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Ausgleichsflächen verzweifelt gesucht

Warum der Kiebitz die S-Bahn nach Wasserburg ausbremst

Landwirt Josef Baumann zeigt, wo der Kiebitz gerne seine Kinderstube aufbaut. Die Bahn ist nicht weit entfernt, das ist das Problem.
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Landwirt Josef Baumann zeigt, wo der Kiebitz gerne seine Kinderstube aufbaut. Die Bahn ist nicht weit entfernt, das ist das Problem.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Kleiner Vogel mit großer Bremskraft: Der Kiebitz bringt die Elektrifizierung des Filzenexpresses und damit auch den S-Bahn-Anschluss von Wasserburg ins Flattern. Denn Ausgleichsflächen als neuen Lebensraum für den Bodenbrüter werden verzweifelt gesucht.

Wasserburg – Bis 2026 soll Wasserburg eigentlich einen direkten elektrifizierten Zug nach München bekommen. So ist der Plan. Im Gutachten des Freistaates zum Bahnausbau in der Region ist schon herauszulesen, dass es Probleme gibt: Hier ist von „umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen für den Schutz von Bodenbrütern mit einem Flächenbedarf von 4,5 Hektar“ die Rede. Es geht um neuen Lebensraum für einen kleinen Bodenbrüter, der das Vorhaben und das damit verbundene Planfeststellungsverfahren ins Wanken geraten lässt.

Oberleitungsmasten laden die Beutegreifer ein

17 Kilometer Bahnstrecke zwischen Wasserburg und Ebersberg sollen laut Andrea Schmidt, zuständig für Investitionsprojekte bei der DB Regio Netz Infrastruktur,, elektrifiziert werden. Dafür müssten an der Strecke Oberleitungsmasten aufgestellt werden. Die Seile zwischen den Masten sind das Problem. Denn sie laden Beutegreifer wie den Bussard ein, sich niederzulassen und von hieraus nach Opfern Ausschau zu halten. Das sind oft die Jungen der Kiebitze, die ihre Nester auf dem flachen Boden bauen. Drei Kiebitzbrutpaare leben im Staudhamer Feld, berichtet Schmidt. Je Paar benötige die Bahn etwa 1,5 Hektar Ausgleichsfläche. Diese dürfen nach ihren Angaben bis zu 20 Kilometer um die traditionelle Brutstätte entfernt liegen. Und trotzdem ist es laut Südostbayernbahn (SOB) „sehr, sehr schwierig“, Grundstücke für diesen Zweck zu finden. Seit zwei Jahre werde gesucht – erfolglos.

In Wasserburg ist es besonders problematisch. Denn hier wurde schon Ausgleichsfläche für die Auflösung des Bahnübergangs an der B 304 gesucht. Die wenigen Flächen, die sich eignen, stehen nicht zur Verfügung, weil die Eigentümer nicht verpachten wollen oder weil ihre Flächen nicht geeignet sind, bedauert Schmidt. Doch das Eisenbahnbundesamt habe klargestellt: Ohne Ausgleichsflächen für den Kiebitz kein Planfeststellungsverfahren für die Elektrifizierung des Filzenexpresses und den daraus im zweiten Schritt folgenden S-Bahn-Anschluss von Wasserburg.

Landwirt Josef Baumann kann verstehen, warum es so schwer ist, Ausgleichsflächen zu finden. Er gilt in Wasserburg als größter Kiebitz-Freund. Baumann kennt den Bodenbrüter sehr gut und hat ihn lieben gelernt – obwohl: „Er ist halt ein etwas eigenwilliger Vogel“, sagt der Stadtrat schmunzelnd. Zwischen Staudham und Reitmehring hat der Kiebitz traditionell seine Lieblingskinderstube in Wasserburg.

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Hier zieht er gerne seine Jungen auf. Baumann ist bei der Bewirtschaftung seiner Flächen deshalb vor allem im Frühjahr in Habacht-Stimmung: Denn die Nester des geschützten Vogels sind so schlecht zu erkennen, dass Baumann seine Grundstücke sogar mit der Drohne abfliegt, um keine Eier mit seinen Maschinen zu zerstören. „Ich könnte drei Tage nicht schlafen, wenn mir das passieren würde“, sagt er.

Der Kiebitz fühlt sich im Staudhamer Feld wohl.

Das Problem ist die lange Laufzeit der Verträge

Baumann hat auch schon Grund hergegeben für Ausgleichsflächen. Dass es rund um die Elektrifizierung des Filzenexpresses schwierig wird, weitere Areale aus der Produktion zu nehmen, kann er jedoch gut verstehen. Landwirte, die ausreichend Flächen hätten, würden sich leichttun, andere, die jeden Quadratmeter benötigen würden, aber nur ungern Grund an den Naturschutz verlieren.

Da die abzuschließenden Verträge eine Laufzeit von 25 Jahren haben, „wäre eine ganze Generation von Landwirten gebunden“, gibt Baumann zu bedenken. Außerdem seien die Bauern in Reitmehring-Edling schon geplagt genug mit der Sicherung ihres Grundes rund um die Auflösung des Bahnübergangs an der Bundesstraße 304. Bei der Verpachtung von Flächen schade der Kiebitzschutz den Eigentümern, denn eine landwirtschaftliche Nutzung sei hier zwar nicht ausgeschlossen, jedoch eingeschränkt – etwa im Frühjahr während der Brutzeit. Außerdem eigne sich nicht jede Fläche für dieses Ziel.

Laut Schmidt sollten in einer Entfernung von etwa 100 Metern beispielsweise keine Straßen verlaufen. Und wenig Hindernisse stehen. Denn der Kiebitz ist ein geschickter Flieger, er mag in seiner Flugbahn nicht gestört werde, berichtet Baumann.

Kaum erkennbar: das Nest des Bodenbrüters.

DB wirbt um geeignete Flächen

Die Südostbayernbahn (SOB) sucht seit über zwei Jahren nach Ausgleichsflächen für Kiebitzvorkommen im Staudhamer Feld. Die intensive Flächenrecherche auf den bahneigenen Grundstücken sowie auf Flächen der öffentlichen Hand im Bezirk Oberbayern und bei privaten Grundstückseigentümern war bisher erfolglos. Die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH Südostbayernbahn benötigt nach eigenen Angaben landwirtschaftliche Flächen mit mindestens 1,5 Hektar Größe. Diese sollen einen Mindestabstand von etwa 100 Metern zu allen Kulissen (wie Bäumen, Häusern, Freileitungen) und regelmäßig befahrenen Straßen aufweisen.

Die Flächen würden dann Kiebitz-freundlich umgestaltet, „indem beispielsweise kleinere feuchte Mulden, auch Seigen genannt, geschaffen werden“. Die restliche Fläche könne weiterhin bewirtschaftet werden, jedoch wäre dabei dann auf die Brutzeit des Kiebitz zu achten, so die SOB. Die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH Südostbayernbahn geeignete Flächen gerne erwerben oder mit einer Grunddienstbarkeit für mindestens 25 Jahre pachten. Die Aufwandsentschädigung beziehungsweise der Kaufpreis würden durch anerkannte Gutachter bewertet und ortsüblich vergütet werden. Interessenten melden sich über filzenexpress@deutschebahn.com.

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