im Herbst auch Romed einzieht, ist das Vorhaben noch nicht abgeschlossen. Holetschek kündigte an, dass es mit den weiteren Bauabschnitten für das ISK nahtlos weitergehen wird. „Ich werde mich für die zeitgerechte Finanzierung der Folgeprojekte einsetzen.“ Im Endausbau hat das Klinikzentrum in Wasserburg dann 656 Betten.

Minister fordert: Bund muss Ausgleich für Kliniken in der Energiekrise schaffen“

Inflation und Energiekrise treffen die Kliniken hart. Sie haben außerdem nach wie vor mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Einsparpotenziale gibt es kaum. Gesundheitsminister Klaus Holetschek forderte bei der Pressekonferenz aus Anlass seines Besuches im Neubau von Romed und kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg deshalb: „Der Bund muss dringend einen Ausgleich für die Kliniken schaffen.“ Wenn Berlin nicht endlich schnell in die Puschen komme, „fahren wir das System an die Wand“, warnte Holetschek. Das Thema Energie stelle eine „Riesenbelastung“ für die Kliniken dar. Es müsse dringend mehr als ein Signal aus Berlin kommen, dass die Betriebskostenfinanzierung gelöst werde.

Landrat Otto Lederer als Vertreter der Krankenhausgesellschaft von Stadt und Landkreis betonte, Defizite als Folge von Inflation und explodierender Energiepreise dürften auf keinen Fall den Kommunen aufgebürdet werden, indem die Kosten nach unten weitergereicht würden. Der Landkreis unterstütze diesbezüglich die Forderungen der Gesundheitsminister der Länder und eine eventuelle Bundesratsoffensive, mit der der Bund zur Refinanzierungsunterstützung aufgefordert werde.

Der Freistaat leiste viel im Bereich Krankenhausförderung, ergänzte Holetschek: Der Etat habe auch heuer mit 643 Millionen Euro ein Spitzenniveau erreicht. Er sieht – ebenso wie Tobias Forstner, Verwaltungsleiter des kbo-Inn-Salzach-Klinikums – im Bemühen, die Krankenhäuser in „green hospitals“ umzubauen, langfristig gesehen einen Weg, Betriebskosten einzusparen. Das neue Großklinikum von ISK und Romed Wasserburg wird beispielsweise mit Hackschnitzeln aus der Region beheizt.

Kosten liegen bisher unter dem Planansatz

Apropos sparen: Bis dato liegt die Finanzierung des Neubaus von Romed und ISK bei den ersten beiden Bauabschnitten zwei Millionen Euro unter dem Ansatz, so Forstner. Die Gesamtkosten für das Großprojekt der beiden Krankenhausträger mit vier Bauabschnitten werden auf 250 Millionen Euro geschätzt. Der Freistaat hat die Maßnahme bislang laut Holetschek mit 105 Millionen Euro unterstützt.

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