Walzerseligkeit in Obing: Wie der Musikverein seine Gäste ins neue Jahrzehnt spielt

Kapellmeister Frank Schöftenhuber spornt die Obinger Blasmusiker zu Höchstleistungen an.

In der vollen Obinger Kirche knüpfte die Blaskapelle des Musikvereins Obing unter der Leitung von Frank Schöftenhuber an die über ein Jahrzehnt währende Tradition an, die Musikbegeisterten aus Obing und Umgebung am Beginn des Jahres im Stil des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker zu erfreuen.

Obing – Mit dem Neujahrskonzert in der vollen Obinger Kirche knüpfte die Blaskapelle des Musikvereins Obing unter der Leitung von Frank Schöftenhuber an die über ein Jahrzehnt währende Tradition an, die Musikbegeisterten aus Obing und Umgebung am Beginn des Jahres im Stil des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker zu erfreuen. Wichtige Programmpunkte waren in Obing auch 2020 Walzer und Polka aus der Feder von Johann Strauß Sohn, ergänzt durch Operettenmelodien insbesondere von Franz Lehár. Und in diesem Jahr sind die Obinger Musiker noch ein wenig mehr dem großen Vorbild näher gekommen. Sie verbreiteten voller Elan genau die richtige festliche, heitere und gelöste Stimmung, die zu dieser musikalischen Einstimmung ins kommende Jahr gehört – und das ganz ohne Geigen.

Temporeich bei der Tritsch-Tratsch-Polka

Schon zu Beginn gab den Blasmusikern des Musikvereins die Ouvertüre zu „Die schöne Galathée“ von Franz von Suppé Gelegenheit, im perfekten Ineinandergreifen der einzelnen Stimmen und Instrumente zu brillieren und viele verschiedene Klangfarben zur Geltung zu bringen. Mit der „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß Sohn bewiesen die Obinger Bläser samt Schlagwerkern, dass sie auch die temporeichsten Stücke so meistern und akzentuieren, dass ihr melodiöser Charakter nicht verloren geht.

Der Ausflug nach Wien ist fürs Obinger Neujahrskonzert eine Selbstverständlichkeit, doch diesmal blieben die Musiker auch in heimischen Gefilden. Dass man hier ebenfalls zu feiern verstand, brachten sie durch festliche Tänze vom Seeoner Kapellmeister Michael Kaltner für die Feste der Herzöge von Leuchtenberg Anfang des 20. Jahrhunderts dem Publikum nahe. Zu dieser Zeit bewohnten die Leuchtenbergs Kloster Seeon als Schloss.

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Walzerseligkeit hielt Einzug in die Obinger Kirche mit den Straußschen „G’schichten aus dem Wienerwald“. Für das zugehörige bekannte Zithersolo wechselte Musikvereinsvorsitzender Herbert Wimmer vom Tenorhorn zum Saiteninstrument, um dieses volksmusikalische Element im Konzertwalzer kongenial darzubieten.

Fürs Neujahrskonzert eher ungewöhnliche Klänge brachten die Soli von Volker Schöftenhuber am Xylophon ein. Der Bruder des Kapellmeisters studiert Schlagwerk und bewies mit dem Czárdás von Vittorio Monti aus dem Jahr 1904, dass die perlenden Töne des Xylophons sehr gut zum tänzerischen Charakter dieser Musik passen. Und in einem zusätzlichen Virtuosenstückl, dem „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow, beeindruckte er das Publikum noch mehr mit tanzenden Schlägeln.

Finale mit dem Radetzky-Marsch

Das im Programm angekündigte „Franz-Lehár-Wunschkonzert“ entpuppte sich als ein bunt gemischter Strauß bekannter Melodien aus den Operetten dieses wichtigen Vertreters der „Silbernen Ära“ der Wiener Operette, abwechselnd dargeboten von den Instrumenten der Blasmusiker und der Tenorstimme des Dirigenten. „Dein ist mein ganzes Herz“, „Gern hab ich die Frau’n geküsst“ oder das Lied des Zarewitsch erinnerten wohl so manchen im Publikum an schöne Operettenabende. Und auch als Zugabe gab es eine Gesangseinlage des singenden Dirigenten – die bekannte Torero-Arie aus Bizets Oper „Carmen“.

Am Ende wurde getreu den Traditionen des Wiener Neujahrskonzerts der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater gespielt. Ebenfalls traditionell: der vielstimmige Neujahrsgruß der Musiker. Und dann noch die spezielle Obinger Tradition: der gemeinsame Glühwein von Musikern und Publikum beim Dorfgemeinschaftspavillon am Rathausplatz.

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