Aus dem Stadtrat

Was muss die Wasserburg-App können? Das erforschen nun Studenten der TH Rosenheim

„PayByPhone“ ist eine Parkschein-App, die man in Wasserburg nutzen kann. Wenn es nach der Stadtratsfraktion CSU/Freie Wähler/Wasserburger Block geht, braucht es eine richtige „Wasserburg-App“. Der Antrag wurde im Hauptausschuss diskutiert.
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„PayByPhone“ ist eine Parkschein-App, die man in Wasserburg nutzen kann. Wenn es nach der Stadtratsfraktion CSU/Freie Wähler/Wasserburger Block geht, braucht es eine richtige „Wasserburg-App“. Der Antrag wurde im Hauptausschuss diskutiert.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Die Stadtratsfraktion CSU/Freie Wähler/Wasserburger Block wünscht sich eine Wasserburg-App. Doch was diese App können sollte und welchen Mehrwert sie für die Bürger bieten kann, ist noch unkalr. Nun sollen Studenten der TH Rosenheim dabei helfen, die Entwicklung eines Prototyps auf den Weg zu bringen.

Wasserburg – Nach einem Meinungsaustausch sprach sich der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig (9:0) dafür aus, die Analysephase von der TH Rosenheim durchführen zu lassen. 1000 Euro minimum müsste die Stadt dafür in die Hand nehmen, weil diese „Zieldefinition“ als Spendenprojekt im Rahmen einer Lehrveranstaltung der Software-Engineering-Studenten erfolgt. Eine fertige App kommt dabei nicht heraus, stellte Bürgermeister Michael Kölbl im Gremium klar. Außerdem betreibe die Stadt zwei Apps, den digitalen Abfallkalender und die Parkgebühren-Anwendung PayByPhone“. Derzeit lasse das Museum eine App erstellen, die den Besucher virtuell durchs Haus führt. Einige externe Apps, etwa die von „Chiemsee-Alpenland-Tourismus“ werden mit Daten aus Wasserburg gefüttert.

Kölbl: wo ist Mehrwert gegenüber der Website?

Die Verwaltung habe sich auch schon mit der Umsetzung einer Wasserburg-App beschäftigt, so Kölbl. Sinnvollerweise müsste sie mit der Website über eine Schnittstelle „kooperieren“, damit die Inhalte nicht doppelt eingepflegt werden müssen. Bisher habe man von einer Realisierung abgesehen, weil es keinen nennenswerten Mehrwert im Vergleich zu Website der Stadt gäbe.

Heike Maas (CSU) widersprach ihm. „Der Vorteil: Die App hab ich in der Hosentasche und muss nur mit dem Finger drauf tippen“.

Überquellende Mülleimer der Verwaltung melden

Sie erinnerte ans Onlinezugangsgesetz, das verlangt, sämtliche Verwaltungsleistungen dem Bürger digital anzubieten: zum Beispiel Online-Wahlschein, digitale Signatur mit dem neuen Personalausweis verwenden, ein Zimmer buchen.

„Wie cool wäre es gewesen, neulich beim Hochwasser die Bürger per Push-Mitteilung auf ihrer Wasserburg-App über die Brückensperrung oder die Pegelstände zu informieren“, so Maas. Oder der Bürger könnte ein Foto vom überquellenden Abfalleimer samt Geodaten über die App an die Verwaltung schicken, die dann tätig wird. Maas plädierte für einen zeitgemäßen Kommunikationsweg mit dem Bürger.

Ehrenamtliche ins Boot holen?

Corona habe gezeigt, wie wichtig es sei, viele Menschen schnell zu erreichen. „Die Bürger würden den zusätzlichen Nutzen so einer App anerkennen und wahrnehmen“, sagte sie überzeugt. Natürlich sei ihr klar, dass es in der Verwaltung personell einen „Gegenpart“ zur App brauche, der sich um die Bürger-Meldungen kümmere. „Das ist personell nicht zu stemmen“, warnte Werner Gartner (SPD).

„Wenn alle dafür sind, stellen wir die Leute ein“, sagte der Bürgermeister leicht entnervt in Richtung CSU. Und Gartner ergänzte, die CSU sei es gewesen, die immer ganz genau geschaut habe, dass in der Verwaltung nicht zu viel Geld für Personal ausgegeben werde. „Ich wundere mich über die Haltungsänderung in dieser Sache“, so Gartner.

„Man könnte sich auch Ehrenamtliche ins Boot holen, da hätte ich ein paar Ideen“, sagte Maas.

