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22 Jahre im Todestrakt

100 Minuten Hochspannung bei den Theatertagen in Wasserburg

Heiko Dietz als zum Tode verurteilter Nick Yarris
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Heiko Dietz als zum Tode verurteilter Nick Yarris

Nur ein einziger Darsteller sorgte für 100 Minuten Hochspannung im Theater Wasserburg. Heiko Dietz spielte Nick Yarris, ein zum Tode Verurteilter, der seine Unschuld erst bewiesen werden konnte, nachdem er die eigene Hinrichtung eingefordert hatte.

Von Wolfgang Janeczka

Wasserburg – Es gibt Biografien, die sind so unbegreiflich, dass kein Autor sie sich auszudenken vermag. Die Lebensgeschichte von Nick Yarris gehört in jedem Fall dazu. 22 Jahre saß der US-Amerikaner im Todestrakt verschiedener Staatsgefängnisse. Der heute 61-Jährige war 1982 wegen Entführung, Vergewaltigung und Mord zum Tode verurteilt worden – eine Tat, die er nie begangen hatte.

Ein Jahr zuvor hatte Yarris ein Auto gestohlen. Unter Alkoholeinfluss geriet in eine Verkehrskontrolle, die eskalierte.

Eine tätliche Auseinandersetzung mit einem Police-Officer brachte ihn ins Gefängnis. Dort fand Yarris zufällig einen Zeitungsartikel über den Mord an Linda Craig. Um seine Strafe zu verkürzen, behauptete er, deren Mörder zu kennen. Als aber der falsch Beschuldigte, von dem Yarris glaubte, er sei tot, schließlich wieder auftauchte, wurde er zum Hauptverdächtigen im Mordfall Craig.

Autobiografie als Bestseller

Yarris schrieb seine unglaubliche Lebensgeschichte nieder. Die Autobiografie wurde in den USA zu einem Bestseller und zu einem brennenden Plädoyer gegen die Todesstrafe.

Unter dem Titel „The Fear of 13“, die Furcht vor der Unglückszahl 13, wurde sie verfilmt. Heiko Dietz stieß auf die Geschichte. Der Schauspieler, Regisseur und Theaterautor fragte bei Yarris an, ob er ein Theaterstück dazu verfassen dürfe. Yarris stimmte zu. Genau für 100 Minuten wurde Heiko Dietz zu Nick Yarris, 100 Minuten, die es in sich hatten, brutal, beklemmend und mit einer emotionalen Hochspannung, bei der einem immer wieder den Atem stockte. Dietz hatte auf einem Stuhl auf einer kleinen Bühnenrampe Platz genommen.

Dort saß er, von den immer wieder anflutenden Gefühlsausbrüchen abgesehen, meist statisch da und spielte dennoch mit einer schier unglaublichen Dynamik. Seitlich von ihm im Dunkel hat Tobias Bosse an einem riesigen Mischpult Platz genommen.

Er steuerte Licht und Sound, spielte Nebenfiguren und ließ Bilder scrollen, die sich ins Gedächtnis brannten. Namenslisten unschuldig verurteilter Todeskandidaten wechselten sich ab mit Bildern aus Politik und Filmplakaten aus 22 Jahren Zeitgeschichte.

Ein dokumentarisches Kammerspiel

Sie standen für exakt die 8057 Tage verlorenes Leben im Todestrakt von Huntsville in Texas oder im Florida State Prison. Yarris erlebte im Gefängnis Mord und Totschlag, Misshandlung und Gewalt von denjenigen, die eigentlich das Recht vertreten sollten.

Er machte Bekanntschaft den berüchtigtsten Serienmörder der USA, unter ihnen Ted Bundy, der Insasse in der Nebenzelle war. Heiko Dietz bescherte dem Publikum sowohl als Autor und Schauspieler ein dokumentarisches Kammerspiel mit grandioser Schauspielkunst wie man es nur selten erleben darf.

Die von Nick Yarris nach vielen Rückschlägen seine Unschuld zu beweisen, geforderte Exekution aber blieb aus. Nach 22 Jahren im Todestrakt ließ sich seine Unschuld mit dem Verfahren der gerade entwickelten DNA-Analyse zweifelsfrei beweisen. Ein Labor hatte eher zufällig Proben vom Tatort in einem Keller aufgehoben.

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