AUS DEM GEMEINDERAT

Warum die Friedhofsgebühren in Haag steigen

Die Haager Friedhofskapelle muss renoviert werden. Auch solche Investitionen müssen in die Berechnung der Friedhofsgebühren einbezogen werden.
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Die Haager Friedhofskapelle muss renoviert werden. Auch solche Investitionen müssen in die Berechnung der Friedhofsgebühren einbezogen werden.
  • vonLudwig Meindl
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Die Gebühren für den Haager Friedhof sind neu kalkuliert worden. Der Bürger muss mehr zahlen. Doch dem Gemeinderat bleibt keine andere Wahl.

Haag – Der Gemeinderat reduzierte jedoch die empfohlenen 100 Prozent des angemahnten Deckungsgrades auf 75. „Das ist eine gute Basis“, findet Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD).

Anlagevermögen von 1,15 Millionen Euro

Die letzte Kalkulation war 2005 durchgeführt worden. Schon damals, betonte Gemeindegeschäftsleiter Manfred Mörwald, hätte es eine „deutliche Erhöhung“ gebraucht. Doch der Gemeinderat habe davon Abstand genommen. Zur Erhöhung ist die Gemeinde nach Bürgermeisterin Schätz nun verpflichtet: „Wir haben was aufzuholen. Wir waren unter der Kalkulation.“

Die Investitionen in die Friedhöfe der Gemeinde in Haag sowie in Oberndorf seien abzusichern. Von den Bürgern habe sie erfahren, dass sie die Anlagen und die Leistungen schätzen würden. Für den Haager Friedhof gelte besonders: „Er ist vorzeigbar.“

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Vorzeigbar ist nach Ingrid Hannemann, die von der Kommunalberatung als Spezialistin für Friedhofskalkulation hinzugezogen worden war, auch das Anlagevermögen von 1,15 Millionen Euro. „Das ist keine Luxusausstattung, aber das ist was.“ Darunter würden die Immobilien des Leichenhauses, der Kapelle und die Urnenwände fallen.

Generell gab die Expertin zu bedenken, dass die Friedhofsnutzung ähnlich wie die der Wasserversorgung zu den leistungsgebundenen Einrichtungen einer Kommune zähle und kostendeckend zu handhaben sei.

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Im Nachsatz räumte Hannemann ein: „So gut es geht kostendeckend.“

Schwierig gestalte die Berechnung die Forderung, ein Doppelgrab gleich zu behandeln wie ein anonymes Urnengrab. So habe sie an der neuen Berechnung „lange hingearbeitet“. Zu ändern war auch der Abschreibungsmodus. Der Kalkulationszeitraum gilt für vier Jahre. Aus den durchschnittlichen Kosten errechnete sie die Grabnutzungsgebühr.

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Die Grundgebühr pro Bestattung beträgt 60 Euro. Zugrunde liegt eine Bewertung der Anzahl der Bestattungen der vergangenen Jahre, der Belegungs- und Ruhezeiten und Verlängerungen. Die Grabnutzungsgebühr wurde aus der Größe, der Ruhezeit und aus der Anzahl der Bestatteten berechnet. Das Leichenhaus hatte im Durchschnitt 102 Nutzungstage pro Jahr. Daraus ergibt sich die kalkulatorische Nutzungsgebühr bei 100 Prozent Kostendeckung von 120 Euro.

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Es gab nur wenige Nachfragen im Gemeinderat. Siegfried Maier (SPD) sprach die Priestergräber an. Für sie solle der Bürger nicht im Umlageverfahren zur Kasse gebeten werden. Ferner sei der momentane Zeitpunkt der Anhebung ungünstig und nach Möglichkeit zu verschieben. Zu den Priestergräbern teilte Bürgermeisterin Schätz mit, dass sie von der Gemeinde und Kirchenverwaltung gepflegt würden. Ein Aufschub sei nicht möglich, betonte auch Hannemann.

Friedhofskapelle muss saniert werden

Zweiter Bürgermeister Stefan Högenauer (CSU) plädierte dafür, im Zuge der Erhöhung die fällige Renovierung der Friedhofskapelle einzubeziehen. Egon Barlag (Freie Wähler) stufte die vorgeschlagene Verdoppelung der Gebühren nach 15 Jahren als sehr hoch ein und riet, sich auf einen Kompromiss – 70 Prozent – zu verständigen.

In den Beschlüssen stimmte Dr. Bernhard Grabmeyer (Freie Wähler) als einziger gegen die Kenntnisnahme der Kalkulation. Einstimmig fand dagegen der einzuberechnende Deckungsgrad in Höhe von 75 Prozent Befürwortung.

Eine Beispielrechnung

Einzelgrab pro Jahr:

Vorher: 30 Euro.

Neu: 51 Euro.

(Ursprünglich kalkulierte 100-prozentige Deckung: 67,90 Euro)

Urnennische pro Jahr:

Vorher: 30 Euro.

Neu: 60 Euro

(Ursprünglich kalkulierte 100-prozentige Deckung: 71,50 Euro).

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