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Edith Stürmlinger (Bürgerforum) erklärte, sie finde die App auch gut, habe aber Bedenken, dass die Verwaltung das schaffen kann, auf Bürgeranliegen zu reagieren und die App mit Infos zu füttern. Da bräuchte es „Hilfe von außen“.

Kölbl erklärte in Richtung Maas, die Internetseite biete ja schon viele Dienste an. Letztlich sei es Geschmackssache, ob man eine App nutze, oder auf eine Homepage schaue. Eine App dürfe man auch nicht überladen mit Angeboten, „da wäre ein Website-Besuch nämlich gescheiter“.

Abfall-App hat rund 2000 Nutzer

Heike Maas monierte noch, dass es ihr an einer ausreichenden Bewerbung der bereits bestehenden Apps der Stadt mangle, die Abfall-App kenne sie zum Beispiel gar nicht. Kölbl verwies auf die monatlichen Bewerbungen in den städtischen Heimatnachrichten. Die Abfall-App habe rund 2000 Nutzer, die Parkgebühren-App nutzen 3 bis 4 Prozent der Parkenden, was im bundesweiten Trend liege.

Andreas Hiebl, der in der Stadt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und mit Beneken telefoniert habe, sagte, die Studenten finden raus, was die App können muss, zum Beispiel, welche Verwaltungs- und Online-Dienstleistungen gefragt sind. „Das hätte Charme, aber am Ende kommen wir nicht an einer professionellen Agentur vorbei, die uns das umsetzt. Eine eigene App auf den Weg zu bringen und zu unterhalten ist komplex, vor allem mit Blick auf Updates der Betriebssysteme der verschiedenen Smartphones“, so Hiebl.

Geld, das man fürs Depot brauchen könnte

Wolfgang Janeczka (SPD) sagte zur geforderten App, „nice to have“, aber nicht notwendig. „Der Preis ist entscheidend. Der wird wohl im oberen fünfstelligen Bereich oder vielleicht bei 100 000 Euro liegen. Ob‘s und das wert ist, wenn das Geld dann beispielsweise dem Depot abgeht?“ Allerdings seien 1000 Euro für eine Analysephase durch die Studenten sinnvoll investiert. „Dann kann man sich die nächsten Schritte überlegen.“

Steffi König (Grüne) ist Mediengestalterin und habe bereits mit der Pflege von Apps gearbeitet, was sehr aufwendig sei. „Und bei jedem Update des Betriebssystems der Handys hakt‘s erfahrungsgemäß.“ Sie stellte den Nutzen gegenüber der Website der Stadt infrage. „Ja, für 1000 Euro eine Analyse, das ist spannend. Aber ich sehe den Mehrwert skeptisch.“ Nebenbei erinnerte sie daran, dass die berühmte Corona-App der Bundesregierung 20 Millionen Euro gekostet habe.

Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring) sagte, „Apps gibt‘s ja in Hülle und Fülle. Ich kann damit sogar meine Kuh im Stall suchen. Die Frage ist, was können wir der Jugend mit so einer App bieten? Welche Erfahrungen haben andere Kommunen. Ich brauche da mehr Infos“.

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1000 Euro für Analyse sinnvoll

Elisabeth Fischer (CSU) sagte, sie würde die App lieber nutzen, als die Website, schaue auch täglich in die Corona-App.

Steffi König sagte, es brauche eine genauere Definition, was man mit der App verfolge. Maas: „Lasst uns die Analyse machen und schauen, was der Bürger sich wünscht. Das Ding muss mit Schwung auf den Weg gebracht werden“. Wer nicht mit der Zeit gehe, werde abgehängt.

Innovationslabor der TH Rosenheim beauftragen

„Rein von der Kostenseite – 1000 Euro – müssen wir das mit der Analyse machen“, fand Armin Sinzinger (Wasserburger Block).

Konrad Doser, Stadtkämmerer, gab zu bedenken, dass sich Bürger in der Analysephase eventuell Dinge wünschen, die der Programmierer am Ende nicht umsetzen kann. So einigte man sich darauf, zur „Analyse“ an Professor Beneken, Leiter des Innovationslabors der TH Rosenheim, heranzutreten. Schwerpunkte der Anwendungssoftware sollen Information der Bürger und Online-Dienstleitungen sein sowie ein Kommunikationstool zwischen Bürger und Verwaltung.

Alle weiteren Schritte wird der Hauptausschuss dann später neu entscheiden.

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